Ann-Katrin Berger, Torhüter des Chelsea FC Woman

Fußball | Nationalmannschaft Vor der EM: Torhüterin Berger träumt von englischen Verhältnissen

Stand: 04.07.2022 09:06 Uhr

Die EM in England ist für Ann-Katrin Berger fast ein Heimspiel. Die Torhüterin vom FC Chelsea wünscht sich für alle Fußballerinnen englische Verhältnisse und weiß, was sich in der Bundesliga noch tun muss.

Ann-Katrin Berger hat schwäbische Wurzeln - ins "Schwätzen" kommt die Torhüterin des FC Chelsea eher selten. Sie ist keine Frau der großen Worte. Wenn es aber um die Europameisterschaft geht, die am 6. Juli in Bergers Wahlheimat England startet, sprudeln die Worte plötzlich aus ihr raus. "Für mich ist es eine halbe Heim-EM, weil ich schon längere Zeit in England lebe und mich da pudelwohl fühle", sagt die Keeperin im Gespräch mit SWR Sport. "Ich freue mich riesig, weil ich in den letzten Jahren gesehen habe, wie der Fußball sich da entwickelt hat, wie groß die Begeisterung ist."

England und Spanien als Vorbild

Der Fokus auf die Fußballerinnen ist in England ein anderer, nicht nur im Nationalteam auch in der FA Women's Super League. Volle Stadien, große Emotionen und ein Maß an Professionalisierung, das in der Bundesliga bisweilen noch fehlt. "Ich habe mir viele Gedanken gemacht, warum in England und Spanien in den letzten Jahren so ein großer Zuwachs an Zuschauern war", sagt die Göppingerin. "Da gibt es einfach mehr Werbung für den Frauenfußball, so lernen die Menschen auch die Spielerinnen besser kennen."

Die Sichtbarkeit von Spielerinnen und Teams ist aber nicht alles, davon ist die Torfrau überzeugt. "In England ist eigentlich jedes Team, das in der ersten Liga spielt, Teil eines Männervereins. Da ist es einfacher zu kooperieren", so Berger. Denn durch die enge Verzahnung sind häufig die Trainingsbedingungen, von der Betreuung bis zur Belastungssteuerung, besser. Dass diese Entwicklung auch in der Bundesliga angekommen ist, freut Berger. Aber: "Das ist ein riesengroßer Vorsprung, den andere Länder haben."

Fokus finden

Bestes Vorbild ist für sie dabei aber immer noch ein europäischer Topclub: "Der FC Barcelona - da merkt man, dass es ein Verein ist. Da werden die Frauen und die Männer unterstützt. So ist das auch in England." Solchen Support würden sich viele Fußballerinnen im Verein oder dem Nationalteam wünschen. Dass die Begeisterung in England schon Wochen vor der EM groß ist und einige Spiele bereits ausverkauft sind, ist Thema im Team. Aber: "Wir sind noch in einer Aufbauphase und müssen uns auf uns konzentrieren", so Berger.

Schließlich will das Team von Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg nicht erneut hinter den Erwartungen zurückbleiben. Beim letzten großen Turnier, der WM 2019, schieden die DFB-Frauen im Viertelfinale aus, verpassten die Qualifikation für die Olympischen Spiele und waren vor allem selbst enttäuscht. Seitdem aber haben sich viele Spielerinnen entwickelt, sind gereift - auch Berger, und das trotz ihrer 31 Jahre. "Besser spät als nie", scherzt sie mit Blick auf die EM. "Das wird wahrscheinlich einer meiner größten Momente sein. Und dann will ich es einfach genießen."

Konkurrenzkampf? "Ich liebe es"

Davon soll sie auch der Konkurrenzkampf im deutschen Tor nicht abhalten. Wo an Merle Frohms, die in diesem Sommer von Eintracht Frankfurt nach Wolfsburg wechselt, als Nummer eins und Almuth Schult – für sie geht es von Wolfsburg in die USA, kein Vorbeikommen geben wird. "Wir haben alle ein riesengroßes Potenzial, unseren eigenen Stil und unser eigenes Spiel", sagt Berger und meint: "Konkurrenzkampf braucht jede. Und ich sag mal so: Ich liebe es! Dafür sind wir Sportlerinnen."

Und für die besonderen Momente - aber auch darüber will die Torhüterin nicht allzu viele Worte verlieren, selbst wenn die Mitspielerinnen in den kommenden Tagen mal fragen sollten, wie das so ist, in einem der großen englischen Stadien und dann auch noch vor vollen Rängen aufzulaufen. "Man kann viel reden, aber man muss es erstmal erlebt haben." Schwätzen ist dann eben doch nicht so das Ding von Torhüterin Ann-Katrin Berger.