Stäbler hadert mit dem "Olympiagott" - und hofft auf Bronze

Ringer Frank Stäbler

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Stäbler hadert mit dem "Olympiagott" - und hofft auf Bronze

Gold bleibt Ausnahmeringer Frank Stäbler bei seinem letzten Turnier zwar verwehrt. Bronze und damit die ersehnte erste Olympia-Medaille ist aber noch drin. Es wäre das versöhnliche Ende einer langen Geschichte zwischen dem Schwaben und den Spielen.

Eine letzte Chance kriegt Frank Stäbler noch. Der Gold-Traum des dreimaligen Ringer-Weltmeisters bei den Olympischen Spielen in Tokio ist zwar geplatzt, Bronze aber noch möglich. Der Musberger erreichte über die Hoffnungsrunde noch eines der kleinen Finals der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm. In diesem trifft er auf den Georgier Ramas Soidse (ab 12.30 Uhr/MESZ). Es wird Stäblers Abschiedsvorstellung.

So könnte er noch einen der dritten Plätze in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm erreichen. Es wäre das würdige Ende seiner Karriere. Fast wäre sie schon vorbei gewesen. Nun muss der Schwabe für seinen letzten Wettkampftag nochmal alle Kräfte bündeln. "Ich möchte, dass er nicht vergisst, dass er eh schon der Größte ist. Es gibt eigentlich nichts, was seinen Namen schmälern kann", sagte seine gute Freundin und Gold-Ringerin Aline Rotter-Focken am Dienstag aufmunternd.

Da sah es noch so aus, als müsste der langjährige Vorzeigeathlet des deutschen Ringensports die große Bühne durch die Hintertür und definitiv ohne olympisches Edelmetall verlassen. Rotter-Focken hatte ihre Karriere schon am Montag beendet - mit dem ersten Olympia-Titel für eine deutsche Ringerin überhaupt. Stäbler würde zum Abschluss auch gerne auf dem Podium stehen. Und sei es eben nicht ganz oben.

Bittere Verwarnung

Zwei Kämpfe bestritt der 32-Jährige bei seinem letzten Turnier bislang. Gegen Europameister Mate Nemes aus Serbien siegte er mit 4:1. Das von beiden Seiten hitzig geführte Viertelfinal-Duell mit Geraei endete 5:5. Da Stäbler in der Schlussphase des Kampfes eine Verwarnung wegen Trikotziehens und so die letzten zwei Punkte gegen sich kassierte, war sein Gegner der Sieger. Der Deutsche sank zu Boden und schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Gold war also weg.

"Der Olympiagott will nicht, dass ich Olympiasieger werde", sagte Stäbler: "Ich habe gesagt, dass ich alles gebe, was ich drauf habe. Das habe ich getan. Es ist sehr, sehr schade, wie es gelaufen ist. Für mich lebt der Traum der olympischen Medaille immer noch."

Als Geraei ihn später aber zumindest noch ins Rennen um Bronze zurückholte, war Stäbler schon längst wieder im olympischen Dorf. "Egal, was passiert: Die Geschichte ist geschrieben. Ich bin der einzige Kämpfer der Welt, der in drei verschiedenen Gewichtsklassen Weltmeister wurde. Dazu war ich zweimal Europameister", hatte Stäbler im Vorfeld der Spiele in Japan betont.

Die Story einer Hassliebe

Schon seit Jahren jagt er einer Medaille beim größten Sportevent der Welt hinterher. Zweimal verpasste er sie unglücklich. 2012 in London verlor Stäbler seinen Bronze-Kampf gegen den Georgier Manuchar Tschadaia und wurde Fünfter. 2016 in Rio de Janeiro schied der Griechisch-römisch-Athlet gehandicapt von einer Fußverletzung im Viertelfinale aus und verlor anschließend auch in der Hoffnungsrunde.

Ticket to Tokio: Frank Stäbler 03:24 Min. Verfügbar bis 09.05.2022

Und nun in Tokio diese bittere und unnötige Verwarnung im Duell mit Geraei. Olympia und Stäbler: es wollte bisher nicht zusammenpassen. Es ist die Story einer Hassliebe. Gibt es jetzt aber das Happy End? Die Vorbereitung auf seine große Abschiedsvorstellung war von vielen Rückschlägen geprägt. Schon seit längerer Zeit kämpft Stäbler mit den Folgen einer Schultereckgelenksprengung, was ihm gerade die Abwehrarbeit am Boden erschwert. Dazu infizierte er sich im Herbst mit dem Coronavirus und erlebte einen Leistungseinbruch.

Tortur mit Folgen

Seitdem setzt er auf eine spezielle Atemtherapie. In der Summe kam ihm und seinem Körper die Verlegung der Spiele um ein Jahr nicht entgegen. Da sein Normalgewicht rund 75 Kilogramm beträgt, musste Stäbler für das Event in Japan zudem acht Kilogramm abnehmen - eine Tortur, die sich über Wochen erstreckte. Und die er diesmal offensichtlich nicht so gut wegsteckte. "Er wirkte hinten raus etwas müde", sagte der Sportdirektor des Deutschen Ringer-Bunds (DRB), Jannis Zamanduridis, nach dem verlorenen Viertelfinale.

Jetzt, wo die Medaille doch wieder greifbar ist, dürfte der mental starke Stäbler aber nochmal alles aus sich herausholen. Um endlich seinen Frieden mit Olympia zu machen.

Auch Kudla kämpft um Bronze

Auch Stäblers Griechisch-römisch-Kollege Denis Kudla greift nach Olympia-Bronze. Der 26-Jährige aus Schifferstadt gewann in der Hoffnungsrunde gegen den Kirgisen Atabek Asisbekow nach 0:2-Rückstand noch mit 10:2. Sein Gegner in einem der kleinen Finals der Klasse bis 87 Kilogramm ist der Ägypter Mohamed Metwally.

SWR | Stand: 04.08.2021, 11:36

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