Der Mainzer Speerwerfer Julian Weber steht in seinem blauen Trikot auf der Tartan-Bahn. Über dem Kopf hält er den Speer in seiner rechten Hand.

Leichtathletik | Speerwerfen Schluss mit ruhig - Mainzer Speerwerfer Julian Weber mit großen Zielen

Stand: 07.06.2022 12:52 Uhr

Speerwerfer Julian Weber stand jahrelang im Schatten der Topstars Johannes Vetter und Thomas Röhler. Doch im EM/WM-Superjahr ist der Mainzer auf dem Weg zur deutschen Nummer eins.

Eigentlich ist Julian Weber ein ruhiger Typ. Mitunter so ruhig, dass die Weltklasse-Leistungen des derzeit besten deutschen Speerwerfers im Trubel um die viel präsenteren Rivalen Johannes Vetter und Thomas Röhler regelmäßig untergingen. Doch im Wahnsinns-Leichtathletik-Sommer 2022 mit Heim-EM und WM soll nun Schluss mit ruhig sein. "Die Rolle des Underdogs war okay - schließlich habe ich noch keinen Titel geholt wie die anderen", sagte der Olympia-Vierte bei leichtathletik.de: "Aber dieses Jahr ist es an der Zeit, dass ich mich in der deutschen Spitze durchsetze und zeige, dass ich zur Weltspitze gehöre."

Der 27 Jahre alte Sportsoldat meldet Ansprüche an - höchst berechtigte: Am Montag steigerte er in Hengelo seinen Hausrekord um gleich 1,25 Meter auf 89,54 Meter. Fünf deutsche Speerwerfer - die noch aktiven Vetter, Röhler und Andreas Hofmann sowie Raymond Hecht und Boris Obergföll - haben bislang die 90-Meter-Marke überboten. Weber dürfte sehr bald der sechste werden. "Ich hatte immer wieder Probleme mit Verletzungen, mit denen ich mittlerweile aber ziemlich gut zurechtkomme. Das hat viel Arbeit erfordert", sagte Weber am Montagmittag: "Jetzt bin ich stabil und agil wie noch nie zuvor. Ich bin auf dem besten Weg, wieder Bestweite und darüber hinaus zu werfen."

Stolz auf Platz vier bei Olympia in Tokio

Er hielt in Hengelo Wort - Verlässlichkeit ist seine Stärke. Beispiel Olympia: Während der deutsche Rekordhalter Vetter (97,76 Meter) leidenschaftlich mit dem Tokioter Bodenbelag haderte, konzentrierte sich Weber auf das Kerngeschäft und verpasste nur knapp eine Medaille. "Im Nachhinein bin ich mega happy mit meinem vierten Platz", sagt er. Sicher: Ex-Weltmeister Vetter, das feinfühlige Kraftpaket, und Rio-Olympiasieger Röhler, der perfektionistische Edeltechniker, spielen vom reinen Potenzial her in einer höheren Liga. Doch im Vorfeld der WM in Eugene/Oregon (15. bis 24. Juli) und der Münchner EM (15. bis 21. August) konnten beide ihre Bestleistung auch als Folge körperlicher Probleme nicht abrufen.

Die deutsche Jahresbestenliste führt Weber deutlich vor Hofmann (87,32 Meter) an, weltweit ist er Nummer drei hinter Weltmeister Anderson Peters (Grenada/93,07 Meter) und Jakub Vadlejch (Tschechien/90,88 Meter) - das riecht stark nach einer doppelten Medaillen-Chance. In Tokio, sagt Weber, "sollte es einfach noch nicht sein". Jetzt aber könnte seine große Zeit gekommen sein: "Vor allem auf die Heim-EM freue ich mich riesig. Das wird der schönste Wettkampf überhaupt."