Teamcheck: Der FSV Mainz 05 hat wieder Spaß am Fußball

Mainz-Trainer Bo Svensson: "Eine wirkliche Mannschaft hinbekommen" 00:34 Min. Verfügbar bis 12.02.2022

Fußball | Bundesliga

Teamcheck: Der FSV Mainz 05 hat wieder Spaß am Fußball

Am Ende der Bundesliga-Hinrunde ist Mainz 05 Neunter. Die Mannschaft entfacht bei ihren Fans wieder Begeisterung. Vor einem Jahr sah das noch ganz anders aus.  

So lief die Hinrunde

Wie viel sich innerhalb eines Jahres ändern kann, hat keine Mannschaft so eindrucksvoll bewiesen wie der 1. FSV Mainz 05. Im Dezember 2020 stand das Team mit sieben Punkten auf Tabellenplatz 17 und galt bei vielen als Absteiger. Im neuen Jahr übernahm Bo Svensson als Trainer, krempelte die Mannschaft um, schaffte den Klassenerhalt. Jetzt sind die Mainzer Neunter, haben 24 Punkte. Gäbe es eine Jahrestabelle, dann stünden sie mit 57 Zählern auf Platz 7. Selbst Svensson hat nicht erwartet, dass es so gut laufen würde: "Das habe ich nicht für möglich gehalten. Aber ich habe für möglich gehalten, dass wir eine Mannschaft hinbekommen, eine wirkliche Mannschaft, bei der die Fans sagen: Da können wir dahinterstehen." Gleich am ersten Spieltag haben die Mainzer RB Leipzig 1:0 geschlagen, obwohl Svensson coronabedingt nur die Hälfte des Kaders zur Verfügung hatte.

Mainz hat in dieser Hinrunde bewiesen, dass es neben den bekannten Stilelementen wie Leidenschaft, Intensität und schnellem Umschaltfußball auch in Ballbesitz ansehnlich kombinieren kann. Nach dem 4:0 gegen Hertha BSC sagte Sportvorstand Christian Heidel euphorisch: "Da geht einem das Herz auf. Das hat richtig nach Fußball ausgesehen."

Der auffälligste Spieler der Hinrunde war Jonathan Burkardt. Der Stürmer aus dem eigenen Nachwuchs hat sich zu einem Leistungsträger entwickelt, ist mit 21 Jahren das Aushängeschild des Teams. 16 Mal stand er in der Startelf, hat sieben Tore erzielt und zwei Treffer vorbereitet. Mit seinem Sturmpartner Karim Onisiwo, die beiden werden "Jonnysiwo" genannt, hat er beim Gegner ständig für Unruhe gesorgt.

Wer kommt, wer geht?

Burkardt hat mit seinen Leistungen auf sich aufmerksam gemacht. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass andere Vereine an ihm interessiert sind. Im Sommer hat er seinen Vertrag am Bruchweg vorzeitig bis 2024 verlängert. "Ich lasse alles auf mich zukommen. Aber jeder weiß, dass ich sehr glücklich in Mainz bin", sagte Burkardt. Einen Wechsel im nächsten Transferfenster schließt er aus. "Im Winter will ich meine Ruhe haben."

Im Winter sind keine größeren personellen Veränderungen geplant, heißt es vom Verein. Eine bewusste Entscheidung sei das, weil man in Mainz Vertrauen in die hat, die da sind. Dazu kommt, dass Svensson kein Freund von einem zu großen Kader ist. "Wir wollen vermeiden, dass Spieler das Gefühl haben, dass sie keine Rolle hier spielen", erklärt der Trainer. Die Herausforderung ist ihm dabei bewusst: Seine Jungs müssen fit bleiben und sich nicht verletzen. "Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden mit dem Kader", bilanziert Svensson und will trotzdem auch in diesem Januar die Augen aufhalten. Aber Mainz ist eben weit weg von der großen Not, die es im Winterfenster des Vorjahres hatte.

Echte Baustellen haben die Mainzer in ihrem Kader nicht. Womöglich würde ein zusätzlicher schneller und torgefährlicher Stürmer dem Team guttun. Der zweitbeste Angreifer, Karim Onisiwo, hat erst zwei Mal getroffen. Jean-Philippe Mateta, der an Crystal Palace ausgeliehen ist, kommt dort kaum zum Zug - eine Rückkehr im Winter hat Christian Heidel aber "aus vielerlei Gründen nahezu ausgeschlossen".

Der Trainer

Bo Svensson gibt sich gelassen, lässt sich nicht beeindrucken von den Lobeshymnen, die er für seine Arbeit bekommt. Darüber freue er sich zwar, sagt er. Aber er betont auch: "Ich finde einfach, dass es nicht so angemessen ist." Denn dass Mainz momentan so gut dasteht, sei Teamarbeit und nicht seine alleinige Leistung.

Trotzdem: Svensson ist es gelungen, den Abstiegskandidaten zu stabilisieren und eine Mannschaft zu formen, die eine klare Spielidee hat. Mit 1,51 Punkten im Schnitt ist er bisher der erfolgreichste Bundesliga-Trainer der Mainzer, auch wenn diese Zahl insofern relativiert werden muss, da Svensson deutlich kürzer Trainer ist als etwa Jürgen Klopp oder Thomas Tuchel. Zu seinem großen Verdienst gehört auch, dass er Spieler wie Aaron Martin und Adam Szalai, die viele bereits abgeschrieben hatten, zu Leistungsträgern geformt hat. "Das ist für mich auch das Entscheidende. Ich bin abhängig von den Spielern und wenn die finden, dass ich einen guten Job mache, ist das die größte Wertschätzung."

Erwartungen an die Rückrunde

Es gibt Fans, die von der Europa League träumen. Bo Svensson, Christian Heidel und Sportdirektor Martin Schmidt machen das nicht, zumindest sagen sie es nicht öffentlich. Heidel erklärte kürzlich: "Es geht hier darum, den Verein auf ganz sichere Füße zu stellen, dass es den Leuten Spaß macht, das geht mir vor Tabellenplatz. Deswegen fangen wir jetzt nicht an, in irgendwelchen Träumen zu schwelgen. Das bringt uns nicht einen Punkt mehr. Wir gehen schön nach dem Prinzip so weiter hier." Mainz will in der Liga bleiben und in der Rückrunde bei seinen Fans dieselbe Begeisterung entfachen wie in der Hinrunde. Dann sind Svensson, Heidel und Schmidt zufrieden. Und die Fans mit Sicherheit auch.

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SWR | Stand: 29.12.2021, 21:46

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