Teamcheck TSG Hoffenheim: Vieles hängt am Bundesliga-Debütanten Sebastian Hoeneß

Sebastian Hoeneß (TSG Hoffenheim)

Fußball | Bundesliga

Teamcheck TSG Hoffenheim: Vieles hängt am Bundesliga-Debütanten Sebastian Hoeneß

Die TSG Hoffenheim geht am Samstag (15:30 Uhr beim 1.FC Köln) mit dem neuen Trainer Sebastian Hoeneß in die Saison. Nach Platz sechs und dem Erreichen der Europa League, wollen die Kraichgauer wieder spektakulären Fußball spielen.

So lief die vergangene Saison

Nach dem Weggang von Julian Nagelsmann letzten Sommer zu RB Leipzig war die Spannung groß. Wie geht es in Hoffenheim ohne den Trainer-Shootingstar der Bundesliga weiter? Kann sein ehemaliger Assistent Alfred Schreuder die riesigen Fußstapfen Nagelsmanns ausfüllen? Die Antwort fällt zwiespältig aus. Am Ende standen zwar Platz sechs und die Qualifikation für die Europa League. Mit diesem Erfolg hatte niemand gerechnet, zumal der personelle Umbruch groß ausgefallen war und zahlreiche Leistungsträger wie Demirbay, Amiri, Schulz und Joelinton den Kraichgau verlassen hatten.

Faktisch spielte die TSG unter Schreuder eine gute Saison, fußballerisch aber war sie völlig unbefriedigend. Hatte Hoffenheim unter Julian Nagelsmann im Kraichgau sehenswerten Offensivfußball zelebriert, wählte sein Nachfolger aus den Niederlanden die Sicherheitsvariante. Querpass statt Steilpass. Trotzdem schaffte es Alfred Schreuder nicht, mit seiner Taktik dem Team in der Defensive Stabilität zu verleihen.

Unterm Strich standen sage und schreibe neun (!) teils krachende Heimniederlagen und eine Flut an Gegentoren. Letztlich führten das unausgewogene Gesamtbild und der fußballerische Entwicklungsstau sogar zur Trennung von Schreuder noch kurz vor Saisonende. Hoffenheim stand zu diesem Zeitpunkt immerhin auf Platz sieben.

Mit einem Team aus Assistenz- und Nachwuchstrainern schob sich die TSG schließlich dank eines furiosen Schlussspurts mit vier Siegen aus fünf Spielen sogar noch auf Europa-League-Platz sechs. Das Spektakel war endlich zurück in Hoffenheim.

Sebastian Hoeneß: "Spektakel" 00:26 Min. Verfügbar bis 29.10.2020

Wer kommt, wer geht?

Im Gegensatz zum vergangenen Sommer fiel die Transferbilanz diesmal eher unspektakulär aus. Als einzigen echten Neuzugang holten die Hoffenheimer den Serben Mijat Gacinovic von Eintracht Frankfurt. Im Tausch mit dem 25-jährigen Offensivspieler wechselte Verteidiger Steven Zuber in die Hessen-Metropole. Mit dem sprint- und spielstarken Gacinovic erhofft sich Hoffenheim mehr Variabilität im schnellen Spiel nach vorne.

Dazu verbreitern mehrere Rückkehrer die personellen Möglichkeiten der Hoffenheimer. Neben Ex-Kapitän Kevin Vogt, der letzten Winter nach Streitigkeiten mit Trainer Schreuder zu Werder Bremen verliehen wurde, suchen auch die Verteidiger Joshua Brenet (war an Arnheim ausgeliehen) und Kasim Adams (Düsseldorf) sowie Stürmer Joao Klauss (Linzer ASK) ihre Chance.

Hochinteressant könnte sich die Personalie Klauss entwickeln: Der Brasilianer mit italienischen Wurzeln steht bereits seit drei Jahren bei der TSG unter Vertrag und wurde bei seinen Ausleihen nach Helsinki (finnischer Torschützenkönig) und Linz (15 Treffer in 42 Spielen) zum echten Goalgetter. Der große und kräftige 23-Jährige schoss auch in der Vorbereitung einige Tore für die Hoffenheimer und erinnert in seiner Art an den brasilianischen Landsmann Joelinton. Der wechselte bekanntlich letztes Jahr für über 40 Millionen Euro nach Newcastle...

Von den Stammspielern der vergangenen Saison verließ nur die Leihgabe Sebastian Rudy den Verein, er kehrte zum FC Schalke 04 zurück.

Der Trainer

Dazu gehörte viel Mut. Hoffenheim sprach als Nachfolger von Alfred Schreuder dem Bundesliga-Novizen Sebastian Hoeneß das Vertrauen aus. Der 38-jährige Sohn von Dieter und Neffe von Uli Hoeneß trägt zwar einen berühmten Fußballernamen, er besitzt aber noch keinerlei Erstliga-Erfahrung. Nicht als Spieler, nicht als Trainer. Nach seinen Stationen in Berlin-Zehlendorf, Leipzig und beim FC Bayern als U-17 und U-19 Coach, trainierte Sebastian Hoeneß letzte Saison die zweite Mannschaft der Münchner und führte sie auf Anhieb zum Drittliga-Titel.

Sebastian Hoeneß: "Kumpeltyp" 00:43 Min. Verfügbar bis 29.10.2020

Wie mit dem Münchner Talentschuppen will Hoeneß auch in Hoffenheim den Vorwärtsgang wählen. Mutiger Fußball, wie man ihn im Kraichgau sehen will. Dazu soll der gebürtige Münchner generell die Mannschaft und auch die einzelnen Spieler wie beispielsweise das österreichische Edel-Talent Christoph Baumgartner fußballerisch weiterentwickeln.

Mit seiner ruhigen und empathischen Art kommt Hoeneß bislang in Hoffenheim prima an. Mit seiner Familie hat der "Stadtmensch" Hoeneß in der benachbarten Universitätsmetropole Heidelberg eine Bleibe gefunden und fühlt sich in der Rhein-Neckar-Region schon pudelwohl.

Die Region ist dem neuen Trainer auch bestens bekannt. Bereits als Spieler stand Sebastian Hoeneß 2006 für eine Saison bei der TSG Hoffenheim unter Vertrag. Der Trainer damals hieß Ralf Rangnick, später sein Mentor beim Beginn der Trainer-Karriere in Leipzig.

Erwartungen an die neue Saison

Es wird schwer, Platz sechs und das Erreichen der Europa League wie in der vergangenen Saison zu toppen. Der Hoffenheimer Kader ist zwar für die Dreifach-Belastung Bundesliga, DFB-Pokal und Europa League von Sportdirektor Alexander Rosen gewohnt breit und ausgewogen aufgestellt worden, für eine Champions-League-Plazierung aber fehlen doch - Stand jetzt - mehrere außerordentliche Einzelkönner.

Sebastian Hoeneß: "Flexibilität" 00:37 Min. Verfügbar bis 29.10.2020

Zuviel hängt letztlich an der Fitness von Andrej Kramaric. Mit der Form und der Tor-Laune des kroatischen Vize-Weltmeisters und Hoffenheimer Rekordschützen steht und fällt das Offensivspiel der TSG. So gesehen bei der Beinahe-Pokalpleite am vergangenen Wochenende in Chemnitz. Allein Kramaric rettete mit seinen Treffern Hoffenheim ins letztlich gewonnene Elfmeterschießen.

Mindestens genauso viel wie der Tabellenplatz zählt in Hoffenheim traditionell aber sowieso die Entfaltung von Stil und Spiel. Zwischen Platz fünf und zehn ist wieder alles drin für die TSG und den neuen Chef-Entwickler Sebastian Hoeneß.

SWR | Stand: 17.09.2020, 15:35

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