Olaf Janßen, Trainer von Viktoria Köln.

WDR-Sport Formcheck: Die NRW-Drittligisten vor dem Re-Start

Stand: 12.01.2023 15:12 Uhr

Als erste deutsche Profi-Fußball-Liga nimmt die 3. Liga am Wochenende nach der WM-Pause den Spielbetrieb wieder auf. Die fünf NRW-Clubs starten mit unterschiedlchen Vorzeichen in die Rest-Saison.

Von Lukas Thiele

Die 3. Liga startet nach langer WM-Pause am Wochenende in die Rest-Saison. Die NRW-Vereine tummeln sich allesamt im Mittelfeld der Tabelle. Während Viktoria Köln und Rot-Weiss Essen noch weiter nach oben klettern wollen, wird es für den MSV Duisburg, den SC Verl und Borussia Dortmund II eher darum gehen, die Saison ordentlich zu Ende zu spielen. Ein Überblick.

Viktoria Köln: Mit Rückkehrer Wunderlich nach oben?

Die bisherige Saison von Viktoria Köln hatte etwas von einer Achterbahnfahrt. Einem starken Auftakt mit drei Siegen aus vier Spielen folgten neun sieglose Spiele, wiederum gefolgt von vier Siegen am Stück. In der Tabelle bedeutet das Rang sieben.

Sportlich sind die Kölner also mehr als im Soll. Und auch auf dem Transfermarkt haben die Rheinländer aufhorchen lassen: Mike Wunderlich ist zurück. Der 36-Jährige kehrte Zweitligist 1. FC Kaiserslautern im Winter den Rücken und will seine Karriere nun in seinem Heimatverein ausklingen lassen.

Ist mit Wunderlich für die Viktoria vielleicht sogar mehr drin als Rang sieben? "Wir wissen alle, wie die 3. Liga funktioniert – es geht schnell nach oben, aber auch wieder nach unten. Ich glaube, dass sich die Mannschaft eine gute Ausgangsposition in der Hinrunde erschaffen hat", sagt Wunderlich. Er ist bisher der einzige Wintertransfer. Viele deutet jedoch darauf hin, dass Innenverteidiger Michael Schulz noch von Eintracht Braunschweig kommen wird.

Auch die Vorbereitung der Viktoria verlief vielversprechend. Gegen Zweitligist Karlsruher SC gab es ein 1:1, gegen Drittliga-Spitzenreiser SV Elversberg gar einen 5:3-Sieg. Die Kölner dürften im weiteren Saisonverlauf also noch für Überraschungen gut sein.

Zum Start in die Rest-Saison tritt die Viktoria am Samstag (14 Uhr) beim VfL Osnabrück an.

MSV Duisburg: Im Niemandsland - zum Glück

Der MSV Duisburg steht nach 17 Spielen in der 3. Liga mit 22 Punkten auf Rang elf und damit im Niemandsland der Tabelle. Für den MSV ist das aber eine gute Nachricht, nachdem man in den vergangenen Jahren dem Abstieg nur knapp entgangen war.

Dieses Jahr scheint der MSV aber gefestigt genug zu sein, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Die Abwehrleistung hat sich im Vergleich zur vergangenen Saison (71 Gegentore) deutlich verbessert. Bisher kassierte der MSV erst 20 Gegentreffer. Genauso wenig wird es aber wohl nach oben gehen. Dafür ist die Offensive der Zebras (nur 19 Tore) deutlich zu harmlos.

Genauso durchwachsen waren auch die Testspielergebnisse. Zuletzt gab es einen 6:0-Sieg gegen Fünftligist KFC Uerdingen, gefolgt von einer 0:4-Niederlage gegen Zweitliigist SC Paderborn. Da sich auf dem Transfermarkt beim MSV bisher nichts getan hat, werden die Duisburger wohl noch einige Zeit im Niemandsland der 3. Liga bleiben. Aber das ist ja eine gute Nachricht.

Zum Auftakt in die Rest-Saison erwartet die Duisburger eine schwere Aufgabe. Am Samstag (14 Uhr) geht es zum Tabellenzweiten 1. FC Saarbrücken.

SC Verl: Das Kollektiv funktioniert

20 neue Spieler hatte der SC Verl vor der Saison verpflichtet. Vor allem junge Talente, das zeigt das Durchschnittsalter des Teams von gerade einmal 23,3 Jahren. Nach nur vier Punkten aus dem ersten sieben Spielen schien die Maßnahme doch eher nach hinten loszugehen. Doch die Verler berappelten sich und holten bis zum Jahresende 1,8 Punkte pro Spiel. Mit 22 Punkten (Rang zwölf) steht der SCV sechs Punkte vor den Abstiegsplätzen.

Bekannte Namen oder gar Stars haben die Ostwestfalen nicht vorzuweisen. Dafür funktioniert das Kollektiv. Dieses Kollektiv hat im Winter jedoch einen wichtigen Baustein verloren. Toptorschütze Cyrill Akono (vier Tore) ist zum BVB II gewechselt. Ihn soll Oliver Batista Meier ersetzen, der auf Leihbasis von Dynamo Dresden kam.

In der Vorbereitung sorgten die Verler für eine Überraschung, als sie Bundesligist VfL Bochum mit 2:0 besiegten. Gegen den niederländischen Zweitligisten BV De Graafschap gab es dann aber eine 1:5-Niederlage. Die Generalprobe gegen Arminia Bielefeld endete 1:1.

Dank des soliden Fundaments und der guten Teamchemie dürften die Verler in dieser Spielzeit noch den ein oder anderen Überraschungssieg landen. Mehr als ein Platz im Mittelfeld dürfte aber nicht drin sein.

Am Samstag (14 Uhr) treffen die Verler im Breisgau auf den SC Freiburg II.

Rot-Weiss Essen: In Schwung gekommen

Lukas Podolski bei einem Kopfballduell

Lukas Podolski bei einem Kopfballduell

Aufsteiger Rot-Weiss Essen brauchte ein wenig, um sich in der 3. Liga zurechtzufinden. Nach sechs Spieltagen war RWE noch sieglos. Doch dann folgte die Wende und die Essener holten bis zum Jahresende fünf Siege und vier Unentschieden bei nur zwei Niederlagen. Vor allem die Verpflichtung von Felix Götze entpuppte sich als Glücksgriff. Er stabilisierte das Essener Mittelfeld merklich.

Rang 13 (22 Punkte) ist trotzdem noch zu wenig für die ambitionierten Essener, die mittelfristig wieder in der zweiten Liga spielen wollen. Für RWE wird es deshalb nun darum gehen, die gute Form aufrecht zu erhalten und Schwung zu sammeln, um in der kommenden Saison angreifen zu können.

Da trifft sich, dass sich Stürmer Simon Engelmann - in der Regionalliga Essener Toptorjäger - während der WM-Pause zurückgemeldet hat. Engelmann zog sich im Oktober einen Sehnenanriss am Fuß zu, ist nun aber wieder eine Alternative. Auf dem Transfermarkt waren die Essener noch nicht aktiv.

Vier Testspiele absolvierte RWE in der Pause. Einem 3:2-Sieg gegen Paderborn folgten ein 1:1 gegen De Graafschap und zwei Niederlagen gegen PSV Eindhoven (1:4) und Gornik Zabzre (1:3).

Schafft es RWE, die gute Form aus der Hinrunde beizubehalten, ist ein Platz in der oberen Tabellenhälfte realistisch. Erster Gegner nach der WM-Pause ist am Samstag (14 Uhr) der Hallesche FC.

Borussia Dortmund II: Offensiv zu harmlos

Die Reserve des BVB erlebt eine bislang enttäuschende Saison. Vor allem offensiv läuft bei der Borussia wenig zusammen. Gerade einmal 13 Tore erzielten dir Dortmunder in 17 Spielen. Nur Schlusslicht Bayreuth (elf Treffer) traf noch seltener. Platz 14 mit 18 Punkten ist die Folge. Cyrill Akono, der vom SC Verl kam, soll die Probleme in der Offensive nun beheben.

Insgesamt setzt Trainer Christian Preußer schon 30 Spieler in dieser Saison ein. So ist es natürlich schwierig, eine eingespielte Mannschaft zu formen. Doch das ist das Schicksal vieler Reserve-Mannschaften.

Dazu kommt, dass der BVB II seine Heimspiele aufgrund des Umbaus des Stadions Rote Erde derzeit nicht in Dortmund austragen kann, sondern nach Wuppertal ausweichen muss. Diese viele Inkonstanten werden wohl dafür sorgen, dass die Borussia auch für den Rest der Saison im unteren Bereich der Tabelle bleiben wird.

Am Sonntag (14 Uhr) startet der BVB II gegen Schlusslicht Bayreuth in die Rest-Saison.