VfB Friedrichshafen: Raus aus der Krise, rein ins Finale

Volleyball | VfB Friedrichshafen

VfB Friedrichshafen: Raus aus der Krise, rein ins Finale

Der VfB Friedrichshafen steht ab Donnerstag in den Finalspielen um die Deutsche Volleyball-Meisterschaft. Gegner sind die Berlin Volleys. Die bisherige Saison der "Häfler" war beispiellos knifflig. Der neue Geschäftsführer Thilo Späth-Westerholt hat es aber allen Widrigkeiten zum Trotz geschafft, den Laden zusammenzuhalten.

"Ich glaube, das ist eine Situation, die erlebt man sicherlich nur einmal in seiner Karriere."

Quelle: Thilo Späth-Westerholt über die letzten Monate

Thilo Spät-Westerholt

Zehn Jahre baggerte oder pritschte Thilo Späth-Westerholt den Ball als Libero des VfB Friedrichshafen vor ans Netz. Parallel dazu arbeitete der 33-Jährige als Firmenkundenberater bei der Sparkasse-Bodensee. Seit dem 1. Juli 2020 ist er Geschäftsführer der VfB Volleyball GmbH. Vom ersten Arbeitstag an, war der "Neue" als Krisenmanager doppelt gefordert: Die Corona-Pandemie mit dem Verzicht auf das Finalturnier der Champions-League vor der Haustür und dazu noch der plötzliche Umzug aus der maroden ZF-Arena Richtung Messe.

Alle Anstrengungen wurden mit dem Finale belohnt

Jede Baustelle alleine würde für eine Amtsperiode völlig ausreichen. "Wenn man zurückblickt war es ein heftiges Jahr. Insgesamt mit viel Aufwand und viel Unterstützung hier in Friedrichshafen und dem gesamten Team in der Volleyball GmbH, haben wir es bisher gut über die Bühne bekommen und stehen sportlich völlig verdient im Finale um die Deutsche Meisterschaft", bilanziert Späth-Westerholt.

Thilo Späth-Westerholt: was war schlimmer Corona oder der Umzug? 01:27 Min. Verfügbar bis 07.04.2022

In dieser Situation war es für die "Häfler" einfach schön zu erfahren, dass die Stadt Friedrichshafen und die Sponsoren sie nicht hängen lassen. "Das hat uns Volleyballer natürlich sehr gefreut, dass die Wertschätzung auch in der Stadt vorhanden ist. Weil der Umzug war finanziell kein Pappenstiel. Das war ein klares Votum für den Häfler-Volleyball", erklärt Späth-Westerholt.

Der VfB ist wichtig für Friedrichshafen

Bis April 2022 finden die Volleyballer bei der Messe in der Halle A1 eine Übergangsspielstätte. Wo es dann danach weiter geht, steht aktuell noch nicht fest. Für die Bezuschussung des Umzugs gab der Finanzausschuss der Stadt Ende des vergangenen Jahres sein Einverständnis. Die rund 1,216 Millionen Euro kamen zu 55 Prozent aus dem städtischen Haushalt. Den Rest trägt die Zeppelin-Stiftung.

Verein, Stadt und Sponsoren, alle haben im besten Sinne an einem Strang gezogen, damit in Friedrichshafen weiter professioneller Volleyball auf Topniveau gespielt werden kann. "Am Ende mussten wir recht flexibel das Ganze angehen." Das gilt auch für die Kaderplanung: "Viele haben einen Vertrag unterzeichnet, der vor der Corona-Pandemie so nicht möglich gewesen wäre."

Thilo Späth-Westerholt: Wie haben die Spieler mitgeholfen? 01:18 Min. Verfügbar bis 07.04.2022

Volleyball lebt nicht zuletzt von der Atmosphäre, die die Zuschauer auf den Rängen schaffen. Da hat zuletzt Final-Gegner Berlin Volleys für Aufsehen gesorgt. Im zweiten Playoff-Halbfinale durften im Rahmen eines Pilotprojekts 800 Zuschauer den 3:1-Halbfinal-Erfolg der Berlin Volleys gegen Düren bejubeln. Dank eines Konzepts mit Testungen aller Zuschauer unmittelbar vor dem Spiel und strengen Hygienevorschriften konnte das Match stattfinden.

Spiele mit Zuschauern sind kein Thema

Mittlerweile hat der Berliner Senat allen Modellprojekten einen Riegel vorgeschoben. Für den VfB Friedrichshafen käme das ohnehin nicht in Frage. Selbst wenn es die Inzidenzwerte hergeben würden. "Ich glaube es gibt Branchen, die es noch dringender hätten, mit solchen Konzepten zu arbeiten. Ich denke da an Hotels oder die Gastronomie."

Thilo Späth-Westerholt: Sind Zuschauer-Konzepte aktuell ein Thema? 01:04 Min. Verfügbar bis 07.04.2022

Rund 3.000 Zuschauer finden in der Messe-Halle Zeppelin-Cat-Halle A1 Platz. Maximal 15 Prozent des Etats deckt der VfB Friedrichshafen über Zuschauereinnahmen ab. In anderen Hallensportarten ist das zwar höher, aber trotzdem steht für Späth-Westerholt fest: "Wir brauchen die Zuschauer in der Halle. Weil es zum einen für uns wichtig ist und zum anderen für die Sponsoren, die das jetzt mal ein Jahr lang mitgemacht haben."

"Wir brauchen Normalität. Normalität bedeutet, dass kommende Saison also ab Oktober wir hoffentlich wieder mit Zuschauern rechnen dürfen."

Quelle: Thilo Späth-Westerholt zu der Hoffnung, wann wieder Zuschauer in die Halle dürfen.

Der Geschäftsführer der VfB Volleyball GmbH blickt diesbezüglich recht zuversichtlich in die mittelfristige Zukunft: "Ich hoffe, dass über April, Mai und Juni diejenigen, die geimpft werden wollen auch geimpft werden. So dass wir alle im Sommer oder spätestens zur kommenden Saison wieder ein Stück weit Normalität bekommen." Er muss es wissen, schließlich schaut er aus seinem Büro direkt auf den Eingang des Kreis-Impfzentrums. Und da sei von Tag zu Tag immer mehr Betrieb.

SWR | Stand: 07.04.2021, 10:31

Darstellung: