Sportvorstand Saier: "Auch ein schönes Stadion schießt keine Tore"

Jochen Saier, Sportvorstand SC Freiburg

Fußball | SC Freiburg

Sportvorstand Saier: "Auch ein schönes Stadion schießt keine Tore"

Am Samstag (15:30 Uhr) feiert der SC Freiburg gegen RB Leipzig seine Bundesliga-Premiere im neuen Europa-Park Stadion. Es ist der Beginn einer neuen Ära im Freiburger Fußball. SWR Sport hat darüber mit Sportvorstand Jochen Saier gesprochen.

Jochen Saier, wie viele Flugzeuge haben Sie denn vor dem ersten Anpfiff im neuen Stadion im Bauch? Ist das wie bei einem ersten Rendezvous?

"Ich glaube, der Vergleich hinkt etwas. Es ist eher eine gewisse Anspannung. Es liegt auch daran, dass wir im alten Dreisamstadion sehr erfolgreich in die neue Saison gestartet sind und jetzt etwas Neues aufs Gleis gebracht haben. Wir wollen Ergebnis unabhängig einfach ein gutes Spiel machen. Wir wollen dort ankommen, das wird sicherlich einige Wochen dauern, bis die Fans ihre neue Heimat gefunden haben. Da liegt Einiges mit im Gepäck, aber auch mit totaler Vorfreude."

Im Dreisamstadion hatte sich über die vielen Jahre eine Heimeligkeit breitgemacht. Auch Christian Streich sagt, er wird das alte Stadion vermissen, seine "Höhle", wie er sich ausgedrückt hat. Wie geht es Ihnen, haben Sie auch ein Stück Wehmut?

"Also beides. Bei mir überwiegt ganz klar die Vorfreude, wie auch bei Christian und bei der Mannschaft. Aber es wird auch ein Stück brauchen, bis das neue Stadion zur neuen Heimat wird. Da ist jeder einzelne in der Verantwortung, jeder Zuschauer, jeder der dort arbeitet, dass es wieder zu unserem wird mit dem besonderen Flair. Ich glaube, dass es die Rahmenbedingungen hergeben. Das wird ein bisschen dauern, aber das ist auch ganz normal."

Wie gefällt Ihnen denn die neue Arena, und wie wichtig ist sie für die Zukunftsfähigkeit des SC Freiburg?

"Ich finde sie total gelungen. Auch der Standort ist so städtisch wie er sein kann bei einem Neubau. Er ist nicht auf der "grünen Wiese". Ich finde es architektonisch auch vom Innenleben extrem gelungen. Also die Voraussetzungen sind sehr gut, dass es zu etwas Besonderem, zu etwas Eigenem werden kann. Klar, strukturell ist es so, dass es nicht alles verändern wird. Ein schönes Stadion, eine schöne Kabine schießt keine Tore. Aber es ist eben die Grundvoraussetzung, dass man nicht weiter den Anschluss verliert. Dass man auch andere Einnahmemöglichkeiten hat, damit wir Schritt halten. Immer weiter mit Augenmaß den Freiburger Weg. Es wird immer nur über gute inhaltliche Arbeit gehen, aber die Voraussetzungen sind schon da, dass wir schrittweise und gesund wachsen können und damit auch konkurrenzfähig bleiben."

Jetzt kommt an diesem Samstag mit RB Leipzig gleich ein Top-Team als erster Gast in die neue Arena. Wie kann es denn gelingen, dass der SC Freiburg dieses Unbequeme für den Gegner aus dem Dreisamstadion auch in die neue Arena mitnimmt?

"Einfach über die Art und Weise des Auftretens auf dem Platz. Dass wir alles auf den Platz bringen, was uns auszeichnet. Und dann wird es auch darum gehen, dass auch die Zuschauer so emotional dabei sind wie im Dreisamstadion. Und dieser Mix kann dann den Erfolg bringen. Der Startschuss gegen Leipzig ist natürlich ein richtiges Brett, das ist uns auch klar. Aber wir wollen da voll da sein, voll Paroli bieten und ein gutes Spiel machen. Und welches Ergebnis dann unterm Strich steht, das werden wir sehen."

Das Interview führte Kersten Eichhorn, SWR Sport. Es handelt sich um eine gekürzte und leicht redigierte Fassung.

SWR | Stand: 16.10.2021, 10:25

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