Borussia Dortmunds Piszczek: Abgang mit Krönung

BVB-Routinier Lukasz Piszczek blickt grinsend auf den gewonnenen DFB-Pokal

DFB-Pokalsieg des BVB

Borussia Dortmunds Piszczek: Abgang mit Krönung

Ganz unverhofft ist Lukasz Piszczek unter BVB-Trainer Edin Terzic in den letzten Wochen noch einmal über sich hinausgewachsen. Als Routinier unter vielen Jungstars wie Erling Haaland und Jadon Sancho war er überragend.

Dass nach einem furiosen Sieg ausgerechnet der Rechtsverteidiger ausgiebig gefeiert wird, ist nicht unbedingt die Regel im Fußballgeschäft. "Das waren pure Emotionen", sagte das Klub-Idol von Borussia Dortmund nach dem krönenden Abschluss einer langen Karriere und dem DFB-Pokalsieg am Donnerstag. Sichtlich angefasst fügte er an: "Auch die früheren Titel waren toll, aber den Tag nehme ich mit für mein Leben."

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Piszczek unter Terzic nochmal ein Leistungsträger

In elf Jahren und fast 400 Pflichtspielen hat der Pole beim BVB Höhen und Tiefen erlebt. Sein unwahrscheinliches Comeback in den vergangenen Wochen, auch aufgrund der schweren Verletzung von Mateu Morey, ist eine der erstaunlichsten Geschichten der Saison. Piszczek (35 Jahre) schloss diesen Spannungsbogen mit dem Pokalsieg in Berlin.

"Wie wichtig er für Borussia Dortmund war, kann man überhaupt nicht in Worte fassen", sagte sein Trainer Edin Terzic, der ihn noch einmal an die Leistungsgrenze brachte. "Lukasz hat komplett den Tank leergemacht, alles an Leistung und Emotion herausgeholt, um diesen Pokal zu gewinnen. Ich wundere mich, dass er überhaupt noch weinen konnte."

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Piszczek zieht es im Sommer zurück in seine Heimat Polen. "Ich werde nur zum Spaß für meinen alten Verein LKS Goczalkowice spielen. Mit Profifußball hat das nichts mehr zu tun - ich will mich dort nur fit halten und mit meinen Freunden kicken", sagte er zuletzt.

Auch Kapitän Reus in bestechender Form

Piszczek hatte auch schon 2017 im Pokalfinale gegen Frankfurt im Aufgebot gestanden. Einer seiner langjährigen Kollegen, der ebenfalls damals schon dabei, aber aufgrund einer Kreuzbandverletzung ausgewechselt worden war, trumpfte nun im Endspiel gegen Leipzig ebenfalls mit zwei Torvorlagen groß auf: Marco Reus (31). Noch vor Monaten wurde diskutiert, ob er weiterhin der richtige Kapitän für den BVB sei. Diese Debatte ist verstummt.

"Das war ein unglaublicher Moment. Ich bin unheimlich stolz. Wir haben den Pott - das ist für die Fans", kommentierte der gebürtige Dortmunder den erst zweiten Titel in seiner langen und von vielen Rückschlägen begleiteten Karriere.

Nach fünf Vize-Meisterschaften mit dem BVB, drei verlorenen Pokal-Endspielen und dem verlorenen Champions-League-Finale 2013 gegen den FC Bayern war die Sehnsucht nach einem Erfolgserlebnis groß. "Wenn wir unter Zugzwang sind, dann zeigen wir unsere Qualität. Das müssen wir in den nächsten Jahren kontinuierlich zeigen", sagte der 31-Jährige.

Sancho und Haaland ergänzen starke Routiniers

Einen starken Auftritt legte auch Mats Hummels (32) hin. Er gewann etwa 80 Prozent seiner Zweikämpfe und zeichnete mit dafür verantwortlich, dass der Leipziger Dauerdruck in Hälfte zwei nicht zu mehr als einem Gegentor führte.

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Ergänzt wurden die stark aufspielenden Veteranen von der jüngeren Abteilung, die den Stein erst ins Rollen brachten. Sancho und Haaland trafen jeweils doppelt, ersterer erzielte das Führungstor schon in Spielminute fünf.

Terzic-Mission noch nicht beendet

Trainer Terzic, der schon als Fan, Betreuer und Co-Trainer beim Pokalfinale dabei war, reihte sich mit dem Triumph in die Reihe der Dortmunder Pokalsieger-Coaches um etwa Jürgen Klopp und Thomas Tuchel ein. Ob der 38-Jährige tatsächlich zur kommenden Saison als Assistent seines Nachfolgers Marco Rose in die zweite Reihe zurücktritt?

"Das ist der klare Plan. Ich möchte auch in der kommenden Saison dabei helfen, dass die Mannschaft guten Fußball spielt. In welcher Funktion auch immer", sagte Terzic. Es werden sich aber wohl auch Interessenten für einen Cheftrainerposten finden. "Chef muss er auch sein", riet ihm Sportschau-Experte Bastian Schweinsteiger.

"Die Mannschaft war im Dezember halbtot. Er hat sie zum Leben erweckt", lobte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und fügte an, Terzic müsse seine Mission nun mit der Champions-League-Qualifikation krönen. Und er ließ eine Hintertür für Terzic offen: "Wenn er das Gefühl hat, er möchte irgendwo anders ein Angebot annehmen, dann kommt er zu mir, und dann sprechen wir drüber."

jti/sid/dpa | Stand: 14.05.2021, 11:48

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