Zwei Kämpfernaturen sagen "Tschüss" - der leise Abschied der Bender-Zwillinge

Zwei Kämpfernaturen sagen "Tschüss" - der leise Abschied der Bender-Zwillinge

Im Sommer ist Schluss: Sven und Lars Bender kehren dem Profifußball den Rücken. Sie gehen gemeinsam mit nur 32 Jahren - nicht nur Bayer Leverkusen wird die Kämpfernaturen vermissen.

Es gab schon viele berühmte Brüderpaare in der Bundesliga: Klaus und Thomas Allofs, Karl-Heinz und Michael Rummenigge, Uli und Dieter Hoeneß oder auch Hamit und Halil Altintop, um nur einige zu nennen. Doch selten verliefen die Karrieren so ähnlich wie bei Lars und Sven Bender - und das von den Anfängen bis zum Karriereende mit gerade einmal 32 Jahren.

Die Zwillinge, die beide am 27. April 1989 in Rosenheim geboren wurden, machten bereits ihre ersten fußballerischen Schritte gemeinsam - in der Jugend des TSV Brannenburg. Auch bei ihren folgenden Stationen, der SpVgg Unterhaching und dem TSV 1860 München, gab es sie nur im Doppelpack. Erst nach ihrem Abschied bei den Münchner Löwen im Jahr 2009 trennten sich erstmals ihre Wege.

Acht Jahre in unterschiedlichen Trikots

Lars wechselte zu Bayer Leverkusen, Sven zu Borussia Dortmund. Ob bei der Vereinswahl die räumliche Nähe eine Rolle gespielt hat - schließlich trennen beide Städte nur eine knappe Autostunde - bleibt wohl ihr Geheimnis. Bekannt ist dagegen, dass es nach acht Jahren in unterschiedlichen Trikots zur Wiedervereinigung kam: 2017 folgte Sven seinem Bruder nach Leverkusen, wo sie seitdem wieder Seite an Seite um Punkte und Titel kämpften.

Doch damit ist nun Schluss: Nach 15 Jahren im Profifußball sagen die Benders am Saisonende "Tschüss". Sie gehen gemeinsam - auch weil sie nicht nur der Beruf, sondern auch ein gemeinsames Leiden eint. Beide sind extrem verletzungsanfällig. Sprunggelenksverletzungen, Bänderrisse, muskuläre Probleme - die Benders haben schon oft pausieren müssen, weil sie sich nie geschont haben. Das zeigt auch eine Äußerung von Nuri Sahin, der über seinen früheren BVB-Kollegen Sven einst sagte: "Er geht mit dem Kopf dahin, wo ich mit dem Fuß wegziehe."

Kämpfernaturen und Führungsspieler

Dieser unbändige Einsatzwille hat beide Benders immer ausgezeichnet. Sie galten auf dem Platz als absolute Kämpfernaturen, Führungspersönlichkeiten und Mentalitätsmonster. "Jeder, der uns kennt, weiß, dass wir jeden Tag 100 Prozent geben", sagte Sven Bender bei dem letzten großen Mediengespräch der Zwillinge am Dienstag. Dies falle ihnen mit all den Schmerzen und körperlichen Problemen leider zunehmend schwerer.

Während Sven zumindest noch auf einen Abschied auf dem Rasen hoffen darf, werden für Lars keine Einsatzminuten mehr hinzukommen. "Ich werde definitiv nicht mehr spielen", sagte Lars Bender bereits Anfang der Woche. Eine Knieverletzung verhindert einen versöhnlicheren Abschluss. Dennoch wird Lars die Werkself als Legende verlassen. Zwölf Jahre hielt er für Bayer die Knochen hin, trug fünf Spielzeiten lang die Kapitänsbinde.

"Es fühlt sich richtig an"

Anders als sein Bruder Sven, der mit dem BVB zweimal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger wurde, blieb ihm ein großer Titel in seiner Karriere verwehrt. Dennoch sei er glücklich, wie alles gelaufen ist. Und: "Es fühlt sich richtig an, das jetzt abzuschließen. Uns gibt es eben nur ganz - oder gar nicht", so Lars Bender. Insgesamt bringen es die Bender-Zwillinge aktuell auf 518 Einsätze in der Bundesliga. Nicht nur bei Bayer Leverkusen werden sie eine große Lücke hinterlassen.

cl | Stand: 12.05.2021, 13:36

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