Borussia Dortmund - mit Haalands Wucht zurück im Rennen

BVB-Stürmer Erling Haaland gibt auf dem Platz die Richtung vor

Borussia Dortmund - mit Haalands Wucht zurück im Rennen

Von Julian Tilders

Stürmer Erling Haaland hat gegen RB Leipzig seine Fabelquote in der Bundesliga weiter verbessert - und profitierte dabei von einer stabilen Defensivleistung des BVB. Borussia Dortmund ist zurück im Meisterschaftsrennen.

Manche Spieler brauchen nach einer Verletzung erst einmal Anlaufzeit, um wieder auf Betriebstemperatur zu kommen. Nicht so Erling Haaland. Wobei er das selbst anders sieht. "Ich hatte zwei Spiele nicht getroffen, das passiert mir nicht oft. Es wurde also mal wieder Zeit", scherzte der 20-jährige Norweger nach dem 3:1 (0:0)-Sieg über RB Leipzig.

Nachdem er Ende November noch vier Tore gegen Hertha BSC (5:2) erzielt hatte, blieb er im folgenden Spiel gegen den 1. FC Köln (1:2) ohne eigenen Treffer. Dann der Muskelfaserriss - und auch bei seiner Rückkehr gegen Wolfsburg (2:0) gab es kein Haaland-Tor zu sehen. Durch seinen Doppelpack gegen Leipzig bleiben in dieser Saison die zwei Spiele in Folge ohne Treffer also vorerst Haalands persönlicher "Negativrekord".

Marco Reus: "War ein deutlicher Schritt nach vorne"

Sportschau 09.01.2021 00:26 Min. Verfügbar bis 09.01.2022 ARD


Tormaschine Haaland: 25 Tore in 25 Bundesliga-Spielen

Dabei ließ die Leistung des Offensivjuwels mal wieder die eigenen Mitspieler Lobeshymnen schwingen. Kapitän Marco Reus, der am Sportschau-Mikro von einem deutlichen "Schritt nach vorne, auch für mich persönlich" sprach, betonte mit Blick auf Haaland: "Wir wissen um seine Stärke in der Tiefe. Er gibt uns viele Varianten, was einfach wichtig ist."

Die Führung durch den starken Jadon Sancho (55. Minute) bereitete Haaland mit einer Energieleistung auf dem rechten Flügel vor. Bei seinem ersten eigenen Treffer (71.) ließ der 20-Jährige gleich vier Leipziger mit einem Dribbling verdutzt stehen, lief dann nach einem Pass auf den Flügel in die perfekte Abschluss-Position in den Strafraum. Bei seinem zweiten Tor (84.) umkurvte er nach einem Pass von Reus schließlich RB-Torwart Peter Gulacsi zur Entscheidung.

Nagelsmann: "Deswegen wollten wir ihn auch"

Doch auch Leipzigs Trainer Julian Nagelsmann war beeindruckt: "Er ist ein außergewöhnlicher Stürmer. Deswegen wollten wir ihn auch." Vor einem Jahr hatte auch RB Leipzig um die Gunst des damals noch beim Schwester-Klub RB Salzburg unter Vertrag stehenden Angreifers gebuhlt. Doch Haaland schlug - entgegen vieler seiner Vorgänger in Salzburg - nicht den Weg in den Osten Deutschlands ein und entschied sich für Dortmund.

In 25 Bundesliga-Spielen hat Haaland nun 25 Tore geschossen. "Das ist eine unfassbare Quote. Die Liga wird sicherlich noch Freude an ihm haben, die Gegner wohl nicht immer", staunte Nagelsmann. "Er hat richtig Qualität und ist noch sehr, sehr jung. Wahrscheinlich hat er noch Entwicklungspotenziale und wird noch besser werden."

Can geht nach Witsel-Ausfall voran, Schock-Diagnose für Belgier

Gegen Leipzig eine Macht in den Zweikämpfen: Borussia Dortmunds Emre Can (r.)

Gegen Leipzig eine Macht in den Zweikämpfen: Borussia Dortmunds Emre Can (r.).

Der BVB ist wieder da, weil die Mannschaft wieder an sich glaubt - und die Konkurrenz durchgängig patzte. Mit fünf Punkten Rückstand auf die zuletzt wackligen Bayern und nur noch drei auf den Zweiten Leipzig zählt Dortmund als Vierter wieder zu den Kandidaten, die aktiv ins Meisterschaftsrennen eingreifen können.

"Mit unserer Qualität muss das das Ziel sein. Dafür müssen wir in jedem Spiel zu 100 Prozent da sein", sagte Emre Can. Der 26-Jährige überzeugte im zentralen Mittelfeld durch eine starke Zweikampfquote (73 Prozent) und als Bindeglied zwischen Defensive und Offensive, doch er kam nur in die Partie, weil sich Axel Witsel schwer verletzte. "Axel wusste sofort, es geht nicht weiter", sagte BVB-Trainer Edin Terzic.

Wie die Borussia am Sonntag mitteilte, zog sich der 31-Jährige "ohne Fremdeinwirkung" einen Achillessehnenriss zu. Das habe die Untersuchung im Dortmunder Klinikum Westfalen ergeben. "Die gesamte BVB-Familie" drücke Witsel nun die Daumen für eine schnelle Genesung.

Über Kampf und Körperlichkeit ins Spiel gefunden

Dortmund behielt auch die Oberhand gegen Leipzig, weil die oft als zu durchsetzungsschwach abgestempelte Truppe aus hochveranlagten Talenten ihren Kritikern diesmal das Gegenteil bewies. Der BVB kann auch Kampf.

Denn es sah zunächst nicht nach einem Erfolg für den Ruhrpott-Klub aus. Leipzig war in Hälfte eins wacher und dominanter, schnürte den BVB ein, aber agierte zu kompliziert im letzten Drittel. Was auch durch die disziplinierte Abwehrleistung des zweikampfstarken BVB erzwungen wurde.

Dabei erinnerten sich Dortmunds Jungspunde womöglich auch an die Worte von Routinier Mats Hummels, der zuletzt gefordert hatte, körperlich mehr dagegenzuhalten und weniger zu spielen.

Terzic: "Hatten ein großes Problem"

Dortmund-Coach Terzic analysierte nach dem Spiel auch die Mängel in den ersten 45 Minuten. "Wir hatten ein ganz großes Problem. Es gab 112 Fehlpässe von uns, davon gefühlt 110 in der ersten Halbzeit. Wir hatten kaum Ballbesitz."

Auch spielerisch überzeugend war dann aber der zweite Abschnitt der Partie. "Wir müssen vor allem die zweite Halbzeit mitnehmen in die nächsten Spiele", sagte Haaland. Wohlwissend, dass er dann noch viel mehr Chancen bekommen wird, seine Fabelquote auszubauen.

Stand: 10.01.2021, 16:35

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