Teamcheck 1. FC Heidenheim: Mit Kontinuität zum Erfolg

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Fußball | 2. Bundesliga

Teamcheck 1. FC Heidenheim: Mit Kontinuität zum Erfolg

Nach einer eher durchwachsenen Saison will sich der 1. FC Heidenheim in der neuen Spielzeit wieder im oberen Tabellendrittel etablieren. In der womöglich besten 2. Bundesliga aller Zeiten dürfte das keine leichte Aufgabe sein.

So lief die vergangene Saison

Erstrunden-Aus im DFB-Pokal gegen den Drittligisten Wehen Wiesbaden, und in der 2. Bundesliga nur ein Sieg aus den ersten fünf Spielen: Die Heidenheimer begannen die vergangene Saison mit einem Stotterstart. Wie vielen anderen Zweitligisten in den Jahren zuvor, drohte auch dem FCH nach der verlorenen Aufstiegsrelegation in die Bundesliga eine sportliche Talfahrt.

Das Muster zu Saisonbeginn war oft dasselbe: In der Offensive stimmten die Automatismen nicht, und das Defensivverhalten rund um die neu formierte Innenverteidigung mit Routinier Norman Theuerkauf und Patrick Mainka war oft zu fehlerhaft. Auch die Abgänge von Niklas Dorsch und Sebastian Griesbeck hinterließen ihre Spuren.

Nach sechs Spieltagen standen gerade mal fünf Punkte auf der Habenseite – das Resultat: Platz 16 mit elf Punkten Rückstand zur Tabellenspitze. Doch danach blieben die Heidenheimer sechs Spiele in Folge ohne Niederlage und kletterten in der Tabelle nach oben, ehe es beim späteren Aufsteiger VfL Bochum eine 0:3-Niederlage setzte.

Meet the Team - 1. FC Heidenheim

Sportschau 19.07.2021 01:48 Min. Verfügbar bis 19.07.2022 ARD


Bei diesem Spiel in Bochum wurde einmal mehr die eklatante Auswärtsschwäche der Heidenheimer deutlich. In der gesamten Hinrunde gelang der Mannschaft nur ein Auswärtssieg. Dennoch steigerte sich der FCH und kam mit Beginn der Rückrunde besser in Fahrt.

Großen Anteil daran hatte Torjäger Tim Kleindienst. Der 25-Jährige wurde im Winter aus dem belgischen Gent zurückgeholt und erzielte in 15 Spielen elf Treffer. Auch die Auswärtsschwäche konnten die Heidenheimer abstellen und schnupperten zwischenzeitlich sogar wieder an einem möglichen Aufstiegsplatz.

Doch die leisen Hoffnungen wurden mit einer entscheidenden Niederlage gegen den VfL Bochum wieder im Keim erstickt. Schlussendlich landete die Mannschaft von Trainer Frank Schmidt auf Tabellenplatz 8. Angesichts der schwachen Leistungen zu Beginn der Saison ein solides Ergebnis.

Wer kommt, wer geht?

Abgänge:

Der "ewige Heidenheimer" Marc Schnatterer verließ nach 13 Jahren seinen Herzensverein und wechselte zur neuen Saison zum Drittligisten SV Waldhof Mannheim. Maximilian Thiel und Oliver Steurer kamen in der abgelaufenen Spielzeit kaum zu Einsatzzeiten und wurden vom Verein freigestellt.

Auch Jonas Brändle konnte sich in den letzten Jahren in Heidenheim nicht durchsetzen. Brändle ist aus dem eigenen Nachwuchs und war bereits in der vorherigen Saison an die SG Sonnenhof Großaspach ausgeliehen. Der Regionalligist verpflichtete den Verteidiger nun fest. Ebenfalls in die Regionalliga wechselte Gökalp Kilic, der vom FC Memmingen verpflichtet wurde. Zudem verließen die beiden Ersatzkeeper Kevin Ibrahim (vereinslos) und Diant Ramaj (Eintracht Frankfurt) den Verein.

Zugänge:

Aller guten Dinge sind vier, zumindest bei Tim Kleindienst. Der Stürmer wurde zur neuen Spielzeit erneut fest verpflichtet. Erstmals für Heidenheim lief Kleindienst in der Saison 2016/2017 auf, als er für ein Jahr vom SC Freiburg ausgeliehen wurde. Von Freiburg wechselte Kleindienst zur Spielzeit 2019/2020 dann fest auf die Alb. Bereits ein Jahr später ging es weiter zum belgischen Erstligisten KAA Gent.

Seinen dritten Anlauf in Heidenheim startete Kleindienst im vergangenen Januar, als er zur Rückrunde von Gent nach Heidenheim ausgeliehen wurde. Mit der Verpflichtung zur neuen Saison wird sich Kleindienst bereits zum vierten Mal das Trikot des FCH überstreifen.

Ebenfalls für die Offensive kehrte Patrick Schmidt nach einem Jahr beim SV Sandhausen zurück. Der Mittelstürmer war in der vergangenen Rückrunde an Sandhausen ausgeliehen, kam jedoch dort aufgrund eines Mittelfußbruchs lediglich auf sechs Einsätze.

Für die Defensive wurde Tim Siersleben für zwei Jahre vom VfL Wolfsburg ausgeliehen. Der 21-Jährige ist Junioren-Nationalspieler und gilt als einer der talentiertesten Innenverteidiger in seinem Jahrgang. Aus dem eigenen Nachwuchsleistungszentrum wurden zudem Torhüter Paul Tschernuth und Innenverteidiger Tim Seifert in den Profikader berufen.

Der Trainer

Die 15. Saison in Serie. Frank Schmidt ist in Heidenheim eine Vereinslegende. Auch in der kommenden Saison wird Schmidt an der Seitenlinie stehen. Seit 2007 ist der Erfolgstrainer bereits im Amt. Der 47-Jährige ist mit großem Abstand der dienstälteste Trainer der drei höchsten deutschen Spielklassen.

Schmidt ist neben dem Vorstandsvorsitzenden Holger Sanwald die große Konstante im Verein und so etwas wie ein Erfolgsgarant. Er hat den Verein bereits in der Oberliga übernommen und kontinuierlich weiterentwickelt.

Erwartungen an die Saison

Trotz der positiven sportlichen Entwicklungen in den vergangenen Jahren wird auch in der kommenden Saison das primäre Ziel der Klassenverbleib sein. Zudem wird der Fokus auf der Weiterentwicklung der Mannschaft liegen, die im Vergleich zum Vorjahr größtenteils zusammengeblieben ist. Durch den Abgang von Marc Schnatterer, der in der zurückliegenden Saison nicht mehr zum Stammpersonal gehörte, wird sich zwar das Mannschaftsgefüge etwas verändern, doch auf dem Rasen dürften die Automatismen in der neuen Saison schnell greifen.

Ein wichtiger Faktor ist die erneute Verpflichtung von Tim Kleindienst sowie die geringe Anzahl an Abgängen von Leistungsträgern. Von den 18 Spielern mit den meisten Einsatzminuten in der letzten Saison hat keiner den Verein verlassen. Sollte zusätzlich die Integration der verpflichteten Nachwuchstalente gelingen, steht einer erfolgreichen Saison in der wohl besten 2. Bundesliga aller Zeiten nichts im Weg.

SWR | Stand: 19.07.2021, 10:58

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