Ralf Rangnick als neuer Nationaltrainer Österreichs.

Fußball | Österreich Ralf Rangnick: Aus der Fußball-Provinz zum Nationaltrainer Österreichs

Stand: 03.06.2022 13:54 Uhr

Ralf Rangnick gibt am Freitag sein Debüt als Teamchef in Österreich. Die Erwartungen an den gebürtigen Backnanger sind groß. Österreich will mit Hilfe von Rangnick zur Fußball-EM 2024.

Ralf Rangnick begann seine Trainer-Karriere bei seinem Heimatverein Victoria Backnang. Von 1983 bis 1985 stieg Backnang mit der Hilfe Rangnicks aus der Bezirksliga bis in die Verbandsliga auf. Das war der Startschuss einer Trainerlaufbahn, die ihn aus der Fußball-Provinz zu Stationen in der zweiten und ersten Fußball-Bundesliga führte. Rangnick saß beim SSV Ulm, dem VfB Stuttgart, in Hannover, bei Schalke 04, bei der TSG Hoffenheim, in Leipzig und zuletzt sogar in der Premiere League, bei Manchester United, auf der Trainerbank. Und jetzt coacht der inzwischen 63-Jährige das Nationalteam von Österreich.

Rangnick startet mit großen Ambitionen

Keine Frage: Auf Rangnick wartet eine schwere Aufgabe - schließlich sind die Erwartungen an ihn riesig. Daran ist Rangnick - vor seinem Austria-Debüt - aber teilweise auch selbst schuld. "Es ist schon lange her, dass Österreich mit Heldentaten auf sich aufmerksam gemacht hat", sagte der Backnanger und verwies auf die FIFA-Weltrangliste, in der sein Team aktuell nur Platz 34 belegt: "Es sind Länder wie Dänemark, Schweiz, Wales, Schweden und Iran vor uns. Ich weiß nicht, ob das unbedingt so sein muss." Große Worte, denen Rangnick nach seiner Zeit bei Manchester United nun Taten folgen lassen muss.

Österreichs Spieler begrüßen die Verpflichtung Rangnicks

Während Alt-Internationale wie der ehemalige Bundesliga-Trainer Peter Pacult monierten, dass Österreichs Nationalcoach zum dritten Mal in Folge aus dem Ausland kommt, reagierten die Spieler durchweg positiv. "Jetzt freuen sich die Österreicher auf den neuen Teamchef - und es ist gar nicht so leicht, uns Österreicher zu überzeugen", sagte Christoph Baumgartner von Rangnicks Ex-Klub TSG Hoffenheim und sparte nicht mit Lob: "Meiner Meinung nach ist er der Beste, den Österreich kriegen konnte." Ganz ähnlich sieht das Mittelfeldspieler Konrad Laimer von RB Leipzig. Rangnick sei "ein sehr ehrgeiziger Mensch, der den maximalen Erfolg haben will. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir eine sehr erfolgreiche Zeit haben werden."

Rangnick steht durch seine Vergangenheit in Leipzig für jenen "Red-Bull-Fußball", der in Österreich quasi erfunden wurde. Ralf Rangnick kann aber auch auf die Unterstützung von David Alaba und Sasa Kalajdzic bauen. Alaba reist als Champions-League-Sieger mit Real Madrid, mit einer gehörigen Portion Selbstbewußtsein zum Team-Austria. Und Kalajdzic will - nach dem Klassenerhalt mit dem VfB Stuttgart - auf der internationalen Bühne glänzen. Der wechselwillige Stürmer möchte Werbung in eigener Sache betreiben. Und auch Rangnick baut auf den 24-jährigen Stürmer: "Warum soll ein Sasa Kalajdzic, der über außergewöhnliche Fähigkeiten im Strafraum verfügt, nicht im Kollektiv Gegner unter Druck setzen können?", beantwortet der 63-jährige die Frage, ob der VfB-Stürmer in seine Spielidee passe.

Rangnicks Ziel: Die EM 2024

Ralf Rangnick will mit der österreichischen Nationalmannschaft zur EM 2024. Diesem Ziel ordnet der Backnanger alles andere unter. Auch weil die Erwartungen unter den Fußball-Fans in Österreicher groß sind. Deswegen hat Rangnick auch auf seine Doppelfunktion bei Manchester United freiwillig verzichtet. Eigentlich wollte er noch bis 2024 als Berater für Manchester arbeiten, die volle Konzentration soll jetzt aber seiner ersten Station als Nationaltrainer gelten.

Zum Auftakt warten Kroatien, Dänemark und Frankreich

Zum Auftakt als Austria-Coach warten in der Nations League neben Kroatien, Dänemark und Frankreich zwei weitere Fußball-Schwergewichte. In seinem ersten Spiel will Rangnick trotzdem auf Nachzügler Alaba verzichten. Gegen Kroatien soll der Defensivspieler von Real Madrid - nach den Champions-League-Strapazen noch geschont werden. "Er wird dann gegen Dänemark von Anfang an spielen", sagte Rangnick. Weil Österreich unter Vorgänger Franco Foda die Winter-WM in Katar verpasste, denkt Rangnick aber längst langfristig. Wunderdinge seien zu Beginn aber trotzdem nicht zu erwarten. Voller Tatendrang steckt er dennoch. "Die Vorfreude ist groß. Das Ziel ist klar, wir wollen ein gutes Auftakt-Spiel machen und natürlich gewinnen". Gleichzeitig betont der neue Austria-Trainer ungeduldig: "Es wird Zeit, dass es losgeht!"

Die Statistik spricht allerdings eine klare Sprache. Österreich hat bislang in fünf Spielen gegen Kroatien fünf Niederlagen kassiert und der Vizeweltmeister hat zuhause in Osijek die letzten 13 Länderspiele nicht verloren. Gut möglich also, dass die Euphorie um den neuen Austria-Trainer Ralf Rangnick gleich zum Auftakt einen Dämpfer erhält.