Bo Svensson grübelt über die Mainzer Formkrise

Fußball | Bundesliga Nach Topstart steckt Mainz 05 im Zwischentief

Stand: 27.09.2022 10:57 Uhr

In Mainz könnte man eigentlich hochzufrieden sein mit den ersten Spielen und deren Ergebnissen. Eigentlich! Denn die Entwicklung des Teams ist nicht zufriedenstellend.

Wie lief der Start?

Auswärtschwach - das war Mainz 05 in der letzten Saison. Hätten die 05er in der abgelaufenen Spielzeit auswärts den ein oder anderen Punkt mehr geholt, dann würde die Mannschaft von Bo Svensson wohl aktuell international spielen. Ihre Punkte hatten die Mainzer da eher zuhause gesammelt. In der laufenden Saison ist es genau umgekehrt. Neun ihrer aktuel elf Punkte haben sich die Mainzer auswärts geholt. Die Heimspiele hingegen laufen eher durchwachsen, mit nur zwei Unentschieden. "Wir können im Großen und Ganzen zufrieden sein", bilanzierte Sportdirekor Martin Schmidt die ersten Wochen im SWR-Interview am Tag nach dem Spiel gegen Hertha BSC (1:1).

Wie schlagen sich die Neuen?

Insgesamt 22 Kaderbewegungen gab es in diesem Sommer beim FSV. Die Neuzugänge sind allesamt fix integriert worden. Abwehrspieler Maxim Leitsch kam aus Bochum und hat sich sofort einen Stammplatz erkämpft. Allerdings gehörte Leitsch auch zu den eher formschwächeren und fehleranfälligen Spielern in den letzten Partien. Der Franzose Anthony Caci, von Sportdirektor Martin Schmidt immer wieder als besonders wertvolle Neuverpflichtung verkauft, hat nach Anfangsschwierigkeiten, bedingt durch Verletzungen, sein Potenzial angedeutet und im letzten Heimspiel gegen Hertha BSC in der Nachspielzeit das so wichtige Tor zum 1:1 erzielt.

YouTube-Video von SWR Sport: "Nach Last-Minute-Tor. Mainz spielt 1:1 gegen die Hertha - DEIN FSV #42 | SWR Sport"

Danny da Costa und Aymen Barkok kamen beide von Eintracht Frankfurt. Fanliebling da Costa war lange verletzt, konnte sich zuletzt aber wieder in den Kader spielen. Barkok ist bisher wenig in Erscheinung getreten, da ist noch Luft nach oben. Der Franzose Angelo Fulgini kam aus Frankreich nach Mainz, spielte bisher zwar regelmäßig, konnte aber noch nicht restlos überzeugen.

Was muss besser werden?

Der Trend ist das Mainzer Problem. Nach tollem Saisonstart und den teilweise unerwarteten Auswärtssiegen zeigte die Formkurve zuletzt abwärts. Das Team erspielte sich zuletzt zu wenige Torchancen, hat in sieben Spielen erst sieben Tore erzielt und schon zehn kassiert. Die von Trainer Bo Svensson immer wieder eingeforderte "Mainzer Mentalität", jedes Spiel ans Limit und darüber hinaus zu gehen, ließ die Mannschaft zu oft vermissen. Svensson warnte laut, machte nach der 2:5-Testspiel-Niederlage gegen den Karlsruher SC in der Länderspielpause seinem Ärger deutlich Luft: "Wie wir die Gegentore bekommen haben, war peinlich. Das hatte mit Bundesliga-Niveau nichts zu tun", war der Däne stocksauer. Und wer ihn kennt weiß, derartige Nachlässigkeiten gehen bei ihm nicht durch.

Wo ist Steigerungspotenzial?

Sportvorstand Christian Heidel sieht die Kritik von Trainer Bo Svensson am Saisonstart zweigeteilt. "Er legt immer den Finger in die Wunde und mahnt frühzeitig, wenn es Dinge gibt, die ihm nicht gefallen. Und da gab es trotz elf Punkten einiges. Gleichzeitig müssen wir aufpassen, dass die Erwartungshaltung von außen nicht zu groß wird", mahnt der 05-Boss.

Heidel selbst sprach in einem Interview mit der Bild-Zeitung zuletzt von einem "guten Saisonstart, zumal unsere Gegner kein Fallobst waren". Hoffenheim, Leverkusen, Mönchengladbach und Hertha BSC seien zum Beispiel "alles Vereine, mit denen wir finanziell nicht mithalten können", betonte Heidel. "Und das größte Kompliment an uns selbst ist, dass wir trotz allem mit unserer Leistung oft nicht zufrieden waren."

Wo geht es hin für Mainz 05?

Der Blick in die Glaskugel ist schwer. Der Coach Bo Svensson muss die Abschlussschwäche in den Griff kriegen. Stürmer Jonathan Burkardt wird nach seiner Verletzung sehnlichst zurückerwartet. Karim Onisiwo hatte nach starkem Saisonstart mit drei Toren in den ersten beiden Spielen zuletzt einen kleinen Durchhänger. Bundesligatauglich ist der Kader auf jeden Fall, auch wenn Svensson das im Groll zuletzt in Frage gestellt hatte. Freiburg, Leipzig, Bremen, Köln und die Bayern - das sind die Gegner der Rheinhessen im Oktober. Im kommenden Monat wird sich entscheiden, wo die sportliche Reise hingeht. Das Zeug, für Überraschungen zu sorgen, haben die 05er. Das haben sie schon oft genug bewiesen.