Druck auf Düsseldorfs Trainer Rösler nimmt weiter zu

Uwe Rösler, Trainer des Fußball-Zweitligisten Fortuna Düsseldorf.

Druck auf Düsseldorfs Trainer Rösler nimmt weiter zu

Bei der 0:5-Niederlage beim VfL Bochum zeigte Fortuna Düsseldorf ein naives Defensivverhalten und brach nach dem 0:2 auseinander. Die Offensive war erneut harmlos. Trainer Uwe Rösler ging das Spiel "an die Ehre" - und steht stark unter Druck.

Nach der 0:5-Niederlage beim VfL Bochum am Montagabend ist die Stimmung bei Fortuna Düsseldorf im Keller. Der Bundesliga-Absteiger, bei dem der direkte Wiederaufstieg als Saisonziel ausgegeben wurde, ist nach neun Spieltagen Tabellenzwölfter und hat nur drei Punkte Vorsprung auf die Abstiegsränge. Zwar beträgt der Abstand auf die Aufstiegsränge erst sechs Punkte, aber in dieser Verfassung scheint die Rückkehr in die Bundesliga meilenweit entfernt.

Trainer Uwe Rösler wirkte bei der Pressekonferenz nach der Partie nachdenklich und fand deutliche Worte. "Dass wir nach dem 0:2 noch drei weitere Tore hergeben, ist nicht akzeptabel", sagte der 52-Jährige. "Selbst mit einem Mann weniger darf man sich nicht mit 0:5 verabschieden. Da fehlen mir die Worte, das schmerzt mich schon sehr. Das geht an die Ehre – bei mir zumindest."

Bereits vierter Platzverweis

Der Knackpunkt des Spiels war sicherlich das Foul von Kristoffer Peterson an Simon Zoller nach drei Minuten, dass eine Rote Karte gegen den Schweden und einen Elfmeter für Bochum zur Folge hatte, den Danny Blum zur VfL-Führung nutzte. Allerdings war es bereits der vierte Platzverweis und der sechste Elfmeter gegen die Düsseldorfer nach erst neun Spieltagen.

"Es darf uns nicht passieren, dass wir auswärts bei einer so offensivstarken Mannschaft nach zwei Minuten derart naiv ins offene Messer laufen", sagte Fortunas Innenverteidiger Andre Hoffmann zu der Situation vor dem Strafstoß. Auch Trainer Rösler kritisierte seine Mannschaft. "Das hat nichts mehr mit Pech oder Entscheidungen gegen uns zu tun", so Rösler. "Es ist kein Zufall. Da muss man sich individuell und auch als Mannschaft hinterfragen."

Defensive offenbart Schwächen

Und gerade die Defensive, die den Fortuna-Fans in den letzten Wochen etwas Hoffnung auf Besserung gemacht hatte, offenbarte gegen das Top-Team Bochum weitere Schwächen. Das 0:2 fing Düsseldorf sich nach einer Ecke, bei der die Zuordnung fehlte. "Auch das zweite Gegentor muss uns sehr ärgern, da es bei einem Standard keine Rolle spielt, ob man zu zehnt oder zu elft verteidigt", sagte Hoffmann. Auch die Gegentore drei bis fünf habe man "zu leicht hergeschenkt" - Fortuna kam nicht mehr in die Zweikämpfe und verlor immer mehr die taktische Ordnung. "Da fehlen mir auch ein bisschen die Worte", sagte Rösler.

Doch auch in der Offensive präsentierte sich Düsseldorf erneut als zahnloser Tiger: Bochums Torwart Manuel Riemann musste nicht einen Schuss auf sein Tor parieren. Insgesamt erzielte die Fortuna in neun Spielen acht Treffer - das ist die schlechteste Offensive der Liga. Immerhin erarbeitete sich das Team trotzdem drei Heimsiege, die alle 1:0 gewonnen wurden.

VfL Bochum stürmt auf einen Aufstiegsplatz

Sportschau 30.11.2020 00:47 Min. Verfügbar bis 30.11.2021 ARD Von Marc Eschweiler


Schwierige Spielzeit nach großem Umbruch

Dass es eine schwierige Spielzeit für Fortuna werden würde, zeichnete sich bereits vor dem Saisonstart ab. Im Sommer gab es einen großen Umbruch, bei dem zahlreiche Leistungsträger wie Abwehrchef Kaan Ayhan den Klub verließen. Dazu kam - vor allem aufgrund der Corona-Pandemie - ein holprige Vorbereitung mit wenigen Testspielen, in denen sich die neu formierte Mannschaft finden konnte. Und zum Saisonstart waren zahlreiche Spieler noch verletzt. Nun sind neun Spieltage gespielt und langsam geht Trainer Rösler die Zeit aus. Denn er weiß: Er wird nur ausreichend Zeit für die Weiterentwicklung des Teams erhalten, wenn die Ergebnisse stimmen.

Doch gerade im Offensivbereich ist kaum eine Entwicklung zu erkennen. Schon in der Schlussphase der letzten (Bundesliga-)-Saison agierte Fortuna vor dem gegnerischen Tor erschreckend harmlos. In dieser Spielzeit hängt Top-Torjäger Rouwen Hennings, der in der Vorsaison 15 Mal traf, meist in der Luft und hat aufgrund fehlender Zuspiele kaum Ballkontakte.

Über die Außenbahnen kommt oft gar keine Gefahr auf. Spieler wie Brandon Borello, Thomas Pledl, Jean Zimmer oder Kelvin Ofori boten bisher schwache Leistungen. Auch Peterson, der auf der linken Außenbahn gute Ansätze zeigte, ist momentan noch zu oft in der Defensive gebunden, um seine Fähigkeiten vorne voll entfalten zu können.

Schon am Freitag gegen Darmstadt

Gegen Bochum setzte Rösler anstatt einer Vierer- auf eine Dreier-Kette, im offensiven Mittelfeld sollten Edgar Prib und der junge Shinta Appelkamp für mehr Kreativität sorgen. Prib, der nach langer Verletzungspause gegen Bochum sein erstes Spiel von Beginn an bestritt, war nach Torwart Florian Kastenmaier der beste Fortune auf dem Platz, musste aber nach Petersons Platzverweis auf der linken Seite aushelfen - so war Röslers Plan bereits nach drei Minuten über den Haufen geworfen.

Viel Zeit zum Durchatmen bleibt den Düsseldorfern nicht. Bereits am Freitag (18.30 Uhr) empfängt die Mannschaft von Trainer Rösler den Tabellennachbarn SV Darmstadt 98, der zuletzt mit einem 4:0-Erfolg über Eintracht Braunschweig überzeugte.

Stand: 01.12.2020, 18:37

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