Mainz-Sportvorstand Rouven Schröder setzt auf Charakter der Spieler statt auf Top-Potenzial

Mainz 05 Sportvorstand Rouven Schröder im SWR Interview

Fußball | Bundesliga

Mainz-Sportvorstand Rouven Schröder setzt auf Charakter der Spieler statt auf Top-Potenzial

Der FSV Mainz 05 startet am 4. August in die Vorbereitung auf die neue Saison. Ruhe herrscht aktuell noch auf dem Transfermarkt. Warum erklärt Sportvorstand Rouven Schröder im SWR-Interview.

Viel getan hat sich im Kader des FSV Mainz 05 seit dem Ende der ersten Saison in der Corona-Krise noch nicht. Die Mainzer haben die ausgelaufenen Verträge mit Daniel Brosinski (bis 2022) und Stefan Bell (bis 2021) verlängert und Rechtsverteidiger Ronaël Pierre-Gabriel an den französischen Erstligisten Stade Brest verliehen. Aus Belgien kommt Innenverteidiger Dimitri Lavalée, diesen Transfer hatten die 05er schon im Winter klargemacht. Inklusive der nach Ausleihen an den Bruchweg zurückkehrenden Spieler umfasst die Liste derer, mit denen Trainer Achim Beierlorzer sich vom 4. August an auf die nächste Saison vorbereitet, mehr als 30 Namen.

Kader wird noch verkleinert

Sportvorstand Rouven Schröder relativiert die Kadergröße mit dem Hinweis darauf, dass alleine fünf Torhüter zur Gruppe gehören. Gleichwohl ist klar, dass die 05er den Kader schon deshalb verkleinern müssen, um die coronabedingten Einnahmeausfälle auszugleichen. "Wenn wir Erlöse erzielen, müssen wir Geld in den Verein zurückführen", erklärt Schröder im SWR-Gespräch. Er sieht aber keinen Grund, hektisch zu werden, denn notfalls könne man dies auch noch im Wintertransferfenster regeln. Dafür dürfte mindestens ein Toptransfer erforderlich sein, um die Einnahmen aus dem Verkauf eines weiteren Leistungsträgers wieder in die Mannschaft investieren zu können.

Interview mit Rouven Schröder - Sportvorstand Mainz 05 06:01 Min. Verfügbar bis 12.09.2020

Moussa Niakathé ist ein Wechselkandidat

Top-Kandidat für einen Abschied aus Mainz ist Innenverteidiger Moussa Niakhaté. Anfragen für den Franzosen gibt es, so Schröder: "Moussa sicherlich der gefragtesten Spieler, das sind mehrere Vereine im Interesse Modus sozusagen. Beim Management sind einige Anfragen eingegangen, da ist noch nichts konkret geworden ist, es wird abgetastet." Mainz 05 wird also abwarten und Schröder geht davon aus, dass am 4. August zum Trainingsauftakt alle da sein werden, die einen Vertrag mit dem Verein haben. "Wir werden eine starke Mannschaft auf dem Feld haben und werden noch am ein oder anderen Rädchen drehen."

Schröder setzt auf Charakter der Spieler

In den vergangenen Jahren hat Mainz 05 vorwiegend junge, hochtalentierte Spieler verpflichtet und oftmals nach kurzer Zeit gewinnbringend weiter verkaufen können. Durch die neue Situation auf dem Transfermarkt und den geringeren Summen, die zur Verfügung stehen, muss der Verein umdenken. Statt, wie in den vergangenen Jahren, stets auf Perspektivspieler zu setzen, die nach ein, zwei oder drei Jahren mit einem ordentlichen Gewinn wieder verkauft werden sollen, könnten also erfahrenere Akteure in Frage kommen, die über einen längeren Zeitraum für Stabilität sorgen.

Charakter statt Potenzial ist das neue Credo. "Es ist natürlich schwieriger, sich auf dem Markt zu bewegen, weil die Gelder nicht so zur Verfügung sind wie die letzten Jahre. Man muss noch kreativer sein und möglicherweise umdenken". Und dann sagt Rouven Schröder im SWR-Interview einen wichtigen Satz: "Vielleicht nicht das Top Potenzial holen. Stattdessen ein bisschen mehr auf Charakter achten. Vielleicht ist das auch der Schlüssel." Definitiv ist dies eine bemerkenswerte Aussage des Mainzer Kaderplaners, denn genau dieser Vorwurf kam in der vergangenen Saison immer häufiger aus der Fanszene, dass Mainz 05 zu wenig Spieler im Team habe, die sich bedingungslos mit dem Verein identifizieren.

SWR | Stand: 29.07.2020, 15:58

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