Streich zum Newcastle-Deal: "Jegliches Maß überschritten"

Christian Streich, Trainer SC Freiburg

Kritik an Premier League

Streich zum Newcastle-Deal: "Jegliches Maß überschritten"

Der englische Fußballclub Newcastle United ist an ein Konsortium mit saudischer Beteiligung verkauft worden. Der Deal sorgte für Diskussionen. Freiburgs Trainer Christian Streich kann die Kritik nachvollziehen.

Die Newcastle-Fans, teilweise in Scheich-Kostüme gehüllt, feierten Anfang Oktober als hätte ihr Team die Meisterschaft gewonnen. Es war aber keine Meisterschaft, sondern die umstrittene Übernahme des Klubs durch ein Konsortium aus Saudi-Arabien. Das hatte international für Kritik gesorgt.

Christian Streich: "Jegliches Maß verloren"

Trainer Christian Streich vom SC Freiburg hat die Übernahme des englischen Clubs Newcastle United durch ein Konsortium mit saudischer Beteiligung scharf kritisiert. "Da passieren immer wieder Dinge im Fußball, die jegliches Maß überschritten haben. In diesem Fall ist das ja unfassbar, wer da alles dabei ist in diesem Konsortium", sagte der 56-Jährige. Man wisse, dass in dem Konsortium Leute dabei seien, "die in schwere Menschenrechtsverletzungen verstrickt" seien, ergänzte Streich. "Da muss ich sagen, wenn die Leute damit ein Problem haben, dann kann ich mich zu diesen Leuten dazuzählen."

Christian Streich: "Maß überschritten" 04:03 Min. Verfügbar bis 28.11.2021

Vorwurf: Menschenrechtsverletzungen

Die englische Premier League hatte der Übernahme zugestimmt, da der Club aus ihrer Sicht damit nicht unter der Kontrolle Saudi-Arabiens steht. Der öffentliche Investmentfonds Saudi-Arabiens soll zwar 80 Prozent am Konsortium halten und ist nun Mehrheitseigner des Vereins. Zudem ist der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, dem schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden, der einflussreichste Mann des Fonds. Der Fonds werde aber als vom Staat getrennt betrachtet, womit eine Übernahme aus Liga-Sicht zulässig war.

Kritik von Amnesty International

Trotzdem kritisieren auch Menschenrechtler den Deal: Es sei "eine Farce, dass eine Person, die in Kriegsverbrechen oder Verbrechen gegen die Menschlichkeit verwickelt ist, sich in die erste Liga des englischen Fußballs einkaufen konnte", sagte Felix Jakens von Amnesty International. Für Amnesty sei das der "eindeutige Versuch der saudischen Behörden, ihre katastrophale Menschenrechtsbilanz mit Hilfe des Glanzes der Premier League zu verschleiern".

Streich: "Bundesliga weiter attraktiv"

Streich hat dafür kein Verständnis und hielt stattdessen ein Plädoyer für die Bundesliga. "Ich glaube, dass die Bundesliga auch weiter attraktiv ist und dass wir nicht alles mitgehen dürfen, was in anderen Ligen gemacht wird, zum Beispiel in England", sagte er. "Wer nicht mehr so gut arbeitet, obwohl er Tradition hat, der spielt halt nicht mehr Bundesliga. Das ist für mich Wettbewerb."

SWR | Stand: 15.10.2021, 08:25

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