Wird Michael Wimmer VfB-Cheftrainer?

Fußball | Bundesliga Labbadia, Wimmer, oder wer? Die Trainerkandidaten des VfB Stuttgart im Check

Stand: 30.11.2022 08:41 Uhr

Beim VfB Stuttgart werden vier Trainerkandidaten gehandelt. Neben Interimscoach Michael Wimmer stehen noch immer die Namen Alfred Schreuder und Jess Thorup und neuerdings Bruno Labbadia im Raum. SWR Sport hat das Quartett unter die Lupe genommen.

Michael Wimmer

Vorteil: Da weiß man, was man hat. Michael Wimmer ist jung und frisch. Der bisherige Interimstrainer des VfB hat das Team nach der Amtsübernahme von seinem früheren Chef Pellegrino Matarazzo vor allem daheim stabilisiert und neue Begeisterung entfacht. Mit vier Siegen aus vier Pflichtspielen ist die Heimbilanz des 42-Jährigen makellos. Die latente Stuttgarter Auswärtsschwäche mit teils deftigen Niederlagen aber konnte auch Wimmer nicht beheben. Der Niederbayer stünde für Kontinuität, kennt das Team in- und auswendig, überzeugte vor allem bei den Heim-Auftritten mit taktischer und personeller Rafinesse.

Nachteil: Der bisherige Assistenz würde nicht für einen Neustart stehen. Dazu kommt die fehlende Erfahrung. Michael Wimmer wäre als Cheftrainer ein Novize. Er hat bislang lediglich als Assistenzcoach in Augsburg und Stuttgart im Profi-Bereich Erfahrung gesammelt, das könnte im beinharten Bundesliga-Abstiegskampf ein Nachteil sein. Muss aber nicht.

Bruno Labbadia

Vorteil: Da weiß man, was man bekäme. Vor allem die riesengroße Erfahrung. Bruno Labbadia ist ein Kind der Bundesliga, kennt hier Alles und Jeden. Er beherrscht sämtliche Tricks und Kniffe. Der ehemalige Torjäger machte als Stürmer 272 Bundesliga-Spiele, als Trainer saß er in Leverkusen, Hamburg, Wolfsburg, Berlin und Stuttgart fast 350 Mal auf der Bundesliga-Bank. Labbadia hat sich vor allem auch als Experte in Sachen Klassenerhalt einen Namen gemacht.

Es wäre also nach neun Jahren Bruno Labbadias Stuttgart-Rückkehr. Er kennt den VfB, den Erwartungsdruck und das Umfeld in Stuttgart bestens, der gebürtige Darmstädter trainierte bereits von 2010 bis 2013 den VfB. Es war nach der Meisterschaft 2007 die letzte erfolgreiche Zeit der Schwaben. Labbadia führte Stuttgart in die Europa League und ins DFB-Pokalfinale.

Der 56-Jährige ist mit seiner charmanten und eloquenten Art ein Medien-Profi, kann bei Bedarf aber auch laut sein: Unvergessen sein legendärer Wut-Ausbruch ("Am Arsch geleckt") auf einer VfB- Pressekonferenz vor zehn Jahren.

Nachteil: Bruno Labbadia zurück zum VfB? Das klingt ein bisschen wie aufgewärmtes Essen. Und ging schon bei 2007-Meistermacher Armin Veh nicht gut, als der 2014 erfolglos nach Stuttgart zurückkehrte. Aber man weiß nie: Andernorts waren Trainer-Rückholaktionen Volltreffer (zum Beispiel Lattek, Heynckes beim FC Bayern), zumal Labbadias erste Amtszeit beim VfB bereits fast zehn Jahre zurückliegt.

Alfred Schreuder

Vorteil: Der Niederländer kennt nicht nur die Bundesliga aus seiner Zeit in Hoffenheim, er bringt auch hochinteressante internationale Erfahrung mit ein. Alfred Schreuder trainiert aktuell den Top-Klub Ajax Amsterdam und arbeitete zuvor als Chef beim FC Brügge und als Co-Trainer beim FC Barcelona.

Fußballtrainer Alfred Schreuder

Fußballtrainer Alfred Schreuder

Bei der TSG Hoffenheim war Alfred Schreuder von 2015 bis 2018 zunächst hochgeschätzter Assistent von Huub Stevens und Julian Nagelsmann. Im Sommer 2019 kam er für ein knappes Jahr als Nagelsmann-Nachfolger zurück in den Kraichgau. Kurz vor Ende der Saison schied er nach Differenzen mit der Club-Führung auf Platz sieben liegend zu diesem Zeitpunkt völlig überraschend vorzeitig aus.

Der 50-jährige langjährige niederländische Erstliga-Spieler gilt, wie viele Fußballlehrer aus den Niederlanden, als taktisch gewiefter, moderner Coach. Bei ihm wird das gepaart mit konsequentem Auftreten. Schreuder versteht es auch bestens, junge Spieler weiterzuentwickeln. Seinen größten Erfolg als Coach feierte er in der vergangenen Saison, als er mit dem FC Brügge belgischer Meister wurde.

Nachteil: Mit seiner eher knorrigen und spröden Art steht er nicht unbedingt für verbale Aufbruchstimmung. Außerdem ist Alfred Schreuder aktuell nicht frei, er steht beim niederländischen Tabellenführer Ajax Amsterdam unter Vertrag, hat dieses Amt erst zu Saisonbeginn angetreten. Angeblich soll Schreuder dem VfB bereits vor Wochen abgesagt haben. Oder doch nicht?

Jess Thorup

Vorteil: Gleich drei Titelgewinne zieren den Weg des dänischen Trainers. 2013 wurde Jess Thorup mit Esbjerg dänischer Pokalsieger und danach auch dänischer Trainer des Jahres. 2018 mit dem FC Midtjylland und im vergangenen Sommer mit dem FC Kopenhagen holte sich der 52-Jährige die dänische Meisterschaft. Mit dem Kopenhagen qualifizierte er sich danach auch für die Champions League. Der schwache Saisonstart allerdings wurde Thorup Ende September in der dänischen Hauptstadt zum Verhängnis, er wurde entlassen und wartet seither auf einen neuen Job.

Jess Thorup ein Kandidat beim VfB Stuttgart?

Jess Thorup ein Kandidat beim VfB Stuttgart?

Bei Genk und Gent (Vizemeister) sammelte er zuvor in der belgischen Liga als Trainer erste Auslandserfahrungen.

Jess Thorup steht für offensiven Fußball und auch für die qualifizierte Arbeit mit jungen Spielern. Menschliche Kompetenz ist dem erfahrenen Coach dabei ganz wichtig. Von 2013 bis 2015 betreute er die dänische U20- und U21-Nationalmannschaft. Er schaffte es mit dem Talentschuppen ins EM-Halbfinale und zur Olympia-Qualifikation.

Nachteil: Jess Thorup stürmte zwar in den 90er Jahren zwei Saisons für den KFC Uerdingen und lernte dabei fleißig auch die deutsche Sprache. Als Trainer allerdings fehlt Jess Thorup die Deutschland- und damit auch die Bundesliga-Erfahrung. Ein (zu) großes Risiko im Abstiegskampf für den VfB Stuttgart?