Der Prozess gegen einen ehemaligen Handballtrainer aus Fellbach wegen sexuellen Missbrauchs am Landgericht Stuttgart.

Urteil des Landgerichts Stuttgart Wegen sexuellen Missbrauchs: Ex-Handballtrainer muss mehr als fünf Jahre in Haft

Stand: 19.05.2022 15:38 Uhr

Jahrelang soll ein ehemaliger Handballtrainer Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht haben. Jetzt muss er für mehr als fünf Jahre ins Gefängnis.

Das Stuttgarter Landgericht hat einen ehemaligen Handballtrainer aus Fellbach (Rems-Murr-Kreis) wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie des Besitzes von pornografischem Material zu fünf Jahren und vier Monaten Haft verurteilt. Der 53-jährige Mann hatte die Vorwürfe zuvor zugegeben. Mit dem Urteil vom Donnerstag blieb das Landgericht Stuttgart unter der Forderung der Staatsanwaltschaft - sie hatte sechs Jahre Haft gefordert. Dem schlossen sich die Anwälte der Opfer an.

Strafmildernd hatte sich laut Gericht das umfangreiche Geständnis des Angeklagten am ersten Prozesstag ausgewirkt. Das ersparte es teilweise den Opfern, detailliert im Verfahrensverlauf aussagen zu müssen. Ebenso strafmildernd wirkte sich laut Gericht die Bereitschaft des Angeklagten zum Täter-Opfer-Ausgleich aus. Es soll ein Schmerzensgeld von 10.000 Euro für jedes der acht männlichen Opfer gezahlt werden.

"Ich glaube, es gibt keine Strafe, die diese Narben und dieses Leid wieder gut machen kann."

Quelle: Christian Bauer, Vorstand beim SV Fellbach

Gutachter attestiert dem Verurteilten pädophile Neigungen

Während des Verfahrens hatte ein psychiatrischer Gutachter dem Angeklagten pädophile Neigungen gegenüber Jugendlichen und Heranwachsenden attestiert. Er sehe aber eine "nicht wesentlich erhöhte Rückfallgefahr". Daher ordnete das Gericht keinen Maßregelvollzug mit anschließender Sicherungsverwahrung an.

Anwälte und Opfer erleichtert wegen klaren Schuldspruchs

Einer der Anwälte sagte im Vorfeld, es sei den Opfern um einen klaren Schuldspruch gegangen, aber nie um eine hohe Strafe, sondern um ein Zeichen in die Gesellschaft. Sowohl der Anwalt als auch die anwesenden Vertreter des SV Fellbach, in dessen Reihen sich die Vorfälle abspielten, zeigten sich erleichtert, dass der Prozess nun zu Ende ist.

15 Jahre lang Missbrauch beim Handballnachwuchs in Fellbach betrieben

Der Angeklagte hatte am ersten Prozesstag zugegeben, jahrelang Kinder und Jugendliche sexuell missbraucht zu haben. Insgesamt geht es um mehr als 500 Anklagepunkte. Betroffen waren acht Handballspieler, die zur Tatzeit zwischen 13 und 18 Jahre alt waren. Rund 15 Jahre lang soll der Mann Kinder und Jugendliche in drei Vereinen trainiert haben, er soll sich um sie gekümmert und Vertrauen aufgebaut haben.

"Sexuellen Missbrauch kann es in sehr vielen Situationen geben - gerade im Vereinskontext."

Quelle: Operanwalt Jens Rabe

Öffentlichkeit wurde immer wieder vom Prozess ausgeschlossen

Während des Prozesses vor dem Stuttgarter Landgericht wurde die Öffentlichkeit immer wieder ausgeschlossen, um die Intimsphäre der Opfer zu schützen. Der Prozess, der am 27. April begonnen hatte, hätte nach ursprünglicher Planung bis in den Juni hinein dauern sollen. Durch das Geständnis des Angeklagten verzichtete das Gericht auf die Aussagen einiger Zeugen. Die Betroffenen bat der Mann um Entschuldigung.

Staatsanwaltschaft: Ex-Trainer hat den sexuellen Missbrauch gefilmt

Dem früheren Jugendtrainer wurde schwerer sexueller Missbrauch vorgeworfen sowie der Besitz kinder- und jugendpornografischen Materials und der Missbrauch Schutzbefohlener. Der Mann soll laut Staatsanwaltschaft die Taten teilweise gefilmt haben. Die Vorwürfe beziehen sich auf die Zeit zwischen 2006 und 2021. Im vergangenen Sommer hatten sich die Familien von mutmaßlichen Opfern an den Verein und an die Polizei gewandt und damit die Ermittlungen ins Rollen gebracht.