Niklas Würzner und sein Heidelberger Basketball-Traum

Niklas Würzner (MLP Academics Heidelberg)

Basketball | BBL

Niklas Würzner und sein Heidelberger Basketball-Traum

In der Basketball-Bundesliga sorgt der Aufsteiger MLP Academics Heidelberg als Tabellenführer weiter für Schlagzeilen. Dem Altmeister gelangen zum Start in drei Spielen drei Siege. SWR Sport sprach mit Aufbauspieler Niklas Würzner über die Gründe.

Niklas Würzner lebt gerade seinen persönlichen Basketball-Traum: "Ja, auf jeden Fall", bestätigt der 27-jährige Point Guard der Academics im Gespräch mit SWR Sport seine euphorische Gefühlswelt, "es macht einfach Spass, schon der Aufstieg mit Heidelberg war ein Traum". Und jetzt als Neuling der BBL auch noch die Tabellenführung nach drei Siegen aus drei Spielen: "Das sorgt für gute Laune."

Vater Eckart Würzner ist der Oberbürgermeister von Heidelberg

Dazu muss man wissen, dass Niklas Würzner eine ganz besondere Beziehung zu diesem Verein pflegt, inzwischen im 16. Jahr. Der 1,96-Meter-Schlaks ist sozusagen das Gesicht des Teams: Schon als Elfjähriger war er einst vom Vorstadtklub TSG Ziegelhausen zum damaligen USC Heidelberg gewechselt, durchlief alle Jugendmannschaften bis zur Profimannschaft. "Natürlich habe ich dadurch mehr Bezug zu Heidelberg als die anderen Spieler", sagt der Basketballer über seinen Werdegang. Dazu kommt: Niklas` Vater Eckart Würzner ist seit 15 Jahren der Oberbürgermeister der wunderschönen Universitätsstadt am Neckar.

Das prägt und verbindet. "Ich wollte unbedingt den Aufstieg mit meinem Heimatverein schaffen, deshalb bin ich Heidelberg trotz anderer Angebote immer treu geblieben", erzählt Niklas Würzner. Immer wenn es geht, sitzt die Familie auf der Tribüne. Jetzt ist Heidelberg zurück in der Basketball-Bundesliga, das ist natürlich auch für den Papa und OB Würzner und seine Stadt deutschlandweit beste Werbung.

Und nach dem gefeierten Aufstieg in der letzten Saison folgte jetzt dieser famose und beeindruckende Start: Auftaktsieg in Weißenfels, Heimerfolg gegen den letztjährigen Vorrundenmeister Ludwigsburg, Auswärtssieg am Wochenende beim Duell der Altmeister in Gießen. Ein blitzsauberer Saison-Auftakt, der Underdog ziert die Tabellenspitze, steht ganz oben statt - wie eher erwartet - ganz unten.

Ein kleines Basketball-Wunder? Eine Überraschung? Eine Momentaufnahme? "Es ist eine kleine Überraschung", sagt Niklas Würzner, "die Großen haben uns vermutlich noch nicht so auf dem Radar. Außerdem haben wir nichts zu verlieren, da spielt es sich einfacher".

Heidelberg lebt vor allem von der glänzenden Defensive

Aber der klasse Start hat auch sportliche Gründe: "Die letzten Jahre haben wir uns vor allem über die Verteidigung ausgezeichnet, diese Philosophie haben wir aus der 2. Liga mitgenommen." In der Tat: Heidelberg steht kompakt, lässt wenig zu. Bestes Beispiel: Die erste Hälfte von Gießen, als den Hessen gerade mal lächerliche 26 Punkte gelangen.

Teilweise mussten die Academics mit einer extrem kurzen Rotation klarkommen, gegen Ludwigsburg beispielsweise standen nur sieben Spieler auf dem Aufstellungsbogen. Trainer Branislav Ignjatovic, den alle nur "Frenki" nennen, zauberte die richtigen taktischen Kniffe aufs Parkett, führte das dezimierte Team vor allem über das perfekte Defensivsystem zum Erfolg.

Viele Spieler sind schon länger in Heidelberg

Ein wichtiger Faktor für Harmonie und Zusammenhalt ist auch, dass der Kern der Mannschaft mit Niklas Würzner, Phillipp Heyden, Albert Kuppe, Shy Ely und Jordan Geist schon länger zusammenspielt, gemeinsam aufgestiegen ist. Apropos Jordan Geist: Mit 28 Punkten war der kleine US-Amerikaner zuletzt beim 75:68 in Gießen Heidelbergs Matchwinner. 21,7 Punkte hat der 24-jährige Shooting Guard in den ersten drei Spielen im Schnitt gesammelt, ist damit aktuell drittbester Scorer der BBL.

Und auch der Trainer ist längst ein halber Heidelberger: Seit sieben Jahren bereits betreut der 55-jährige Ignjatovic, ein Serbe, die Academics, auch für ihn ist die Bundesliga als Trainer Neuland.

Nur der Klassenerhalt zählt

Von den Schlagzeilen und der aktuellen Tabellenführung aber lässt sich Niklas Würzner aber nicht blenden: "Das waren jetzt drei Siege gegen den Abstieg, wir reden von nichts anderem als dem Klassenerhalt, es werden auch andere Spiele und Durststrecken kommen."

Mit Tradition ist Basketball-Heidelberg übrigens üppig bestückt. Historisch gesehen gilt die Universitätsstadt als echte Hochburg. Neunmal war der Stammverein USC Heidelberg zwischen 1957 und 1977 Deutscher Basketball-Meister. Damals war das Team noch eine reine Studententruppe, Spieler wie Didi Keller oder Harry Rupp wurden zu Legenden.

In den 80er Jahren folgte der Absturz in die Zweitklassigkeit. Das Vollprofitum hatte auch im deutschen Basketball Einzug gehalten, Heidelberg war vor allem aus wirtschaftlichen Gründen lange Zeit nicht mehr konkurrenzfähig.

5.000 Plätze - endlich eine bundesligataugliche Halle

Seit 2012 heißt die Organisation nicht mehr USC, sondern MLP Academics Heidelberg. Ein wichtiger, mitentscheidender Meilenstein hin zum Comeback in der Basketball-Bundesliga war schließlich der Bau der neuen Heidelberger Sportarena vor den Toren der Stadt. Eröffnet im März dieses Jahres, absolut bundesliga- und fernsehtauglich, 5.000 Plätze. "Ohne die neue Halle könnten wir nicht Bundesliga spielen", weiß Niklas Würzner, dessen Vater kräftig bei der Verwirklichung der Sportstätte mitgeholfen hatte, "die Atmosphäre ist klasse, im ersten Spiel gegen Ludwigsburg hatte ich Gänsehaut-Momente".

Niklas Würzner sorgte für einen historischen Moment

Kleine, aber feine Episode am Rande: Ausgerechnet der Ur-Heidelberger Niklas Würzner erzielte die ersten zwei Punkte für Heidelberg nach 36-jähriger Abwesenheit in der Erstklassigkeit. Es war ein Korbleger zur 2:0-Führung im ersten Saisonspiel in Weißenfels. Eine geradezu historische Tat: "Vielleicht war das auch ein bisschen Schicksal", wird Würzner beinahe melancholisch, "schließlich habe ich mit dem Verein alles durchlebt, von Klein bis Groß".

SWR | Stand: 11.10.2021, 16:52

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