Karlsruher SC: Der Neuanfang mit Philipp Hofmann

Philipp Hofmann (Karlsruher SC)

Fußball | 2. Bundesliga

Karlsruher SC: Der Neuanfang mit Philipp Hofmann

Am vergangenen Samstag sorgte Philipp Hofmann für Schlagzeilen. Der Torjäger sah sich nach dem geplatzten Wechsel zu Union Berlin nicht imstande, für den Karlsruher SC in Hannover aufzulaufen. Inzwischen haben sich alle Beteiligten ausgesprochen und wagen einen Neuanfang.

Der Karlsruher Wildpark am Mittwochvormittag. Das KSC-Team bereitet sich mit Cheftrainer Christian Eichner auf das erste Liga-Heimspiel gegen den VfL Bochum vor. Mittendrin im Geschehen: Philipp Hofmann, der Torjäger.

Nach der Übungseinheit nimmt er sich Zeit für ein Gespräch mit SWR Sport, um den Stand der Dinge zu erläutern: "Mir ging es mental nicht gut", beschreibt Hofmann seine Befindlichkeit am vergangenen Freitag vor dem Hannover-Spiel und den Verzicht auf einen Einsatz in der Startelf, und ergänzt: "Ich bin nicht am Streiken, sonst würde ich nicht zum Training kommen. Die Leute sollen einfach wissen, dass ich die Mannschaft nicht im Stich gelassen habe, es wussten alle Bescheid."

Hofmann: "Es war ein Riesen-Kommunikationsproblem" 00:45 Min. Verfügbar bis 07.11.2020

Gute Gespräche beim KSC mit allen Beteiligten

In der Öffentlichkeit und bei den KSC-Fans war der "Fall Hofmann" überhaupt nicht gut angekommen. "Das war ein Riesen-Kommunikationsproblem", so der Torjäger über die schlagzeilenträchtige Situation vom Wochenende. "Das kam halt ein bisschen blöd rüber, was Oli dann gesagt hat", verweist Philipp Hofmann auch auf die Aussage von KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer vom Samstag, der Spieler habe möglicherweise mit der Aktion seinem Wechselwunsch nach Berlin noch einmal Nachdruck verleihen wollen. Inzwischen aber, so Hofmann, habe man "ein gutes Gespräch gehabt. Ich will mich jetzt wieder auf Fußball konzentrieren, den Rest kann ich sowieso nicht beeinflussen".

Oliver Kreuzer: "Das ist abgehakt"

Auch Oliver Kreuzer zog inzwischen - bildlich gesehen - im Sinne aller Beteiligten den Topf von der heißen Herdplatte: "Der Stand ist der, dass Philipp sich zur Situation geäußert hat und wir gute Gespräche mit ihm hatten", erklärt Kreuzer gegenüber SWR Sport. "Für uns alle ist das abgehakt. Philipp nimmt am Mannschaftstraining teil und wird auch am Sonntag bereit sein." Also alles wieder gut? "Alles gut", bestätigt der KSC-Sportchef, "Philipp hat die Situation aus unserer Sicht akzeptiert. Er ist im Training engagiert, motiviert und sehr fokussiert auf das Spiel gegen Bochum".

Kreuzer: "Philipp hat die Situation akzeptiert" 00:43 Min. Verfügbar bis 07.11.2020

Und auch KSC-Trainer Christian Eichner plant mit Philipp Hofmann für das Heimspiel gegen den VfL Bochum (Sonntag, 13:30 Uhr): "Wenn er normal durch die Woche kommt und sich klar fühlt, dann wird Philipp nicht nur im Kader stehen, sondern auch von Beginn an spielen." Eichner hat jedenfalls entsprechende Signale von seinem Goalgetter empfangen.

Der KSC plant weiter mit Philipp Hofmann

Stellt sich die Frage, wie es jetzt weitergeht und ob ein möglicher Transfer abgehakt ist? Das Transfer-Fenster ist schließlich noch bis zum 5. Oktober geöffnet. "Wir planen mit Philipp Hofmann, und wir wollen den Spieler nicht abgeben", so Kreuzer, "deshalb stellt sich für uns die Frage nach einer Ablösesumme nicht".

Auch der Trainer geht von einem Verbleib seines Torjägers aus: "Wir werden ihn nicht abgeben, wir brauchen Philipp", so Christian Eichner. Die Aktion von Hannover ist für den KSC-Trainer abgehakt, auch wenn sie für Unruhe sorgte: "Das war keine alltägliche Situation", so Christian Eichner, "nach dem Schlusspfiff war das Thema aber für mich erledigt. Und ab Montag hieß es wieder Normalmodus".

Die KSC-Verantwortlichen gaben sich in den vergangenen Tagen größte Mühe, die Geschehnisse sauber aufzuarbeiten. "Wir haben dem Spieler gegenüber riesengroßes Verständnis entgegengebracht", beschreibt Christian Eichner die Vorgehensweise hinter den Kulissen. Natürlich sei der Wunsch nach einem Wechsel in die Bundesliga verständlich, so Kreuzer und Eichner unisono, aber: "Wir müssen natürlich das große Ganze im Blick haben", sagt der KSC-Coach, und das heißt: "Was ist das Beste für den KSC? Und das Beste für den KSC ist aus unserer Sicht, dass Philipp Hofmann noch lange beim KSC bleibt."

Eichner: "Glaube, es war eine Ausnahmesituation" 00:50 Min. Verfügbar bis 07.11.2020

Verständnis für den Wechselwunsch des Spielers

Natürlich sei es keine leichte Situation für den umworbenen Philipp Hofmann gewesen, dessen Transfer zu Union wegen der Ablöseforderung des KSC platzte, weiß auch Christian Eichner: "Am Ende des Tages aber gibt es Gesetzmäßigkeiten und Regeln im Fußball wie im Leben. Da ist ein Vertrag, und deshalb hat der Verein das Heft des Handelns in der Hand. Und das hat Philipp auf Strecke auch akzeptiert."

Philipp Hofmann selbst zeigt sich ehrlich und "würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht gerne in der Bundesliga spielen würde. Aber ich habe das nicht mehr zu beeinflussen. Ich könnte jetzt daheim rumschmollen, aber ich will mich auf Fußball konzentrieren und Gas geben für das Spiel gegen Bochum".

Der Torjäger soll gegen Bochum wieder Tore schießen

Dass Philipp Hofmanns Aktion von Hannover Auswirkungen auf das Mannschaftsgefüge haben wird, das glaubt Christian Eichner nicht: "Das ist eine charakterfeste und tolle Truppe, die hier zusammen ist. Es ist sehr wichtig, in solchen Momenten als Mannschaft und Verein zusammenzustehen und nicht den einzelnen an den Rand zu stellen, sondern ihm die Rolle zu geben, die er vorher hatte. Da habe ich keine Bedenken." In diesem Fall ist es die Rolle von Philipp Hofmann als Torjäger und Führungsfigur, die im Zweitliga-Alltag vorangeht. KSC-Sportdirektor Oliver Kreuzer: "Wir wollen am Sonntag Bochum schlagen, am besten mit einem Tor von Philipp."

Es herrscht also wieder Ruhe im Wildpark. Bochum kann kommen.

SWR | Stand: 28.09.2020, 09:54

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