Alina Reh auf einem Antigravitations-Laufband

Höhenkammer-Wohnungen für Spitzenläufer Neues "Raumschiff" soll Spitzensportler in die Pfalz locken

Stand: 04.06.2022 13:34 Uhr

Antigravitationslaufbänder, Höhen- und Kältekammern - was sich anhört wie ein Stützpunkt der NASA, ist ein neues Trainingszentrum für Profiläufer – mitten in der Südpfalz.

Im beschaulichen Herxheim bei Landau in der Pfalz tummeln sich seit einigen Jahren die besten Läuferinnen und Läufer Deutschlands. Der Grund dafür: das Gesundheitszentrum von Geschäftsführer Johannes Eisinger. Denn er ist nicht nur Leiter einer Reha-Einrichtung, sondern auch Laufsport-Enthusiast. Deshalb baut er sein Therapie-Zentrum auch für Top-Läufer immer weiter aus.

Wohnen und trainieren auf bis zu 5.000 Metern Höhe

Neben Massage-Geräten, Regenerationstools und Anti-Schwerkraft-Laufbändern werden in seinem neuen Gesundheitspark ab Juli auch Höhenkammer-Wohnungen und eine Kältekammer eröffnet. Dort können Ausdauer-Athleten in acht Doppelzimmern und auf einer eigenen Trainingsfläche in einem simulierten Höhentrainingslager trainieren – und das mitten in der Pfalz. Für die Spitzensportler hat Geschäftsführer Johannes Eisinger einen hohen sechsstelligen Betrag investiert.

Erweiterung Rehazentrum Herxheim

Höhenwohnungen in Deutschland einmalig

Per Luftrucksystem lässt sich der gesamte Wohn- und Trainingsbereich auf das gewünschte Höhenlevel einstellen - bis maximal 5.000 Meter. Jedes einzelne Zimmer kann auf ein individuelles Höhenniveau eingestellt werden. So kann man beispielsweise im Traingingsraum auf 2.000 Metern laufen und sich dann in seinem Zimmer auf 3.000 Höhenmetern Schlafen legen. Der ganze Bereich ist luftdicht versiegelt. Über ein Röhrensystem wird frische Höhenluft mit reduziertem Sauerstoffgehalt in die Räume gepumpt und die Atemluft nach draußen befördert. (Im Video führt Johannes Eisinger durch das Gebäude und erklärt die Technik.)

Für Ausdauersportler ist das Höhentraining besonders wichtig, um mehr rote Blutkörperchen anzureichern. Nicht umsonst pilgern die Langstreckenläufer aus der ganzen Welt in Höhentrainingslager nach Kenia, in die USA oder die Schweiz. Die Höhenwohnungen mit angebundenen Trainingsmöglichkeiten sind in Deutschland einmalig.

Minus 115 Grad Celcius für die optimale Regeneration

An den Wohn- und Trainingsbereich der Spitzenathleten schließt sich auch eine Kältekammer an. Bei Minus 115 Grad Celcius soll dort die Regeneration nach intensiven Trainingseinheiten beschleunigt werden. Kritiker bemängeln jedoch, dass es für die Wirkung dieser Kryotherapie noch keine wissenschaftliche Belege gebe.

Laut Geschäftsführer Johannes Eisinger ist die Kältekammer nicht nur für Leistungssportler, sondern auch für Rheuma-Patienten ein geeignetes Therapie-Mittel. Länger als zwei bis vier Minuten sollte man sich darin allerdings nicht aufhalten.

Johannes Eisinger zeigt den Neubau

"Ich möchte ein Zeichen setzen für die Leichtathletik. Es war schon immer mein Traum, zu helfen. Die Einrichtung für die Leistungssportler ist für mich das i-Tüpfelchen."

Quelle: Johannes Eisinger - Geschäftsführer Rehazentrum Herxheim

Wichtiger Baustein für den Deutschen-Leichtathletik-Verband

Eine solche Einrichtung mit kurzen Wegen zu Therapeuten, Trainingsstätten und Reha-Maßnahmen ist selten – auch für den Deutschen-Leichtathletik-Verband (DLV). Professor Rainer Knöller, Head of Science beim DLV, sieht in den Höhenwohnungen einen wertvollen Baustein für die Spitzensportler.

Denn in Covid-Zeiten ist es nicht immer möglich, in Höhentrainingslager zu reisen. Ein Höhenhaus in Deutschland ermögliche den Athleten, spontan und unkompliziert ein Trainingslager umzusetzen. Und das an einem Ort, an dem alles zusammenkommt: Training, Regeneration und Höhenluft. Das spart Zeit und vermeidet Jetlag und Reise-Stress. Den Geldbeutel schont es ebenfalls, denn ein Höhentrainingslager in Herxheim ist tendenziell günstiger als die weite Reise ins Ausland.

Prof. Rainer Knöller über den Standort Herxheim

Seit 2015 nutzt der DLV den Standort Herxheim für Leistungsstests, Lehrgänge, Seminare und Trainingslager. Auch bei Verletzungen haben sich viele Olympia-Teilnehmer im Rehazentrum von Johannes Eisinger wieder auskuriert. Der Verband freut sich über die neuen Optionen in Herxheim.

Europameisterin Alina Reh gespannt auf Höhenwohnungen

Spitzenläuferin Alina Reh ist Junioren-Europameisterin über 10.000 Meter. Bisher war sie nur in Herxheim, wenn sie eine Verletzung hatte. Jetzt möchte sie den Standort auch für Trainingslager nutzen. Das Anti-Schwerkraft-Laufband ermöglicht ihr, mit weniger Körpergewicht zu trainieren. So lassen sich Geschwindigkeiten laufen, die normalerweise unerreichbar sind.

Alina Reh über Herxheim

"Man hat hier einfach alles: Physiotherapie, das Antigravitationslaufband und schöne Laufstrecken."

Quelle: Alina Reh - Junioren-Europameisterin 10.000 Meter

In einer Kältekammer war Alina Reh bisher noch nicht, auch eine Höhenwohnung ist für sie neu. Im Hinblick auf die Olympischen Spiele in Paris freut sie sich aber auf die neue Trainingslager-Option: "Ich wohne nur zwei Stunden entfernt und bin nicht gerne in langen Trainingslagern weit weg. Deswegen werde ich das auf jeden Fall in Anspruch nehmen."

Olympiavorbereitung in der Südpfalz

Schritt für Schritt soll sich der Gesundheitspark zu einem Stützpunkt für Spitzenläufer entwickeln. Mit höhentauglichen Wohnungen kann man sich dann die weiten Trainingslager-Reisen ersparen. Und womöglich trainieren die Olympiastarter von Paris dann schon bald in Herxheim in der Südpfalz.