HBL: GWD Minden - Neustart mit Hindernissen

Frank Carstens, Trainer von GWD Minden, gestikuliert am Spielfeldrand.

HBL: GWD Minden - Neustart mit Hindernissen

Sechs Spiele, sechs Niederlagen - der Saisonstart in der Handball-Bundesliga hat die Probleme der GWD Minden aufgezeigt. Nach der Derby-Niederlage gegen die TuS N-Lübbecke übte Trainer Frank Carstens Selbstkritik.

Für den unterlegenen Rivalen hatte Emir Kurtagic noch ein paar warme Worte übrig: "Ich glaube, alle die in der Halle waren, haben ein leidenschaftliches Spiel von beiden Mannschaften gesehen, das das Wort 'Derby' verdient hat. Da möchte ich Frank und GWD Minden auch ein kompliment machen", sagte der Trainer des Handball-Bundesligisten TuS N-Lübbecke am Samstag nach dem 23:18-Sieg (13:7) seiner Mannschaft gegen den Nachbarn aus Minden.

Der angesprochene Mindener Trainer Frank Carstens bedankte sich auf der Pressekonferenz für die "wohlmeinenden Worte", setzte aber gleich zur Widerrede an: "Wir haben heute nicht die nötige Leidenschaft gezeigt", sagte der 50-Jährige sichtlich bedient.

Sechste Niederlage im sechsten Spiel

Denn die Niederlage gegen den Aufstieger war für die Mindener die sechste Saison-Niederlage im sechsten Spiel. Mit 0:12 Punkten sind die Ostwestfalen als einzig siegloses Team Tabellenletzter. Zwar zeigte Minden in der zweiten Halbzeit noch einmal eine Leistungssteigerung. Das Spiel war jedoch schon entschieden.

Handballerisch ließ GWD offensiv wie defensiv einiges vermissen. Carstens sieht die Probleme aber vor allem im mentalen Bereich: "Wir haben von Anfang an nicht die richtige Einstellung gezeigt, um in dieses Spiel zu gehen. Vielleicht waren wir übermotiviert oder zu verkrampft, um eine gewisse Spielfreude heraus zu kitzeln", sagte er und übte auch Selbstkritik: "Ein Punkt ist vielleicht auch der, dass es mir nicht gelungen ist, die Jungs so einzustellen, wie es nötig gewesen wäre, um in diesem Spiel zu bestehen."

Geschäftsführer Frank von Behren ging sogar noch weiter: "In dieser Form, mit dieser Leistung von heute werden wir nicht punkten, damit kann man in der Bundesliga nicht bestehen."

Noch in keinem Spiel bestanden

Bestanden haben die Mindener in dieser Saison noch in keinem Spiel. Einzig die Leistung gegen den übermächtigen THW Kiel zeigte, dass die Mannschaft wettbewerbsfähig sein kann. Zwar stand am Ende eine deutliche 25:34-Niederlage, doch die Kieler mussten sich den Sieg hart erarbeiten.

Dass es Minden in dieser Saison schwer haben würde, dürfte aber nicht überraschen. Schon in der vergangenen Saison rettet sich GWD erst am letzten Spieltag vor dem Abstieg. Und im Sommer hat der Verein einen großen Umbruch vollzogen.

Leistungsträger wie Juri Korr (Rhein-Neckar Löwen) und Christoffer Rambo (Runar Sandefjord/Norwegen) haben - wie sechs weitere Spieler - den Verein verlassen. Aufgefangen wurden die Verluste überwiegend mit jungen Spielern, teilweise aus der eigenen Jugend.

Erfolgserlebnis im Pokal

Geschäftsführer Von Behren wünschte sich vor der Saison "einen sicheren Mittelfeldplatz". Dem widersprach Carstens: "Wir machen nicht den nächsten Schritt, sondern einen Neustart. Es ist der größte Umbruch in meiner Zeit bei GWD. Und da kann das Ziel nur Klassenerhalt heißen", sagte er.

Immerhin: Am vergangenen Dienstag im Pokalspiel gegen den Zweitligisten Eulen Ludwigsburg konnten die Mindener ein Erfolgserlebnis feiern und mit 24:23 gewinnen. Nun gilt es, auch in der Liga endlich Selbstbvertrauen zu sammeln. Die nächste Chancen haben die Mindener am kommenden Sonntag (16 Uhr). Dann reist GWD zum zweiten Aufsteiger, dem HSV Hamburg.

lt | Stand: 11.10.2021, 19:07

Darstellung: