Nach dem Coup gegen die Bayern: Sebastian Hoeneß und Hoffenheim, das passt!

Sebastian Hoeneß (Trainer TSG Hoffenheim)

Fußball | Bundesliga

Nach dem Coup gegen die Bayern: Sebastian Hoeneß und Hoffenheim, das passt!

Mit dem fulminanten 4:1 gegen Meister Bayern München sorgte die TSG Hoffenheim für Schlagzeilen. Das Team des neuen Trainers Sebastian Hoeneß ist damit neuer Tabellenführer in der Bundesliga.

Diese wunderbar-emotionalen Geschichten schreibt nur der Fußball. Da kommt ein gebürtiger Münchner und bisheriger Trainer der zweiten Mannschaft des FC Bayern als Bundesliga-Neuling zur TSG Hoffenheim und fegt ausgerechnet diesen ewig ungeschlagenen FC Bayern mit 4:1 vom Platz! Und das schon am zweiten Spieltag. "Das ist ein unglaubliches Ergebnis", schüttelte Sebastian Hoeneß nach dem Coup von Sinsheim gegenüber SWR Sport fast schüchtern den Kopf, "damit konnte man nicht rechnen".

Sebastian Hoeneß tritt auf die Euphoriebremse

Dank der besseren Tordifferenz ist Hoffenheim sogar am bisherigen Tabellenführer FC Augsburg vorbeigezogen, grüßt als neuer Spitzenreiter der Bundesliga von ganz oben. Sebastian Hoeneß aber tritt kräftig auf die Euphorie-Bremse: "Mir wäre es lieber gewesen, wir sind Zweiter. Das Thema ist für uns irrelevant", so Hoeneß nach dem Bayern-Sieg, "für uns wird es wichtig sein, die Freude rauszulassen, das Gefühl mitzunehmen, dass wir richtig was drauf haben".

So bewertet Hoffenheim-Trainer Sebastian Hoeneß den Sieg gegen die Bayern 01:49 Min. Verfügbar bis 11.11.2020

Sebastian Hoeneß kommt gut an

Große Sprüche nach einer großen Leistung sind nicht das Ding des neuen Hoffenheimer Trainers. Wer schon einmal das Vergnügen hatte, Sebastian Hoeneß bei einem Interview-Termin persönlich kennenzulernen, der trifft auf einen freundlichen jungen Mann, der mit ruhiger Stimme erzählt und klar analysiert, damit seinem Gegenüber eine gute Gesprächsatmosphäre vermittelt und ihn in den Bann zieht. Und genau mit dieser sympathisch-empathischen Art scheint der 38-jährige Spross aus der berühmten Fußball-Familie Hoeneß auch im Verein und im Team der TSG bestens anzukommen.

Dafür sprechen auch die bisherigen erfolgreichen Auftritte auf dem Rasen. Der Pokalsieg in Chemnitz nach Elfmeterschießen und das 3:2 in Köln mit dem späten Siegtreffer mögen am Ende etwas glücklich ausgefallen sein, sprechen aber für die unbändige Moral einer gefestigten Hoffenheimer Mannschaft, die im "System-Hoeneß" bis zur letzten Sekunde dem Gegner zusetzt und auf Sieg spielt.

Hoffenheim wieder mit Sturm und Drang unterwegs

Auch gegen die zuvor seit 32 Spielen ungeschlagenen Bayern trumpften die Kraichgauer als Mannschaft groß auf: "Wir wussten, dass wir eklig sein können, dass wir weh tun können", so Sebastian Hoeneß über die griffig-giftige Spielweise seiner Elf, "das hat wunderbar geklappt". Damit zog Hoffenheim den Supercup-ermüdeten Münchnern über die 90 intensiven Minuten letztlich den Zahn.

Der Matchplan von Sebastian Hoeneß ging also auf. "Bei uns war wichtig, was uns der Coach mitgegeben hat", sagte Abwehrchef Kevin Vogt nach der Partie.

"Nach vorne spielen, mutig sein, hoch verteidigen", hatte Sebastian Hoeneß gegenüber SWR Sport vor der Saison sein offensives Spielsystem beschrieben. Und bislang eindrucksvoll eingelöst. Nach dem fußballerischen Entwicklungsstau unter Vorgänger Alfred Schreuder, wird im Kraichgau endlich wieder munter drauflos gestürmt.

Der sensationelle Lauf des Andrej Kramaric

Neben der mannschaftlichen Geschlossenheit darf sich Sebastian Hoeneß auch Spiel für Spiel auf die Gala-Auftritte seines "Genius" freuen: Und der heißt Andrej Kramaric. Der kroatische Vize-Weltmeister schoss saisonübergreifend in den letzten drei Bundesligaspielen sagenhafte neun Tore! Vier gegen Dortmund, drei gegen Köln, zwei gegen Bayern. Dazu kommen die beiden Treffer im DFB-Pokal. Selbst Bayern-Coach Hansi Flick sprach in Sachen Kramaric "von einem der besten Bundesligastürmer".

Kramaric selbst war nach dem Spiel voll des Lobes für Sebastian Hoeneß. "Unser Trainer hat uns genau richtig eingestellt, und wir waren total fokussiert auf das Spiel. Wir haben gezeigt, dass wir auch gegen die Besten der Welt mithalten können", äußerte der erneut überragende Doppel-Torschütze

Im Kraichgau weiß man schon lange: Ein fitter Kramaric ist Gold wert und nicht zu ersetzen. Mit der Spielfreude des 29-jährigen Top-Angreifers blühten gegen Bayern auch die anderen Offensivspieler der TSG sichtlich auf. Der Israeli Munas Dabbur bezwang Manuel Neuner mit einem wunderbaren Treffer, der pfeilschnelle Ihlas Bebou rüttelte die Bayern-Abwehr immer wieder durcheinander, bereitete das 3:1 vor und holte gegen Nationalkeeper Neuer den Elfer zum 4:1 heraus.

Ermin Bicakcic fällt lange aus

Da passt es überhaupt nicht ins Hoffenheimer Stimmungshoch, dass neben Kapitän Benjamin Hübner jetzt mit Ermin Bicakcic ein weiterer Abwehr-Stratege ausfällt. Der beinharte Bosnier verletzte sich im Bayern-Spiel kurz vor der Pause schwer am Knie und wird voraussichtlich für Wochen ausfallen. "Das ist ein Riesen- Wermutstropfen für uns", war Sebastian Hoeneß die Freude über den Bayern-Triumph ein Stück vergällt, "wir müssen davon ausgehen, dass es eine schlimmere Verletzung ist".

Jammerschade, weil die Hoffenheimer auch in der Defensive einen prima Job erledigten. "Wir haben hinten sehr stark die Box verteidigt", stellte Sebastian Hoeneß seinen Defensiv-Strategen ein gutes Zeugnis auf, "auch wenn man die Bayern nicht dauerhaft 90 Minuten vom eigenen Tor weghalten kann". Das war, in Kombination mit dem schnellen Umschaltspiel, "perfekt", so Hoeneß.

Am Samstag wollen die Hoffenheimer bei Eintracht Frankfurt ihre Tabellenführung verteidigen. Auch wenn der bescheidene Sebastian Hoeneß momentan viel lieber Zweiter wäre...

SWR | Stand: 28.09.2020, 11:04

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