Lange Anzüge: Eli Seitz und ihre Botschaft gegen Sexismus

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Lange Anzüge: Eli Seitz und ihre Botschaft gegen Sexismus

Hoffen, dass der knappe Turnanzug nicht verrutscht - das war einmal. Bei der EM in Basel starten die deutschen Turnerinnen um Elisabeth Seitz erstmals mit langen Anzügen. Ein gezielter Schritt, mit dem Seitz nicht nur Frauen ansprechen will.

Elisabeth Seitz strahlt. Sie lacht, wirkt reflektiert, wenn sie vom ersten Schritt erzählt, den sie mit ihren Teamkolleginnen gemacht hat. Rückblick: Am Mittwoch setzte ihre Teamkollegin Sarah Voss ein Zeichen: Als erste Turnerin überhaupt trat die Deutsche bei der EM in Basel am Mittwoch in einem Ganzkörperanzug an – und nicht im eng anliegenden, beinfreien Anzug, in einer Sportart, bei der Beine gespreizt und gegrätscht werden.

"Wenn nur minimal was verrutscht, dann sieht jeder mehr, als er sehen sollte", sagt Elisabeth Seitz, einen Tag vor dem Mehrkampf-Finale bei den Europameisterschaften in Basel.

Seitz fühlte sich bei Wettkämpfen oft unwohl

Viele Jahre hat sich Eli Seitz unwohl gefühlt. Sie musste sich ausziehen. Im Training durfte sie immer mit einer Hose über dem knapp geschnittenen Anzug turnen. Im Wettkampf war das zwar nicht verboten, aber es hat sich niemand getraut. Dass die deutschen Turnerinnen nun eine kleine Revolution starten, liegt auch an Elisabeth Seitz. Viele junge Turnerinnen hätten ihr geschrieben, dass sie sich in den kurzen Anzügen unwohl fühlten. Ein kleines bisschen mehr Stoff wird die Turnwelt verändern können: "Da wird es sehr, sehr viele geben, die in einem Langbein-Anzug auch ihre Haltung verändern, weil sie eines wissen: Dass der Anzug nicht mehr verrutschen kann an Stellen, wo keiner hinschauen sollte."

Elisabeth Seitz und ihre Vereinskollegin Kim Bui werden sich Sarah Voss anschließen: Beim Mehrkampf-Finale am Freitag (13:30 Uhr live im SWR Stream) werden sie in einem unüblichen, langbeinigen Anzug turnen. “Es geht nicht darum, dass wir sagen, jetzt soll sich jede Turnerin bedecken und nicht mehr die Haut zeigen”, sagt Seitz im Gespräch mit SWR Sport und betont: “Uns geht es als Team darum zu zeigen: Ihr könnt euch anziehen wie ihr möchtet, aber die Sportart bleibt trotzdem gleich toll, aber dafür könnt ihr euch noch wohler fühlen als in einem kurzen Turnanzug."

Elisabeth Seitz geht es vor allem darum, ein "Zeichen zu setzen" und auch jungen Mädchen zu zeigen, dass es auch eine andere Möglichkeit gibt als die üblichen engen Anzüge: "Wer die Möglichkeit nutzen will, könnte es tun", sagt Seitz, die damit den ersten Schritt gehen will.

Nach eineinhalb Jahren ohne Wettkampf spürt Elisabeth Seitz "ein Gefühl der Erleichterung". Die Stuttgarter Turnerin darf wie Kim Bui endlich wieder zeigen, was sie drauf hat - und muss nicht darüber nachdenken, was passiert, wenn der enge Anzug verrutscht.

SWR | Stand: 23.04.2021, 11:46

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