Freiburger Jubel

Teamcheck SC Freiburg Macht der Sport-Club einfach so weiter?

Stand: 12.01.2023 13:19 Uhr

Als Tabellenzweiter ist der SC Freiburg in die WM-Winterpause gegangen und spielt im DFB-Pokal und der Europa League um einen Platz im Viertelfinale. Zufall oder der neue Wahnsinn?

So lief es vor der Winterpause

Christian Streich ist manchmal tatsächlich auch der Mann ziemlich weniger Worte. Dann zum Beispiel, wenn es um die Frage geht, wie die bisherige Saison für seinen SC lief. "Wir stehen gut da", sagt der Freiburger Cheftrainer und verzieht dabei trotz Untertreibung keine Miene. Von 23 Pflichtspielen dieser Saison verloren die Breisgauer ganze drei. Mit dem Sprung auf Tabellenplatz zwei in der Bundesliga endete der fast schon traumhafte Lauf. Im DFB-Pokal und in der Europa League hatte sich der SC zuvor für die Achtelfinals qualifiziert.

"Wahnsinn, was wir alles erlebt haben", sagte Streich nach dem 15. und bislang letzten Spieltag. Weil seine Mannschaft allen Zweifeln von Außen zum Trotz stabil geblieben war. Sich sukzessive weiter entwickelt hat. Einzelne Spieler, aber eben auch die Mannschaft als Ganzes. Weil die wenigen Neuen sofort Teil des Erfolges wurden: der japanische Nationalspieler Ritsu Doan, der österreichischen Torjäger Michaeö Gregoritsch und Rückkehrer Matthias Ginter, sie alle übersprangen die Eingewöhnungsphase einfach. Auch Daniel Kofi Kyreh ließ sich von Verletzungen nur bedingt stoppen. Legt man alle Puzzleteile zusammen, hat sich Freiburg als Top-Team der Liga etabliert. Vorerst.

Christian Streich: "Die Spieler wollen mich dann nicht mehr sehen"

Wer kommt, wer geht?

Mit Kevin Schade verlässt zwar ein riesen Talent den Sport-Club, aber nicht nur der finanzielle Aspekt spricht für den Transfer. Der deutsche U21-Nationalspieler hatte in Freiburg nach einer langwierigen Verletzung zuletzt eher wenig Einsatzzeit, das soll sich für ihn beim FC Brentford in der englischen Premier League ändern. Mit dem Leihgeschäft ist eine feste Kaufoption verbunden, bis zu 25 Millionen Euro sollen im Spiel sein. "Das tut uns gut, damit wir finanziell gesund bleiben", erklärt SC-Trainer Streich und macht seinen Strich unter den Deal: "Deshalb waren alle zufrieden."

Außerdem startet der SC zum ersten Mal seit Jahren "Schlotterbeck-los" ins neue Jahr. Nach dem Weggang von Nationalspieler Nico Schlotterbeck im Sommer ist jetzt Bruder Keven auf Leihbasis zum VfL Bochum gegangen.

Entspannen können übrigens alle Nils-Petersen-Fans: ein Wechsel ist für ihn ausgeschlossen. Sein gutes Gefühl sticht seine Unzufriedenheit, in dieser Saison noch kein Bundesliga-Tor erzielt zu haben, aus: "Wir können viel erreichen und es wäre schade, etwas davon zu verpassen", sagte er im Wintertrainingslager in Sotogrande.

Yannik Keitel: "Setzen alles dran, dass es so bleibt!"

Der Trainer: Der ewige Christian Streich

Wenn Christian Streich mal kurz loslässt, dann gönnt er sich tatsächlich auch den Genuss des Moments. So geschehen am 14. November, am Tag, als Freiburg mit einem 4:1 über Union Berlin auf Platz zwei sprang und in die Winterpause ging: "Ich hätte gerne, dass es so bleibt", sagte Streich damals. Und schob gleich hinterher: "Das wird es aber nicht." Streich ist kein Träumer, bleibt Mahner und bleibt sich damit treu: "Ich hoffe, dass alle vernünftig bleiben", sagt der Mann, der seit über elf Jahren Cheftrainer in Freiburg ist und damit natürlich der dienstälteste Bundesligacoach.

Streich verlangt viel von seinen Spielern. Das hat er schon immer getan und das bleibt. Er fordert und fördert. Sein Händchen für Talente ist ligaweit bekannt und wird bewundert. Aber auch seine eigene Entwicklung, die sich in der Entwicklung des Sport-Clubs widerspiegelt. Denn längst sind es nicht nur die Talente, die unter ihm reifen. Gestandene Spieler wie Kapitän Christian Günter oder Vincenzo Grifo finden eine nächste Stufe. Für sich, für Streich und für den SC Freiburg.

Erwartung an die Saison: Träumen erlaubt, Realismus auch

"Wir können mit breiter Brust in die Rückrunde gehen", sagt Yannik Keitel mit einem breiten Grinsen zu Jahresbeginn. Wer in Freiburger Spielerkreisen nachfragt, hört Antworten wie diese inzwischen frei raus und oft: "Wir setzen alles daran, dass es so bleibt!". Verbunden mit diesen Worten sind die Träume von der Champions League. Vom Trainer gibt es derlei offensive, wenn auch nicht ganz unrealistische, (Traum-) Vorstellungen natürlich nicht zu hören. "Ich freue mich, weil wir super dastehen und man sich keine Gedanken machen muss, ob man nächstes Jahr wieder in der Bundesliga spielt", äußerte der 57-Jährige gegenüber SWR Sport: "Das ist wunderbar." Immerhin in einem ist Christian Streich vorm Start ins Pflichtspieljahr 2023 also ganz offensiv: Abstiegskampf ist in dieser Saison was für die Anderen....