Bochums Philipp Hofmann jubelt über einen Treffer

WDR-Sport Bochum: Stürmer Hofmanns langer Weg zum Schlüsselspieler

Stand: 23.01.2023 17:25 Uhr

In der Fußball-Bundesliga hat Bochum-Trainer Thomas Letsch das VfL-Spiel erfolgreich auf Stürmer Philipp Hofmann zugeschnitten. Dieser hat eine Odyssee hinter sich – und überrascht nun mit einem Liga-Spitzenwert.

Die Liste der Star-Exporte aus der Schalker "Knappenschmiede" ist lang. Manuel Neuer, Leroy Sané, Julian Draxler – aber auf dieser Liste finden sich auch Profis, die weniger berühmt sind. Deutlich weniger. Zum Beispiel einer, der gerade die Bundesliga ordentlich durchwirbelt: Philipp Hofmann.

Der Mittelstürmer steht allerdings auch längst nicht mehr in Gelsenkirchener Diensten, sondern schießt Tore für den direkten Abstiegskampf-Konkurrenten VfL Bochum. Dort hat er in der laufenden Spielzeit in 16 Einsätzen sechs Tore und einen Assist beigesteuert.

Hofmann einst von Schalke aussortiert

Nun ist es das erklärte Ziel eines Nachwuchsleistungszentrums, dass kein Talent mehr unentdeckt durch das Raster fällt. Und es ist auch nicht so, als wäre Hofmann einst im Schalker Leistungszentrum nicht aufgefallen. Er kam 2010 nach Gelsenkirchen, durchlief dort die Jugendteams ab der U17. In seinem ersten Jahr traf er 17-mal, für die U19 gelangen ihm unter dem renommierten Nachwuchstrainer Norbert Elgert 21 Tore in 36 Partien.

Hofmann galt durchaus als echtes Talent. Doch nach der fußballerischen Herz-und-Nieren-Prüfung des 1,95 Meter großen Angreifers entschied man sich am Berger Feld dann doch gegen eine königsblaue Zukunft Hofmanns.

Für die Schalker Zweitvertretung machte Hofmann in der Saison 2011/2012 24 Spiele - sechs Tore waren dabei aber offenbar zu wenig. Ganz abgesehen davon, dass im Bundesliga-Team die Mittelstürmer-Konkurrenz damals mit Spielern wie Klaas-Jan Huntelaar, Teemu Pukki, Chinedu Obasi, Edu, Adam Szalai oder auch Ciprian Marica überbesetzt war. Es folgten darum Leihen nach Paderborn und Ingolstadt, bevor Kaiserslautern Hofmann für eine Million Euro kaufte.

Spätzünder Hofmann ist Top-Bundesliga-Zweikämpfer

Hofmann etablierte sich zwar langsam als Profifußballer, aber über Liga zwei ging es in den nächsten acht Jahren nie hinaus. Nach Lautern folgten Stationen beim englischen Zweitliga-Klub FC Brentford, in Deutschland lief er für Greuther Fürth und Eintracht Braunschweig in den Ligen zwei und drei auf.

Auf Hofmann passt also die Profilbeschreibung Spätzünder. Denn der gebürtige Sauerländer (Arnsberg) weckte erst bei Erstligisten Begehrlichkeiten, nachdem er zwischen seinem 26. und 29. Lebensjahr für den Karlsruher SC in 104 Pflichtspielen sagenhafte 52 Tore gemacht und 18 Vorlagen geliefert hatte.

Spielerisch liegen die Qualitäten des Stürmers, den Bochum sich vor der laufenden Saison schnappte, nicht nur in der offensichtlichen Abschlussstärke. Sondern auch in seiner robusten Art, Zweikämpfe zu bestreiten. Und zu gewinnen. Denn Hofmann führte von allen Bundesligaprofis die achtmeisten Zweikämpfe, in der Luft sogar die meisten. Jeweils klar über die Hälfte seiner Duelle gewann er auch.

Letsch schneidet VfL-Spiel auf Hofmann zu

Bochum-Trainer Thomas Letsch blickt konzentriert drein

Thomas Letsch, Fußballtrainer des VfL Bochum, blickt konzentriert drein.

Und der neue Bochum-Trainer Thomas Letsch weiß Hofmanns Durchsetzungsvermögen zu schätzen, fordert es gezielt ein, indem er die Mitspieler den Angreifer in Zweikampfsituationen bringen lässt. Er habe das Bochumer Spiel "mehr auf ihn zugeschnitten", erklärte Letsch jüngst nach dem 3:1-Sieg über Hertha BSC, bei dem Hofmann einen Doppelpack geschnürt hatte.

Dem Stürmer selbst gefällt seine Einbindung als zentrales Element im VfL-Spiel: "Ich sage den Jungs immer wieder: 'Bringt die Bälle in die Box.'" Mittlerweile gehört Bochum in der Tat zu den Klubs, die mit am meisten mit Flanken aus dem Spiel heraus agieren. In dieser Statistik liegt der VfL auf Platz sechs, gemeinsam mit Dortmund (145). Und Hofmann mausert sich so doch noch zu einem namhaften Export der Schalker Knappenschmiede.