VfB-Sportdirektor Sven Mislintat

Bundesliga VfB Stuttgart trennt sich von Sportdirektor Sven Mislintat

Stand: 30.11.2022 17:50 Uhr

Der VfB Stuttgart und Sportdirektor Sven Mislintat gehen getrennte Wege. Der bis zum 30. Juni 2023 laufende Vertrag werde vorzeitig aufgelöst.

Es hatte sich bereits zwischen den Zeilen angedeutet, dass das Verhältnis von Sportdirektor Sven Mislintat und Vorstandschef Alexander Wehrle in den vergangenen Wochen eher angespannt war. Der VfB Stuttgart hat nun Konsequenzen gezogen und Mislintat freigestellt. Wie der Verein am Mittwoch auf seiner Homepage bestätigte, werde der bis zum 30. Juni 2023 laufende Vertrag vorzeitig aufgelöst.

"Sven hat sich entschieden, unser Vertragsangebot nicht anzunehmen. Das bedauern wir", wird Vorstandschef Wehrle in der Meldung des Vereins zitiert. "Die Verhandlungen jetzt zu beenden, ist eine gemeinsame Entscheidung aller Verantwortlichen." Auch Mislintat bedauere diese Entwicklung, "weil mir der VfB in den vergangenen Jahren zu einer echten Herzensangelegenheit geworden ist und ich gerne weiter meinen Teil zu einer positiven Entwicklung dieses großen Vereins beigetragen hätte".

Trennung von VfB Stuttgart und Mislintat hatte sich angedeutet

Die Trennung von Mislintat kommt nicht unerwartet. Ein Abschied galt als wahrscheinlich, die Gespräche hatten sich zuletzt aber hingezogen. Nach rund dreieinhalb Jahren kommt damit das Aus für Mislintat, der im Frühjahr 2019 bei den Schwaben begonnen hatte.

Die erste von zwei wichtigen Personalentscheidungen beim Tabellensechzehnten ist damit gefallen, die Cheftrainer-Frage ist noch offen. Interimstrainer Michael Wimmer verliert mit dem Abschied Mislintats einen prominenten Fürsprecher. Der 42-Jährige, der die Mannschaft Mitte Oktober vom beurlaubten Pellegrino Matarazzo übernommen hatte, war Mislintats Favorit. Auch eine externe Lösung für den Cheftrainerposten war im Gespräch und dürfte dies weiterhin sein. Spätestens bis zum Ende des Urlaubs für die VfB-Profis am 12. Dezember soll auch dafür eine Lösung gefunden sein.

Sven Mislintat bei vielen VfB-Fans beliebt

Mislintat, der sich einst als Chefscout von Borussia Dortmund einen guten Namen gemacht hatte, ist bei vielen Fans trotz der erneut schwierigen sportlichen Situation sehr beliebt. Mehr als 12.000 Anhänger hatten zuletzt eine Online-Petition für den Verbleib des gebürtigen Westfalen beim VfB unterzeichnet.

Allerdings soll Mislintats Verhältnis zu Wehrle spätestens seit Mitte September belastet gewesen sein. Damals verpflichtete der Vorstandschef die früheren Weltmeister Sami Khedira und Philipp Lahm als Berater sowie den früheren VfB-Kapitän Christian Gentner als künftigen Lizenzspielerchef  - offenbar ohne Rücksprache mit Mislintat.

Mislintat beim VfB Stuttgart zuletzt in der Kritik

Mislintat hatte in Stuttgart zunächst gemeinsam mit Wehrles Vorgänger Thomas Hitzlsperger und Matarazzo ein erfolgreiches Trio gebildet. Neben einigen gelungenen Transfers wie bei Silas, dem japanischen WM-Teilnehmer Wataru Endo oder dem mittlerweile nach England gewechselten österreichischen Nationalstürmer Sasa Kalajdzic verpflichtete Mislintat allerdings auch eine Reihe von Talenten, die nicht die erhoffte Entwicklung nahmen.

Kritik an Mislintats VfB-Transfers

Mislintats Transferpolitik wurde zuletzt kritischer betrachtet, als er es zuvor beim VfB gewohnt war. Allerdings musste der Verein auch mehrfach Leistungsträger verkaufen, um Verluste während der Corona-Krise auszugleichen.

Der frühere Nationalspieler Karlheinz Förster kann die Trennung des VfB von Mislintat nachvollziehen. "Es war jetzt schon so, dass sich die Mannschaft in den letzten zwei Jahren nicht weiterentwickelt hat", sagte der langjährige VfB-Profi der Deutschen Presse-Agentur. Der Bundesligist stehe wieder auf dem Abstiegsrelegationsplatz. "Irgendwann muss sich auch mal der Sportdirektor an den Ergebnissen messen lassen", erklärte der 64-Jährige. "Die sportliche Situation hat er mitzuverantworten."

Mislintat schon beim Klopp-Klub auf dem Zettel?

Einen neuen Job zu bekommen, wird für Mislintat dennoch wohl keine Sorge sein. Sein Ruf in der Branche gilt weiterhin als ausgezeichnet. Nach Informationen von Sky soll sich der FC Liverpool bereits mit der Personalie beschäftigen. Dort könnte Mislintat ab dem Sommer 2023 Sportdirektor Julian Ward beerben. Bei den Reds käme es zum Wiedersehen mit Trainer Jürgen Klopp, mit dem Mislintat bereits bei Borussia Dortmund äußerst erfolgreich zusammengearbeitet hat.

Mislintat verabschiedete sich am Mittwochabend via Instagram von den VfB-Fans. "Ich werde Euch vermissen und
behalte Euch im Herzen!! Lasst es Euch gut gehen", richtete er einen letzten Gruß an die Anhänger.