Kleidervorschrift in Katar: Borger kritisiert Weltverband, Veranstalter widerspricht

Das Beachvolleyball-Duo Borger/Sude

Beachvolleyball

Kleidervorschrift in Katar: Borger kritisiert Weltverband, Veranstalter widerspricht

Karla Borger (32) nimmt nach dem aufsehenerregenden Startverzicht des besten deutschen Beachvolleyball-Duos für das Turnier in Doha den Weltverband in die Pflicht.

"Wir hinterfragen, ob das nötig ist, dass man dort ein Turnier stattfinden lässt", sagte die in Stuttgart lebende Borger im Gespräch mit dem Deutschlandfunk: "Es ist definitiv etwas, was man hinterfragen muss." Borger und ihre Partnerin Julia Sude hatten im Spiegel ihren Verzicht auf das Turnier im März mit der Kleidervorschrift für Frauen begründet. Statt des üblichen Sport-Bikinis dürfen die Spielerinnen im Emirat nur in T-Shirts und langen Hosen antreten.

Dass dem so sei, verneinte der katarische Verband QVA am Montagabend allerdings energisch. "Wir möchten klarstellen, dass wir keine Forderungen stellen, was die Athleten bei der Veranstaltung tragen sollen", erklärte der veranstaltende Verband auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP: "Wir respektieren den Verhaltenskodex der FIVB (Volleyball-Weltverband, d. Red.) voll und ganz und haben in der Vergangenheit bei zahlreichen Veranstaltungen in Katar, einschließlich der ANOC World Beach Games, gezeigt, dass es den Athleten freisteht, in internationalen Uniformen anzutreten, wie sie es auch in anderen Ländern tun würden."

Kleidervorschrift: Verband, Manager Adam und Laura Ludwig äußern sich

01:16 Min. Verfügbar bis 09.04.2021


Borger: Volleyball-Weltverband sei "noch sehr weit hintendran"

Karla Borger dürfte von dieser Botschaft überrascht sein. "Wir verrichten dort unsere Arbeit, aber unser Arbeits-Outfit wird uns verwehrt", sagte sie: "Das ist wirklich das einzige Land und das einzige Turnier, wo wir von einer Regierung vorgeschrieben bekommen, wie wir unsere Arbeit auszuüben haben, und das kritisieren wir." Der Volleyball-Weltverband sei "noch sehr weit hintendran, überhaupt auf die Athleten und Athletinnen zu hören", kritisierte Borger: "Da ist es auch als Players Association sehr schwer, weiter voranzukommen, wenn man nicht von außen über die Öffentlichkeit Druck entwickelt."

Verständnis hat Borger für die Spielerinnen, die dennoch an den Persischen Golf reisen. "Es geht um unsere Existenz, deshalb kann ich auch nachvollziehen, dass einige Spielerinnen am Turnier in Katar teilnehmen werden", sagte Borger. Sie selbst kann auch ohne die Punkte aus Doha leben, die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio an der Seite von Sude steht kurz bevor.

SWR | Stand: 23.02.2021, 14:30

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