Kinderfußball in NRW: Corona-Verwirrung ist komplett

Kinderfußball bei der SG Wattenscheid

Kinderfußball in NRW: Corona-Verwirrung ist komplett

Von Olaf Jansen

Dürfen Kinder bis 14 in NRW auf den Fußballplatz? In manchen Kreisen ist es erlaubt, bei den Nachbarn nicht. Vereinzelt sind negative Selbsttests vor jedem Training vorgeschrieben. Vereinsvertreter sind überfordert.

Selbst Wolfgang Groß ist mit seinem Fußballer-Latein am Ende. Der Jugendtrainer der SG Wattenscheid 09, der schon seit vielen Jahren im Kinderfußball arbeitet, gibt auf - gewissermaßen. "Wir haben jetzt alle Trainingseinheiten für unsere Kinder abgebrochen. Die Vorgaben von der Stadt Bochum sind für uns nicht mehr umzusetzen", sagt er.

Am vergangenen Dienstag erhielten die Bochumer Vereine von ihrem Sportamt eine Mail mit neuen Corona-Vorschriften. Aufgrund der steigenden Inzidenz-Werte, die in Bochum bis auf 136 angestiegen waren, müsse eine Notbremse gezogen werden, hieß es. "Ein Training einer Kindergruppe von beispielweise zehn Kindern ohne entsprechende Testung ist nicht möglich", heißt es in der Vorgabe des Bochumer Sportamts vom 30. März.

Bedeutet: Alle Kinder bis 14, die bis dahin frei trainieren durften, müssen nun vor jeder Trainingseinheit einen amtlich dokumentierten negativen Selbsttest vorweisen. Kostenpunkt pro Test durchschnittlich: 30 Euro.

Bochum: 100 Euro Selbsttest-Kosten pro Woche für jedes Kind

"Nicht umsetzbar", schimpft Groß. Das Problem: Weil weder bundesweit noch in den Ländern allgemein gültige Vorgaben in der derzeitigen Anstiegsphase der Inzidenzien gemacht werden, entscheiden jeder Kreis und jede Stadt eigenständig. Oder leiten die Verantwortung an die Vereine weiter.

Corona-Selbsttest

Corona-Selbsttest

"Damit haben jetzt wir und die Eltern der Kinder den Schwarzen Peter", findet Groß. Und er rechnet vor: "Unsere E-Jugendlichen zum Beispiel trainieren dreimal in der Woche. Das macht pro Nase fast 100 Euro pro Woche für die Tests. Kann man doch von keinem ernsthaft verlangen!"

Vor allem mit einem Blick in die Nachbarschaft fühlt sich Groß benachteiligt: "Unsere Jungs spielen überkreislich. Und in den Nachbarkreisen darf das Training weiter stattfinden. Manche Eltern unserer Kinder überlegen bereits, sich einem dieser Vereine anzuschließen, weil sie bei uns nicht mehr trainieren können."

Märkischer Kreis: alles geschlossen, Siegen: alles offen

Tatsächlich gehen die Kreise und Städte in NRW völlig unterschiedlich mit den steigenden Inzidenzzahlen um, was das Erlaubnis zum Kinderfußball betrifft. Im "Hotspot" Märkischer Kreis (Inzidenz über 200) laut Lüdenscheids Kreisjugendwart Detlev Dräger seit 14 Tagen wieder sämtliche Sportanlagen geschlossen.

Kreismitarbeiter Marco Michel aus dem benachbarten Siegen-Wittgenstein berichtet dagegen bei ähnlicher Inzidenz: Kindertraining bis zu zehn Teilnehmern ist erlaubt.

"Schnelltests sorgen noch nicht für den Durchbruch"

WDR 5 Morgenecho - Interview 29.03.2021 04:49 Min. Verfügbar bis 29.03.2022 WDR 5


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Gelsenkirchen: Bis zehn Kinder frei, bis 20 Kinder: Negativer Selbsttest

Ähnlich verhält es sich Im Ruhrgebiet: Während Bochums Nachbar Herne weiter die Kinder auf die Fußballplätze lässt, klagt Christian Fischer, Vorsitzender des Fußballkreises Gelsenkirchen (Inzidenz um 170) über eine aus seiner Sicht praxisfremde Vorschrift: "Hier dürfen bis zu zehn Kinder frei trainieren. Sind es mehr - erlaubt sind bis zu 20 - müssen alle Kinder einen negativen Selbsttest mitbringen."

Obwohl in Gelsenkirchen Training grundsätzlich also noch möglich ist, berichtet auch Fischer von geschlossenen Sportanlagen: "Viele Vereine haben ihren Betrieb gestoppt, weil die Regeln mittlerweile kompliziert sind und sie daher die Verantwortung nicht mehr tragen wollen."

Stand: 02.04.2021, 12:57

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