Nach Vuelta-Etappensieg: Ackermann will Boras Sprintkapitän werden

Pascal Ackermann.

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Nach Vuelta-Etappensieg: Ackermann will Boras Sprintkapitän werden

Deutschlands Topsprinter Pascal Ackermann hat mit seinem ersten Vuelta-Etappensieg weiter an der Hierarchie im Bora-Team gerüttelt. Die Ansprüche des Pfälzers wachsen.

Den nächsten Schritt aus dem Schatten des großen Peter Sagan machte Pascal Ackermann auf dem Weg zum Teambus. "Es ist nicht gerade die Art und Weise, wie ich gewinnen wollte", sagte der frischgebackene Vuelta-Etappensieger, nachdem er erst mit einer halben Stunde Verspätung schon halb im Feierabend von seinem Triumph erfahren hatte. Dass sein Coup bei der Spanien-Rundfahrt am Donnerstag in Aguilar de Campoo erst durch die Disqualifikation seines im Zielspurt rempelnden Rivalen Sam Bennett zustandekam - geschenkt.

Im Kampf um die Sprinter-Vorherrschaft in seinem Bora-hansgrohe-Team gegen Sagan hilft der erste Vuelta-Sieg Ackermann enorm weiter. "Ich freue mich sehr. Mein Team hat einen unglaublichen Job gemacht, und ich bin glücklich, etwas zurückgeben zu können", meinte der ursprünglich zweitplatzierte Ackermann. Sein einstiger Bora-Kollege Bennett tat ihm zwar "leid. Aber wenn es keinen Platz zum Sprinten gibt, geht es eben nicht." In dem brutal vollgestopften Rennprogramm der kurzen Corona-Saison fahren die Sprinter noch kompromissloser als gewohnt. Auch Ackermann, ein harter, aber keineswegs unfairer Spurter, wurde zuletzt beim Scheldeprijs zwangsrückversetzt.

Ackermann will endlich Boras Sprintkapitän werden

Für ihn wie für alle anderen gilt es, sich binnen kurzer Zeit schon für die kommende Saison in Stellung zu bringen. Bei Ackermann, nun auch bei seiner zweiten großen Rundfahrt (nach zwei Siegen beim Giro-Debüt 2019) Etappengewinner, heißt das konkret: Er will endlich Boras Sprintkapitän werden. Doch diese Rolle gehört bislang dem dreimaligen Weltmeister Sagan. Und weil der Slowake bei der Equipe aus dem bayrischen Raubling noch Narren- und Entscheidungsfreiheit hat, war Ackermann auch 2020 der Weg zum Traumziel Tour de France versperrt. Das soll sich bald ändern. "Es gibt immer Träume, die sich nicht sofort erfüllen lassen, aber in naher Zukunft realisierbar sind", sagte Ackermann dem Magazin Tour: "Für die Tour 2021 habe ich das Wort von Ralph Denk."

Seit 2019: Ackermann bereits 20 Siege - Sagan nur vier Siege

Für den Bora-Teamchef Denk keine einfache Entscheidung. Sagan ist einer der bekanntesten Radprofis, aber mit (unbestätigten) fünf Millionen Euro Jahresgehalt auch der bestbezahlte der Welt. Dies zahlte Sagan zuletzt kaum zurück, seit Anfang 2019 kam er auf nur vier Siege - für Ackermann war es am Donnerstag bereits der 20. in dieser Zeit. Was für Sagan spricht: Während Ackermann wie bei der Vuelta auf seinen starken Sprintzug baut, ist Sagan passionierter Einzelkämpfer. In Boras Tour-Aufgebot, das 2021 einen neuen Anlauf mit Emanuel Buchmann auf das Gesamtpodest nimmt, wäre nur schwerlich Platz für Ackermanns komplette Entourage.

Zudem hat Sagan (30), der zuletzt beim Giro eine über einjährige Durststrecke ohne Sieg beendete, noch große Ziele. "Ich bin immer noch da und definitiv noch nicht fertig", sagte er der Gazzetta dello Sport. Doch vielleicht ist diese Kampfansage genau das Richtige, um Ackermann (26) Beine zu machen. Einen Hang zur Faulheit habe er zwar nicht, sagte er kurz vor Vuelta-Start der "Wieler Revue": "Aber mit zu wenig Druck verliere ich den Fokus. Ich brauche große Ziele."

SWR | Stand: 30.10.2020, 12:54

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