Teamcheck SV Sandhausen: Kader nach Beinahe-Abstieg auf links gedreht

Die Neuzugänge der Saison 2021/2022 des SV Sandhausen mit Trainer-Duo Kleppinger & Kulovits.

Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck SV Sandhausen: Kader nach Beinahe-Abstieg auf links gedreht

Nach einer vom Abstiegskampf geprägten Saison stellt sich der SV Sandhausen vor seiner zehnten Zweitliga-Saison rundum neu auf: 15 Abgängen stehen zwölf Neuzugänge gegenüber. Mit dem neuen Team will der Verein eine stabilere Saison 2021/2022 spielen.

So lief die vergangene Saison

Tief durchatmen hieß es für den SV Sandhausen mit dem Abpfiff des letzten Spieltags der Saison 2020/2021. Trotz einer 1:3-Niederlage gegen den VfL Bochum verblieb der SVS ob der Niederlage von Verfolger VfL Osnabrück auf Platz 15 und sicherte sich den direkten Klassenerhalt in Liga zwei. Präsident Jürgen Machmeier sprach im Anschluss von der "schlimmsten Saison", die Sandhausen je spielte. Dabei hatte Geschäftsführer Volker Piegsa dem Verein vor der Saison noch die Rolle des "klassischen Abstiegsaspiranten" abgesprochen und die obere Tabellenhälfte als Ziel ausgerufen.

Dem konnte Sandhausen zu keinem Zeitpunkt der Saison gerecht werden. Nach acht Punkten aus den ersten acht Spielen musste erst Trainer Uwe Koschinat die Koffer packen und - nachdem das Team immer tiefer in den Abstiegskampf rutschte - nach dem 21. Spieltag auch dessen Nachfolger Michael Schiele.

Meet the Team - SV Sandhausen

Sportschau 19.07.2021 01:27 Min. Verfügbar bis 19.07.2022 ARD


Ab da übernahm das Interims-Trainerduo Gerhard Kleppinger/Stefan Kulovits, die das Team stabilisierten und mit vier Heimsiegen in Folge einen neuen Vereinsrekord aufstellten. Dass am Ende die Klasse gehalten wurde, ist auch insofern beachtlich, als dass die Mannschaft Anfang April aufgrund mehrerer Coronafälle einheitlich die Quarantäne antreten musste und in der Folge drei englische Wochen am Stück spielte.

Wer kommt, wer geht?

"Wer bleibt?", ist wohl eher die Frage, die man beim SV Sandhausen stellen müsste. Unmittelbar nach dem Klassenerhalt verabschiedete der Verein auf einen Schlag 14 Spieler. Unter anderem verlassen die erfahrenen Außenverteidiger Diego Contento und Philipp Klingmann (beide vereinslos) den Verein, ebenso wie Torhüter Stefanos Kapino (SV Werder Bremen) und Mittelfeldspieler Nikolas Nartey (VfB Stuttgart), die beide nach beendeter Leihe zu ihren Stammvereinen zurückkehren. Hinzukommt der schmerzliche Abgang von Torjäger Kevin Behrens (1. FC Union Berlin), der mit 13 Toren fast ein Drittel der Zweitliga-Tore (41) der vergangenen Saison erzielt hatte.

Auf der Gegenseite verpflichtete der Sportliche Leiter, Mikayil Kabaca, elf neue Spieler. Die Lücke, die Behrens hinterlassen hat, soll Pascal Testroet (30) schließen. Der Stürmer kommt von Erzgebirge Aue, wo er in drei Saisons 37 Treffer erzielte. In Kapinos Fußstapfen tritt Patrick Drewes (28) vom VfL Bochum als neue Nummer eins.

Gespannt sein darf man außerdem, ob Gianluca Gaudino (24), der von den Young Boys Bern kommt, zurück zur Frühform seiner Karriere findet. Der Mittelfeldspieler - Sohn von Mauriozio Gaudino - sammelte als 17-Jähriger unter Pep Guardiola beim FC Bayern einige Startelf-Einsätze, befindet sich seitdem aber auf dem absteigenden Ast. Offensivakteur Anas Ouahim (23) kehrt von seiner Leihstation beim 1. FC Kaiserslautern zurück.

Zudem verpflichtete der Verein einige weitere junge Spieler, die die Verjüngungskur des mit einem Altersschnitt von 27,5 Jahren nach wie vor ältesten Kaders der Liga vorantreiben sollen. "Wir haben für uns entschieden, dass wir den Weg mit jungen, hungrigen Spielern, gepaart mit Erfahrung gehen", erklärt Kabaca, der weitere Tätigkeiten auf dem Transfermarkt nicht ausschließen möchte.

Der Trainer

DIE Trainer, muss es beim SVS auch in der neuen Saison korrekterweise heißen. Kleppinger und Kulovits - intern auch "Kleppo" und "Kulo" - wurden von ihrem Interimsposten zur neuen Saison zum Cheftrainer-Duo befördert. Für Präsident Machmeier nach der Rettung in der vergangenen Saison die "logische Konsequenz" und "absolut verdient". Ihr Vertrag ist bis zum Ende der Saison datiert.

Die beiden stehen für eine hohe Identifikation mit dem Verein. Kleppinger (63) ist bis auf einen kurzen Abstecher als Koordinator der Talentförderung seit 2012 Co-Trainer beim SVS. Kulovits war von 2013 bis zum Ende seiner Spieler-Karriere 2020 im Verein und stieg anschließend direkt als Co-Trainer ein. Zur neuen Saison hat der 38-Jährige die UEFA-A-Lizenz erworben. Mit Sargon Duran stößt außerdem ein neuer Co-Trainer in den Trainerstab.

Erwartungen an die neue Saison

Obwohl der Verein in seine zehnte Zweitliga-Saison in Folge geht, ist er ob seines ausgetauschten Spielermaterials eine große Unbekannte. Die Eindrücke aus dem letzten Saisonfinale lassen für die Sandhausener Fans zwar Hoffnung auf eine stabilere Spielzeit zu, doch aufgrund der so starken 2. Liga in der anstehenden Saison könnte der SVS erneut bis zuletzt um den Klassenverbleib spielen müssen.

Zwar sieht Kabaca den Kader im Vergleich zum Vorjahr qualitativ stärker, dennoch weiß er den SV Sandhausen in der Liga einzuordnen. "Wir wären verrückt, wenn wir sagen, wir wollen einen einstelligen Tabellenplatz", sagt der Sportliche Leiter in Anbetracht der zahlreichen großen Vereine in der Liga. Das Ziel sei eine sorgenfreie Runde und ein möglichst frühzeitiger Klassenerhalt, um auch eine elfte Zweitliga-Saison spielen zu können.

In der laufenden Vorbereitung müsse man dafür als Team zusammenfinden. Die ersten Testspiele haben gezeigt, dass das neue Team noch in der Findungsphase ist. Auffällig vor allem die deutliche 0:4-Pleite gegen Drittligist Kaiserslautern. Bis zum Saisonstart am 25. Juli muss sich der SV Sandhausen steigern, um zu Hause gegen Fortuna Düsseldorf zu punkten.

SWR | Stand: 15.07.2021, 22:13

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