Frank Stäbler gibt am Samstag in Ludwigsburg seinen Abschied

Ringen | Personalie "The Last Fight" - der letzte Kampf des Weltmeisters Frank Stäbler

Stand: 16.06.2022 06:37 Uhr

Es ist der letzte große Auftritt des Ringer-Weltmeisters Frank Stäbler. Der Bronzemedaillen-Gewinner von Tokio bestreitet bei einem von ihm selbst organisierten Kampfabend am Samstag in Ludwigsburg seinen Abschluss-Fight. Das Ende einer langen und beeindruckenden Karriere.

Frank Stäbler ist momentan richtig müde. Nicht nur die knapp 30 Jahre auf den Ringermatten dieser Welt haben körperlich und mental ihre Spuren hinterlassen. Da ist aktuell seit vielen Wochen die kräfteraubende, weil heiße Phase der Organisation seines letzten Kampfes: "The Last Fight". Lange Tage, die den ganzen sonst so kräftigen Kerl fordern.

Ringer-Weltklasse aus aller Herren Länder

Am Samstagabend (19 Uhr) gibt der beste deutsche Ringer seinen Abschied. Rund 4.000 Zuschauer werden bei der von ihm selbst veranstalteten Ringer-Show in der Ludwigsburger MHP-Arena dem Ausnahme-Athleten einen gebührenden Rahmen bieten.

"Zuletzt war ich kein Ringer", sagt der demnächst 33-Jährige lachend im Interview mit SWR Sport, "ich war vielmehr Event-Manager". Allein 41 Flüge waren für die Last-Fight-Gala zu organisieren. Visa im Iran, in Kuba oder Kirgistan mussten für die Kämpfer aus allen Erdteilen beantragt werden.

Frank Stäbler im SWR-Interview zu "The Last Fight"

Mischung aus Sport und Show in Ludwigsburg

Sportlich wird bei Frank Stäblers letztem Kampf in Ludwigsburg absolut Hochkarätiges geboten: "So ein Ringer-Event hat es auf deutschem Boden noch nie gegeben", schwärmt der Schwabe aus Musberg, "es ist eine Mischung aus Ringkampf und Show-Acts".

Deutsches Ringer-Nationalteam gegen Weltauswahl

Das deutsche Ringer-Nationalteam in Stäblers Griechisch-Römischem-Stil stellt sich einer Weltauswahl. Stäbler wird im letzten Kampf des Abends gegen den iranischen Weltmeister und Olympiasieger Mohammadresa Geraei auf die Matte gehen. Sozusagen die Revanche für Tokio, als "Fränky" gegen Geraei verlor und damit den Goldkampf verpasste.

Als Star-Gast wird Liedermacher Tim Bendzko in Ludwigsburg singen. Eli Seitz und Marcel Nguyen turnen, Top-Akrobaten breakdancen. Die Einnahmen fließen an karitative Einrichtungen. Frank Stäbler geht es bei seiner Abschieds-Gala sowieso nicht ums Geld. Der Kämpfer will vielmehr seiner Sportart Ringen etwas zurückgeben, der für ihn "schönsten Sportart der Welt". "Ich will zeigen", so der zweifache Familienvater, "dass Ringen Event-Charakter hat, mehr ist als ein Sport mit Hinterhof-Schulturnhallen-Atmosphäre."

Vom Ringer-Kindergarten zur Nummer eins der Welt

Genau so, in der Schulturnhalle, hat die grandiose Karriere einst begonnen. In diesen auch melancholischen Tagen des endgültigen Abschieds von der Ringer-Bühne gehen die Gedanken bei Frank Stäbler gerne zurück. Bis an die Anfänge. Der eher ungewollte Start im Musberger Ringer-Kindergarten, weil das Mutter-Kind-Turnen bereits ausgebucht war, die ersten Titel des großen Talents auf Kreis-, Bezirks- und Landesebene im württembergischen Ringen. Schließlich die deutschen Meistertitel: "Ein verrückter Weg, vom Ringer-Kindergarten zur Nummer eins der Welt. Das ist etwas Besonderes", sagt Frank Stäbler, "ich bin dankbar für all das, was ich erleben durfte".

"Blut, Schweiß und Tränen"

Frank Stäbler war mit seinem außerordentlichen Willen und Ehrgeiz nicht mehr zu stoppen, auch nicht von der Weltelite. Seine martialischen Schlagwörter, immer untermalt mit einem schelmischen Grinsen: "Blut, Schweiß und Tränen." Sie führten ihn zu drei WM-Triumphen in drei unterschiedlichen Gewichtsklassen, das gelang vorher noch keinem anderen Ringer. Dazu die zwei Siege bei Europameisterschaften. Zum krönenden internationalen Abschluss letzten Sommer dann endlich auch die heißersehnte Medaille bei Olympischen Spielen: Bronze in Tokio.

Frank Stäbler jubelt nach seiner Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Frank Stäbler nach seiner Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio.

Der Weltelite getrotzt

Dabei wurde Frank Stäbler nichts geschenkt. Wer sich in einer Sportart, in der überwiegend Athleten aus dem Iran, der Türkei, Kuba oder Russland dominieren und gefördert und angehimmelt werden wie hier bei uns Fußballer, als deutscher Ringer durchsetzt und sich über Jahre sogar in der Weltspitze festkrallt, der muss mehr bieten als ein bisschen Talent und Wille. Stäbler hat sich regelrecht durchgebissen, ist körperlich und mental über Grenzen gegangen. Musste verletzungs- und krankheitsbedingt auch durch tiefe Täler gehen, Enttäuschungen wegstecken. Er hat es geschafft.

Frank Stäbler

Frank Stäbler

"Viel zu lange im roten Bereich"

Am Samstag ist endgültig Schluss, obwohl Frank Stäbler zuletzt in der Ringer-Bundesliga für die Red Devils Heilbronn Woche für Woche Top-Leistungen ablieferte und ungeschlagen blieb. "Ich bin viel zu lange im roten Bereich gelaufen, habe Schmerzen ertragen müssen", sagt der Ringer nachdenklich, "wenn man das zu lange macht, dann macht es keinen Spass mehr. Und wenn man keinen Spass mehr hat, dann fehlt auch die letzte Leidenschaft und damit das Glück".

Zum richtigen Zeitpunkt abtreten, das war immer sein Wunsch. Jetzt tut er es: "Einmal noch in den Fight-Modus kommen, ein paar letzte Tropfen hab` ich noch im Tank für Samstag."

Kuhstall und Hühnerstall als Trainingszentrum

Frank Stäbler ist auch strukturell ganz eigene, außergewöhnliche Wege gegangen. Daheim auf dem elterlichen Bauernhof in Musberg wurde mangels anderer Trainingsmöglichkeiten zunächst der ehemalige Kuhstall zur Trainingsstätte umfunktioniert, später dann Opas alter Hühnerstall zum beeindruckenden Leistungszentrum umgebaut.

Die Ringer Frank Stäbler und Mohammed Papi beim gemeinsamen Training in Musberg.

Die Ringer Frank Stäbler und Mohammed Papi beim gemeinsamen Training in Musberg.

Es hat sich gelohnt. Frank Stäbler hat aber nicht nur mit seinen großartigen Erfolgen immer wieder Schlagzeilen geschrieben, das Muskelpaket gewann mit seiner offenen und authentischen Art viele Freunde, gerade auch unter den Journalisten. Ein Interview oder Gespräch mit dem pfiffigen und wortwitzigen Athleten ist immer wieder ein Erlebnis.

Künftig als Speaker, Coach, Motivationstrainer unterwegs

Das ganz große Geld im Vergleich mit einem ähnlich erfolgreichen Fußballer hat der Ringer Stäbler mit seinem Sport zwar nicht annähernd verdient, "dafür aber bin ich Millionär im Inneren", hat er einmal in einem SWR-Interview gesagt. Künftig will er diese innere Kraft weitergeben, als Speaker, Coach und Motivationstrainer arbeiten. Gemeinsam mit dem Ministerium für Kultus und Sport in Baden-Württemberg engagiert er sich in der Stiftung "Be Ready!" für Schulkinder und Jugendliche.

Ein letztes Mal im Fight-Modus

Jetzt, kurz vor dem Abschied in Ludwigsburg, ist Frank Stäbler ein letztes Mal Ringer aus Leib und Seele. "Die Aufregung steigt, das Adrenalin kehrt zurück in den Blutkreislauf, das habe ich zum letzten Mal bei den olympischen Spielen gespürt", sagt Stäbler nachdenklich, "ich spüre, dass an diesem Samstag etwas ganz Besonderes passieren wird, ein letztes Mal das Trikot überstreifen, ein letztes Mal auf die Matte, der letzte Abgang. Dann ist es aber auch vorbei."