Bayer Leverkusen - Zwei Gesichter einer "Werkself" im Soll

Patrik Schick und Amine Adli fallen sich nach dem vierten Treffer in die Arme

Fußball | Bundesliga

Bayer Leverkusen - Zwei Gesichter einer "Werkself" im Soll

Von Julian Tilders

Unter Trainer Gerardo Seoane liegt Bayer Leverkusen prinzipiell im Soll und überwintert auf einem Champions-League-Platz. Das Feuer im Sturm sorgt für Spektakel, allerdings brennt es auch hin und wieder in der eigenen Abwehr.

Neuer Trainer, altes Mantra: Wenn Leverkusen spielt, muss es Spektakel sein. Auf Gerardo Seoane, von den Young Boys Bern gekommen, lasteten große Erwartungen an eine Spielweise, die die zahlreichen Supertalente im Kader weiterentwickeln sollte.

Auch die Stabilisierung der Defensive dürfte ein Ziel gewesen sein. Ein Ziel, dem sein Vorgänger Peter Bosz bei furiosem Offensivfußball langfristig nicht gerecht wurde - und für dessen Erreichen Interimslösung Hannes Wolf in nur drei Monaten kaum Zeit hatte.

So lief die Hinrunde

Der Schweizer legte mit Bayer 04 Leverkusen jedenfalls einen guten Start in die Bundesliga-Saison hin. Und hielt Wort nach dem Motto: Angriff ist die beste Verteidigung. Denn 20 Tore schossen die Leverkusener allein in den ersten sieben Partien. Und fanden sich damit auf Platz zwei wieder, punktgleich mit Bayern München an der Tabellenspitze und einer ähnlichen Ausbeute (Bayern 24:7 Tore, Leverkusen 20:7). In der Hinrunde lebte Bayer vor allem von der Auswärtsstärke (Platz drei, 15 Punkte).

Dass allerdings auch dieses Jahr der Meistertitel Wunschdenken sein wird, zeigte das 1:5 im darauffolgenden direkten Duell mit München auf heimischem Rasen. Die Pleite leitete eine erste Durststrecke ein, während der Leverkusen schon in Runde zwei aus dem DFB-Pokal ausschied (1:2 gegen Karlsruhe) und auch die zwei nachfolgenden Bundesligapartien sieglos blieb.

Grundsätzlich fehlte in der Abwehrarbeit oft die Cleverness. Dass Bayer hinten nicht gänzlich luftdicht war, zeigte auch das 2:5 gegen Frankfurt. Leverkusen spielte oft rabiat, teils auch über der Grenze. 42 Gelbe Karten hamsterte die "Werkself", Moussa Diaby musste einmal mit Gelb-Rot vom Feld und Robert Andrich mit glatt Rot. Kein Team piesackte den Gegner derart mit - gelinde ausgedrückt - intensiven Zweikämpfen. Trotz dessen blieb Leverkusen eben anfällig und kassierte 28 Gegentore - nur Platz 13 in diesem Ranking.

Gerardo Seoane: "Uns sind die Kräfte ausgegangen"

Sportschau 19.12.2021 02:28 Min. Verfügbar bis 19.12.2022 ARD Von Kira Ruthkowski


Für Furore sorgte besonders Stürmer Patrik Schick. Er nahm den Schwung von der starken Europameisterschaft mit Tschechien mit und schwang sich zum Torjäger auf: 16 Tore und drei Vorlagen in 14 Einsätzen lautet seine Bilanz. Er steht in der Torschützenliste auf Platz zwei hinter Robert Lewandowski (19) und vor Erling Haaland (13). Auch Offensivjuwel Florian Wirtz (18) glänzte, der in 15 Liga-Einsätzen fünf Tore und acht Vorlagen beisteuerte.

Wer kommt, wer geht?

Wenn es nach Sport-Geschäftsführer Rudi Völler geht, der im Sommer 2022 von Sportdirektor Simon Rolfes beerbt wird, bleibt Wirtz auch erstmal in Leverkusen. Und entwickelt sich zum nächsten Kai Havertz, der im September 2020 für 80 Millionen Euro zum FC Chelsea ging. Völler geht davon aus, dass Wirtz, dessen Vertrag bis 2026 läuft, noch einige Zeit unter dem Bayerkreuz spielen wird: "Nicht nur durch die Vertragssituation. Auch durch das Vertrauen, das wir zu ihm und seiner Familie aufgebaut haben, wissen wir, dass er hier noch einige Jahre gut aufgehoben ist."

Ansonsten brodelt es in der Leverkusener Gerüchteküche nicht allzu heiß. Auf der Zugangsseite steht bis dato lediglich die Rückkehr von Ersatzkeeper Lennart Grill, dessen Ausleihe an Brann Bergen (Norwegen) mit dem neuen Jahr 2022 planmäßig endet. Außerdem sollen die Langzeitverletzten Julian Baumgartlinger (Knie-OP) und Timothy Fosu-Mensah (Kreuzbandriss) wieder dazustoßen.

Schon vor einigen Wochen hatte Rolfes gegenüber dem "kicker" eine ruhige Transferphase prophezeit: "Wenn kein Spieler im Winter weg will, weil er zu wenig Einsatzzeit hat, werden wir im Winter nicht auf dem Transfermarkt aktiv."

Stand: 01.01.2022, 07:00

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