Vetter startet Goldmission - durch den Tod der Mutter mit neuer "Balance"

Speerwerfer Johannes Vetter

Olympia | Speerwurf

Vetter startet Goldmission - durch den Tod der Mutter mit neuer "Balance"

Nichts anderes als Gold ist in Tokio das Ziel für Johannes Vetter. Auch die Bewältigung des Todes seiner Mutter hat den Speerwerfer der LG Offenburg so stark werden lassen. Die Qualifikation lief allerdings nicht optimal.

Sich schonen? Energie sparen für das große Finale, in dem nur Gold zählt? Nicht die Sache von Johannes Vetter, Kraftpaket, "Usain Bolt des Speerwerfens" und auf seiner Mission in Tokio natürlich wieder im "Beast-Mode" unterwegs. Jetzt legt Vetter endlich los - und zwar richtig. "Ich laufe an und haue drauf", sagte Vetter über seinen Plan für die Qualifikation.

Qualifikation erst im letzten Versuch

Sein Angriff auf Olympia-Gold began allerdings holprig. In der ersten Qualifikations-Gruppe am Mittwochmorgen übertraf er erst im letzten Versuch mit 85,64 m die zum direkten Einzug in die Entscheidung am Samstag (13.00 Uhr MESZ) geforderten 83,50 Meter. Im Kopf, sagte Vetter anschließend in der ARD, sei "relativ viel los. Das müssen wir bis Samstag in den Griff bekommen". Vetter, mit 97,76 Metern zweitbester Speerwerfer der Geschichte, hatte zuvor mit 82,04 und 82,08 zwei schwache Würfe gezeigt. "Das war eine Rhythmusgeschichte, im dritten Versuch hat es dann einigermaßen geklappt, aber da bin ich etwas weggerutscht.

"Da muss noch was kommen"

Knapp 86 m sind keine so schlechte Weite, aber da muss noch was kommen", sagte er und wiederholte sein Gold-Ziel: "Dafür bin ich hier, dafür kämpfe ich." Der Weltmeister von 2017, der vor fünf Jahren in Rio als Vierter eine Olympia-Medaille knapp verpasst hat, war zwischen Ende April und Ende Juni bei sieben Wettkämpfen in Serie stets über 91 Metern geblieben.

Großes Selbstvertrauen

Bum-Bum-Vetter strotzt nach seiner Supersaison eigentlich nur so vor Selbstvertrauen - und kann sich nur selber schlagen. Zu souverän trat der Offenburger bisher auf, zu überragend ist seine Form in diesem Jahr. Aus seiner absoluten Favoritenstellung macht der Ex-Weltmeister deshalb auch erst gar keinen Hehl, der Druck lasse ihn kalt, sagte er vor seinem Wettkampf. "Die positive Anspannung kommt mehr und mehr", sagte Vetter, einziger 90-Meter-Werfer des Jahres und seit 18 Wettkämpfen unbesiegt: "Ich habe riesen Bock drauf." 

Es zählt nur Gold

Ein paar Zahlen gefällig? Vetter ist der einzige Speerwerfer, der in den vergangenen 24 Monaten die magischen 90 Meter knacken konnte. Im Vorjahr kam er mit seinen 97,76 Metern bis auf 62 Zentimeter an den Weltrekord des Tschechen Jan Zelezny heran, in diesem Jahr ist der Vierte von Rio mit 96,29 Metern erneut ganz klar die Nummer eins der Welt - mit fast sieben Metern Vorsprung. "Für Johannes Vetter zählt nur Gold. Der lässt seine Konkurrenten aussehen, als wären die in der Kreisklasse unterwegs", sagte ARD-Experte Frank Busemann: "Er ist der Usain Bolt der Speerwerfens." Und, ganz wichtig: In Tokio ist der harte Mondo-Belag verlegt, den Vetter so gerne mag.

Andere Balance nach Tod seiner Mutter

Dass Vetter in einer solch starken Verfassung nach Olympia-Gold greift, ist durchaus nicht selbstverständlich. Die Verletzungssorgen aus dem Jahr 2019 hat er mit einer Fuß-OP in den Griff bekommen, aber vor der WM 2017 erhielt Vetters Mutter die schlimme Diagnose Gehirntumor. 2018 starb sie. "Die Trauer werde ich nie ganz los, aber es wird einfacher, ich lebe anders damit", sagte Vetter zuletzt: "Seit 2020 macht der Sport mir wieder richtig Spaß." Durch den Schicksalsschlag habe er "eine andere Balance im Leben gefunden", sagte Vetter der Sport Bild. Jetzt will Vetter in Tokio loslegen - und zwar richtig.

SWR | Stand: 04.08.2021, 08:06

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