"Zu wenig gewehrt" - BVB verzweifelt an sich selbst

Thomas Delaney

"Zu wenig gewehrt" - BVB verzweifelt an sich selbst

Die sechste Saison-Niederlage könnte schon das Ende im Meisterrennen bedeuten: Borussia Dortmund muss Bayer Leverkusen ziehen lassen - die Spitze ist jetzt weit weg. Die Beteiligten? Ratlos.

Während Mats Hummels in den letzten Minuten des Duells mit Bayer Leverkusen auf dem Spielfeld vor sich hin fluchte, saß der ausgewechselte Marco Reus mit gesenktem Kopf auf einer kleinen Betontreppe am Fuß der leeren Zuschauertribüne: Die Anführer von Borussia Dortmunds talentierter Europa-Auswahl wussten ganz genau: Die 1:2-Pleite bei dem West-Rivalen dürfte die eine Niederlage zu viel gewesen sein.

Das Meisterschaftsrennen müssen sie beim BVB nach der schon sechsten Saison-Niederlage wohl für beendet erklären. Leverkusen, Leipzig, die Bayern sowieso: Die Konkurrenten sind erst einmal davongezogen. Der Trainerwechsel vom allzu oft zaudernden Lucien Favre hin zum handfesteren Edin Terzic scheint keine entscheidende Verbesserung gebracht zu haben.

Terzic zu nicht-genutzten Chancen: "Tore entscheiden Spiele" Sportschau 20.01.2021 00:28 Min. Verfügbar bis 20.01.2022 Das Erste

"Haben uns zu wenig gewehrt"

Dabei ist Terzic das Kardinalproblem seines Teams wohl bekannt: "Qualität ist das Ergebnis von Talent plus Mentalität. Wir haben uns zu sehr auf das Talent verlassen und uns zu wenig gewehrt", stieß er erstaunlicherweise die leidige Mentalitätsthematik rund um seine Mannschaft wieder an. Auch für den Coach war es ein irritierend mäßiger Auftritt, nachdem sein Team vor Wochenfrist beim 3:1-Auswärtssieg in Leipzig noch so groß aufgespielt hatte. Gute Leistungen wie vor ein paar Wochen, seien "die Benchmark, an der wir uns selbst messen", betonte der 38-Jährige.

Sie reden also nach wie vor über Mentalität, Willen und Einstellung in Dortmund, dabei zeigte das Spiel am Dienstagabend ein weiteres massives Problemfeld auf: Gegen Bayers blitzschnelle Angreifer fehlte es den Dortmunder Defensivkräften allzu oft an Geschwindigkeit. Leverkusens Leon Bailey und Jungstar Florian Wirtz waren mit dem Ball am Fuß kaum zu stoppen, den überragenden Moussa Diaby bekamen Hummels und Co. nicht einmal ansatzweise in den Griff.

BVB-Defensive zu langsam für Diaby und Co.

Hätte der pfeilschnelle Franzose, der zunächst auf der rechten, später aber auch auf der linken Außenbahn die Gegenspieler wie Slalomstangen stehenließ, ein wenig mehr Kaltschäuzigkeit im Abschluss bewiesen - der BVB wäre in Leverkusen viel deutlicher untergegangen.

"Wir bekommen es einfach nicht über 90 Minuten stabil hin", lamentierte nach der Partie der Ex-Leverkusener Julian Brandt, der in seiner alten Heimat immerhin mal wieder über die komplette Spielzeit ran durfte. Zwar erzielte "Jule" nach über einem Jahr Erfolgslosigkeit endlich mal wieder einen Bundesligatreffer, doch in punkto Entschlossenheit konnte er den ehemaligen Teamkollegen auch nur neidisch hinterherschauen. "Wir hatten nicht genug Intensität. Haben den Leverkusenern zu viel Platz und Zeit gelassen", meinte er.

Brandt: "Das schaffen wir nicht"

Sportschau 19.01.2021 00:45 Min. Verfügbar bis 19.01.2022 ARD


Freitag schon in Mönchengladbach

Es bringe nichts, "irgendwo hinzugucken. Wir müssen nach vorne schauen und uns verbessern. Das einzige, das wir beeinflussen können, ist die Leistung am Freitag", mahnte Terzic derweil an. Dann ist der BVB im nächsten West-Duell bei Borussia Mönchengladbach zu Gast. Der Abstand auf die auf Platz sieben liegenden Fohlen beträgt nur noch einen mageren Punkt. Der Absturz aus den Europapokalrängen droht.

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oja/sid | Stand: 20.01.2021, 10:41

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