Bo Svensson (Mainz 05) im Training

Teamcheck Mainz 05 Die Mainzer suchen die Konstanz in der Bundesliga

Stand: 12.01.2023 09:21 Uhr

Im spanischen Marbella hat sich der 1. FSV Mainz 05 auf den Ligastart vorbereitet. Es wurde vor allem daran gearbeitet, mehr Konstanz und Kontinuität ins eigene Spiel zu bekommen.

So lief es vor der Winterpause

Die Konstanz blieb in der Hinrunde 2022/23 die Mainzer Schwachstelle. Was sich in der vergangenen Saison in einer herausragenden Heimstärke (4. Platz in der Heimtabelle) und einer krassen Auswärtsschwäche (Rang 17) äußerte, hat sich in der aktuellen Hinserie um 180 Grad gedreht. Jetzt machen die Heimspiele den Mainzern Probleme. Nur Augsburg hat zu Hause weniger Punkte gesammelt. Auswärts sind dagegen nur drei Teams (München, Frankfurt und Freiburg) gefährlicher.

Außerdem schafften es die 05er selten, ihr Spiel über 90 Minuten durchzuziehen. Oft konnten die Mainzer ihre FSV-DNA aus aggressiver Arbeit gegen den Ball und einer stabilen Defensive, gepaart mit schnellem Umschaltspiel, nur über 45 Minuten auf den Platz bringen. "Wir haben gute Halbzeiten gezeigt, aber hatten auch immer wieder schlechte Phasen", so Kapitän Silvan Widmer. Sein Trainer Bo Svensson pflichtet ihm bei. "Die Kontinuität war nicht vorhanden. Auch nicht in der Trainingsarbeit, wenn wir ehrlich sind." Trotzdem steht Mainz 05 mit zwei Punkten weniger als im Vorjahr kaum schlechter da, als zum gleichen Zeitpunkt der Saison 2021/22.

Silvan Widmer über die Konstanz im Mainzer Spiel

Transfers: Sturm und Abwehr im Blick

Jonathan Burkardt fällt nach einer verletzungsgeplagten Hinrunde mitsamt Knie-OP Anfang Dezember weiter aus. Zu Saisonbeginn durfte er sogar auf eine WM-Teilnahme hoffen, konnte in seinen elf Hinrundeneinsätzen aber nicht an seine Leistung der Vorsaison anknüpfen. Elf Toren in der Saison 2021/2022 steht momentan ein einziger Treffer gegenüber.

"Er hatte in dieser Saison mit vielen Rückschlägen zu kämpfen", so Svensson, der Burkardt schon in der Mainzer Jugend trainierte. Gleich dreimal fiel der Angreifer wegen einer Verletzung oder wegen Krankheit in der Hinrunde aus. "Am meisten schmerzt mich das für Jonny selbst aber wir brauchen nicht drum herumreden, dass er ein wichtiger Spieler für uns ist." Deshalb hält Mainz nach einem Stürmer Ausschau. Zuletzt wurde der südkoreanische Nationalstürmer Gae-sung Cho gehandelt.

YouTube-Video von SWR Sport: "Mainz schwitzt und schuftet im Trainingslager in Marbella - DEIN FSV #52 | SWR Sport"

Eine zweite Planstelle, die die 05er beschäftigt, ist die Innenverteidigung. Maxim Leitsch kam im Sommer aus Bochum, machte in der Hinrunde allerdings nur sieben Spiele und einige unglückliche Fehler, bevor bei ihm ein körperlicher und mentaler Erschöpfungszustand diagnostiziert wurde. Niklas Tauer, eine weitere Alternative für die Abwehr und das defensive Mittelfeld, wurde für eineinhalb Jahre an Schalke 04 verliehen.

Anders als Burkardt war Leitsch im Trainingslager dabei und macht gute Fortschritte. "Mich freut es riesig, dass er wieder da ist", so Abwehrkollege Alexander Hack. "Alleine seine Art bringt neue Energie mit. Er ist eine Frohnatur." Auch Svensson ist froh über den internen Neuzugang. "Die Überzeugung in seine Qualitäten ist nach wie vor da und hoffentlich steht er uns eher früher als später wieder zur Verfügung." Sowohl bei ihm als auch bei Burkardt ist allerdings noch nicht klar, wann das der Fall sein wird. Personelle Verstärkung ist deshalb ausdrücklich erwünscht.

"Meine Wünsche sind klar", will sich Svensson in Bezug auf Transfers nicht zu viel entlocken lassen. Er stehe grundsätzlich immer mit Sportvorstand Christian Heidel und Sportdirektor Martin Schmidt in Kontakt. "Sie wissen, wie ich den Kader sehe, aber es muss auch Sinn machen. Es muss ein Spieler sein, der uns wirklich verstärkt und nicht nur ergänzt."

Bo Svensson über mögliche Transfers

Trainingslager hebt Svenssons Stimmung

Im Trainingslager zeigte sich Svensson von seiner ruhigeren Seite. "Bisher war die Qualität im Training sehr gut", war der Coach mit seinem Team zufrieden. Die beiden Hauptpunkte auf seiner Agenda waren in Marbella der Aufbau einer guten Teamchemie und die Arbeit an der Konstanz, mit der die Mainzer Tugenden über einen längeren Zeitraum gezeigt werden sollen.

Besonders die Arbeit gegen den Ball, die in den Vorjahren immer zu den Mainzer Stärken zählte, will der Coach wieder in den Vordergrund rücken. "Da haben wir nicht zu den besten Mannschaften gezählt. Wenn wir in den Bereichen, die uns ausmachen sollen, weiter so performen, dann werden wir Probleme bekommen", warnt der 43-Jährige. "Deswegen ist es wichtig, uns noch einmal bewusst zu machen, was unsere Identität ist."

Alexander Hack über seinen Traum vom DFB-Pokal

Ein Auge auf die Liga, eines auf den Pokal?

Klar definierte Saisonziele wollen sich die Mainzer nicht entlocken lassen. Alles richtet sich zunächst auf den intensiven Jahresauftakt mit fünf Spielen innerhalb von 15 Tagen. In der Liga stehen Partien gegen die Abstiegskandidaten Stuttgart und Bochum sowie die Europapokalanwärter Dortmund und Union Berlin an. "Wir wollen auf jeden Fall gut reinstarten, das ist wichtig für das Gefühl", blickt Torwart Robin Zentner voraus. "Da gilt es, den vollen Fokus darauf zu legen und alles andere erst einmal sein zu lassen."

Neben dem kernigen Start in die Liga gibt es aber noch ein weiteres Highlight: Das DFB-Pokal-Achtelfinale. "Für uns ist es ein großer Traum, einmal den Pokal mit Mainz 05 zu gewinnen. Den haben wir auch dieses Jahr", so Hack, dem die schwierige Aufgabe durchaus bewusst ist. Am 1. Februar ist der FC Bayern München zu Gast in Mainz. Das undankbarste Los schlechthin. "Die Bayern kommen nach Mainz aber das haben sie die letzten Male auch nicht so gern gemacht", gibt der Abwerhspieler seinem Team eine Chance aufs Weiterkommen.

Die Devise lautet Abwarten. Nach dem Auftaktprogramm "wird sich zeigen, in welche Richtung das Ganze geht", so Zentner. Mit etwas mehr Konstanz dürfte der Klassenerhalt dennoch nur das Minimalziel sein.