Schalke 04 muss nicht nur statistisch zulegen

Schalke-Trainer Dimitrios Grammozis mit Simon Terodde

Schalke 04 muss nicht nur statistisch zulegen

Von Jörg Strohschein

Nach sieben Spielen hat sich der FC Schalke 04 im grauen Mittelfeld der 2. Liga eingependelt. Die Mannschaft von Trainer Dimitrios Grammozis hat noch in vielen Bereichen Probleme - und ist viel zu abhängig von Simon Terodde.

Die Erleichterung am Berger Feld ist überschaubar. Zwar konnte der Klub den Nachweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit nach dem Ende der Transferfrist erbringen, der von der Deutschen Fußball Liga (DFL) eingefordert wurde. Ein möglicher Sechs-Punkte-Abzug ist damit vom Tisch. Aber die sportlichen Schwierigkeiten bleiben bestehen: Mit zehn Punkten nach sieben Spielen sind die Schalker bislang graues Mittelmaß in der 2. Liga.

Um dem entgegen zu wirken, hat sich Sportdirektor Rouven Schröder entschlossen, einen weiteren Spieler zu verpflichten. Mit Marc Rzatkowski kommt ein erfahrener Zweitligaspieler, der allerdings zuletzt in den USA tätig war und seit Januar kein Spiel mehr absolviert hat. "Nach den Ausfällen von Danny Latza und Blendi Idrizi sind wir zu dem Entschluss gekommen, dass wir uns im zentralen Mittelfeld noch einmal verstärken wollen", so Schröder.

Kleiner Kader

Der 31-Jährige benötigt aber wohl noch Zeit, bis er vollständig spielfähig ist. Mit dieser Verpflichtung füllen die Schalker auch ihren im Vergleich zu den anderen Zweitligisten überschaubaren Kader auf. 25 Spieler samt Torhüter stehen Trainer Dimitrios Grammozis nun zur Verfügung. Nur Werder Bremen und der Hamburger SV verfügen über dieselbe Anzahl an Profis.Die restlichen Klubs haben eine größere Quantität zu bieten.

Bislang mussten der Trainingskader stets mit mindestens drei Amateurspielern aufgefüllt werden. So ist die Verpflichtung immerhin ein erster Schritt zu mehr Qualität auch bei den Übungseinheiten.

Vor allem vor dem Hintergrund des Wettkampf-Niveaus im Spielbetrieb ein nachzuvollziehender Schritt. "Die Qualität in der 2. Liga hat sich deutlich verbessert. Früher waren es viele lange Bälle, zweite Bälle, Standards. Solche Spiele gibt es auch, aber immer mehr Mannschaften versuchen einen geordneten Spielaufbau", sagte Grammozis dem WDR.

Schalker K.o. nach Fährmann-Fehlgriff und Wanitzek-Traumtor Sportschau 18.09.2021 08:47 Min. Verfügbar bis 30.06.2022 Das Erste

Laufleistungen nur durchschnittlich

Auf welchem qualitativen Stand sich seine Mannschaft derzeit befindet, ist allerdings noch nicht eindeutig einzuordnen. Es hakt noch im Spielaufbau, an der Beharrlichkeit, am Offensivspiel.

Auch die Laufleistungen spiegeln nur den Durchschnitt wider. Bei den Sprints liegen sie auf Platz zehn (1456). Bei der Laufdistanz sogar nur auf Platz zwölf (802,7 Kilometer). Nur bei den Zweikämpfen sind sie ganz vorne: Der S04 kann bislang die meisten gewonnenen Zweikämpfe (816) aller Teams vorweisen.

Aber auch die spielerische Komponente macht den Schalkern und Trainer Grammozis noch zu schaffen. Die Passquote ist mit 82,2 Prozent ebenfalls nur Mittelmaß.

"Ergebnisse sind sehr wichtig, aber ich würde alles nicht nur auf die Ergebnisse schieben", sagt Grammozis denn auch. "Für mich ist auch wichtig, dass wir Fortschritte erzielen. Das gepaart mit Ergebnissen ist auch wichtig für den mentalen Bereich", sagt Grammozis.

Terodde der Fels in der Brandung

Bislang ist es vor allem Simon Terodde, der die Erwartungen vollständig erfüllt - und der die Zweitligastatistiken mit seiner Treffsicherheit auch anführt. In sieben Zweitligapartien erzielte der 33 Jahre alte Angreifer acht Tore und gab zwei Vorlagen. Terodde trifft, wie er will und ist nur noch drei Treffer von Dieter Schatzschneiders Zweitliga-Rekord von 153 Treffern entfernt.

Teroddes Sturmkollege Marius Bülter folgt weit abgeschlagen mit zwei Treffern und drei Vorlagen, Offensivspieler Dominik Drexler konnte sich bislang einmal in die Schalker Torschützenliste eintragen. Die große Abhängigkeit der Mannschaft von Terodde ist nicht zu übersehen. Es fehlt an der Ausgewogenheit sowie der Unberechenbarkeit im Schalker Spiel.

Mangelnde Treffsicherheit

Es ist nicht so, dass die Schalker kein Offensivspiel versuchen würden - aber ihre Treffsicherheit lässt zu wünschen übrig. 100 Torschüsse haben die Schalker bislang abgegeben, aber lediglich elf Bälle landeten im gegnerischen Netz - und damit circa bei jedem neunten Versuch. Zum Vergleich: Bei Spitzenreiter Paderborn (85 Schüsse, 16 Tore) gibt es bereits nach rund jedem fünften Versuch einen Torjubel.

Am Samstag (25.09.2021, 18.30 Uhr) treten die Schalker bei Aufsteiger Hansa Rostock an und stehen bereits unter Zugzwang, den Anschluss an die drei ersten Plätze nicht vollständig aus den Augen zu verlieren. Nur mit einem Sieg würde nach der jüngsten Pleite gegen den Karlsruher SC wohl wieder ein wenig Ruhe in Gelsenkirchen einkehren - und der vor der jüngsten Länderspielpause bereits in die Kritik geratene Grammozis könnte sich der einzig Weiterentwicklung seines Teams widmen.

Stand: 22.09.2021, 11:55

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