Schwimmbäder im Südwesten bleiben zu - "Die Gefahr steigt, dass Kinder ertrinken"

Hallenbäder bleiben in Corona-Zeiten konsequent gesperrt

Breitensport | Schwimmen

Schwimmbäder im Südwesten bleiben zu - "Die Gefahr steigt, dass Kinder ertrinken"

Nach ersten Lockerungen für den Breitensport, bleibt der Schwimmunterricht im Südwesten weiter außen vor. Neben einer Welle von Nichtschwimmern, drohen weitaus drastischere Folgen.

Nach ersten Lockerungen für den Breitensport, bleibt der Schwimmunterricht im Südwesten weiter außen vor. Es droht eine Welle von Nichtschwimmern - mit drastischen Folgen. Das Thema ´Schwimmunterricht´ findet in der Politik kaum statt - zum Ärger der Verbände und Vereine.

Nina Fiedler, Präsidentin der SG EWR Rheinhessen-Mainz, sieht besorgt aus, wenn sie auf die aktuelle Situation im Schwimmsport angesprochen wird. Es könnten in Zukunft mehr Kinder ertrinken, wenn die Schwimmbäder weiter geschlossen bleiben. Diese Befürchtung äußert Fiedler im Gespräch mit SWR Sport. Trotz erster Lockerungen im Breitensport, gebe es keine konkreten Konzepte für den Schwimmsport. Während in Frankfurt die Vereinsschwimmer wieder ins Wasser dürfen, bleibt dies in ganz Rheinland-Pfalz nur wenigen Kadersportlern vorbehalten. Viele besorgte Eltern hätten sich schon an Fiedler gewendet, ob es nicht irgendeine Möglichkeit gäbe, ihren Kindern das Schwimmen beizubringen.

"Je später ein Kind das Schwimmen lernt, umso schwieriger wird es, dass es auch ein sicherer Schwimmer wird."

Quelle: Nina Fiedler - SG EWR Rheinhessen

Politik in der Verantwortung

Fiedler fordert von der Politik, die Bäder mit einem Hygienekonzept wieder zu öffnen, um zumindest der drohenden Welle an Nichtschwimmern etwas entgegenzusetzen. "Schwimmen ist keine Kontaktsportart. Mit Schnelltests, abgegrenzten Bahnen und in Kleingruppen kann man den Schwimmunterricht ermöglichen." Die Politik müsse mehr Verantwortung übernehmen. Die Problematik sei bereits vor Corona dramatisch gewesen und spitze sich weiter zu.

Südwestdeutscher Schwimmverband zeigt Verständnis

Anselm Oehlschlägel, Präsident des Südwestdeutschen Schwimmverband (SWSV), zeigt Verständnis für die Maßnahmen der Politik. Oberste Priorität habe der Infektionsschutz. Zwar sei das Schwimmtraining an sich nicht gefährlich, da laut einer aktuellen Studie das Chlorwasser die Infektionsgefahr mit Corona-Viren verringere. Kritische Infektionstreiber stellen aber die Anreise, die Umkleiden und der Weg zum Becken dar. Dass die Situation die Zahl an Nichtschwimmern erhöht und für eine ganze Generation fatale Folgen haben könnte, sieht auch Oehlschlägel.

"Ich würde mir deutschlandweit einheitliche Regelungen wünschen. Dass es in anderen Bundesländern möglich ist, schwimmen zu gehen, ist der Preis unserer föderalen Struktur."

Quelle: Anselm Oehlschlägel - Präsident SWSV

Eltern fordern Anpassung der Kader

In einem offenen Brief von Mainzer Schwimmeltern und Vereinen an die Schwimmverbände wurde gefordert, die Kaderrichtlinien zu lockern. Denn nur 24 LeistungssportlerInnen haben in Rheinland-Pfalz momentan Zugang zum Wasser. Aus Sicht der Eltern und vieler Vereine zu wenig. Für Öhlschlägel allerdings keine praktikable Lösung, da die Politik bei einer solchen Anpassung nicht mitspiele. Man riskiere damit eine komplette Schließung für alle Spitzensportler. Der einzige Ansatzpunkt für ihn sei eine frühzeitige Öffnung beheizbarer Freibäder.

Verbände in Baden-Württemberg fordern Umdenken

In den ersten Öffnungsschritten am 8. März fanden Schwimmbäder bis auf wenige Ausnahmen für Schul- Reha- und Leistungssport auch in Baden-Württemberg keine Beachtung. Da vor allem die Kinder darunter leiden, haben die Schwimm-, und DLRG-Landesverbände in Baden-Württemberg gezwungen, einen offenen Brief an die Landesregierung zu schreiben. Darin wurde eine differenzierte Betrachtung der verschiedenen Nutzergruppen, insbesondere für Anfängerschwimmkurse, gefordert. Auch Holger Voigt (Geschäftsführer des Badischen Schwimm-Verband, BSV) fordert konkrete Maßnahmen.

„Anfängerschwimmen - ein Übungsleiter und fünf Kinder. Das ist weit weg von den Einkaufszentren, die in den letzten Wochen geöffnet waren“ 

Quelle: Holger Voigt - Geschäftsführer BSV

Weil die Infektionszahlen heftig steigen, befürchtet Voigt dass die Hallenbäder bis zur Freibadsaison, die Anfang Mai beginnt, nicht öffnen werden. Für den Nachwuchs ein massives Problem. Laut Voigt werden die weitreichenden Folgen weder von der Politik noch der Gesellschaft wahrgenommen. Es brauche eine Zusammenarbeit auf allen Ebenen, um diese Auswirkungen abzufedern.

Ministerien verweisen auf Infektionsschutz

Das Innenministerium für Kultus und Sport in Rheinland-Pfalz verweist auf den Stufenplan von Bund und Ländern. Dort unterscheide man je nach Inzidenzzahl zwischen "Sport im Freien" und "Sport in gedeckten Anlagen". Eine gesonderte Betrachtung des Schwimmsports findet nicht statt. Darüber hinaus habe man keine belastbaren Zahlen zu einer drohenden Nichtschwimmer-Welle nach dem Lockdown. Allerdings sei mit dem Landessportbund eine Fördermaßnahme für Schwimmsportvereine geplant, um neue Mitglieder zu gewinnen und "die allgemeine Schwimmfähigkeit in der Bevölkerung zu verbessern".

Der SWR fragte beim Kultusministerium Baden-Württemberg nach, wie sie den Rückstau an Nicht-Schwimmerinnen und Nichtschwimmern auffangen wollen. Das ist die Antwort: "Es gibt bereits Überlegungen, Schwimmkurse verstärkt in den Ferien anzubieten. Es ist auch eine Überlegung, die Hallenbäder im Sommer parallel zu den Freibädern offen zu halten, um den Bedarf an Schwimmkursen in 2021 decken zu können".

Ob es genügend Schwimmlehrer gibt, ist nicht geklärt. Wer die Kosten dafür trägt, ist nicht geklärt. Ob diese Überlegungen wirklich umgesetzt werden bleibt abzuwarten. Fakt ist: Der Rückstau an Nicht-Schwimmern wird bis dahin weiter zunehmen.  

SWR | Stand: 23.03.2021, 17:12

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