Angreifer Sasa Kalajdzic wird den VfB Stuttgart wohl in diesem Sommer verlassen

Fußball | Bundesliga Kalajdzic, Marmoush und Co.: Wie geht's im Angriff des VfB Stuttgart weiter?

Stand: 27.05.2022 16:59 Uhr

Geht Sasa Kalajdzic? Und, wenn ja, wann und wohin? Was passiert mit Omar Marmoush? Rund um den Angriff des VfB Stuttgart sind derzeit viele Fragen offen. Klar scheint: Es ist Geduld gefragt.

Vergleicht man die Offensive des VfB Stuttgart mit einem Dominospiel, so muss aktuell die Frage lauten: Wann fällt der erste Stein? Denn der finanziell klamme Traditionsklub muss erst Einnahmen generieren, bevor die Verantwortlichen um Sportdirektor Sven Mislintat auf Shopping-Tour gehen können.

Viele Topklubs an Kalajdzic interessiert

Viel wird dabei von Sasa Kalajdzic abhängen. Der Vertrag des Österreichers läuft noch bis 2023, doch der Sturm-Riese will den nächsten Schritt auf der Karriereleiter erklimmen und zu einem Topklub wechseln. Obwohl Kalajdzic verletzungsbedingt über lange Teile der abgelaufenen Saison fehlte und nur sechs Tore erzielte, gibt es einen Markt für ihn. Berichten zufolge sollen unter anderem Bayern München, Borussia Dortmund, der FC Chelsea oder Atletico Madrid an dem 24-Jährigen interessiert sein.

Eine komfortable Ausgangsposition für den VfB Stuttgart und Mislintat, denn viele Interessenten treiben den Preis nach oben. So darf der Sportdirektor bei einem Verkauf Kalajdzics wohl mit 20 bis 25 Millionen Euro Einnahmen rechnen. Eine stattliche Summe angesichts des nur einjährigen Restvertrags.

Kalajdzic-Berater Empacher: "Der Sommer ist noch lang"

Auf der anderen Seite deutet aktuell nichts auf einen schnellen Vollzug hin. Sein Berater Sascha Empacher war zwar schon an der Säbener Straße in München, um Gespräche mit den Verantwortlichen des FC Bayern zu führen. Dort sollen Trainer Julian Nagelsmann und Sportdirektor Hasan Salihamidzic Fans des Österreichers sein, wie der "kicker" berichtet. Allerdings soll es beim deutschen Rekordmeister intern auch Zweifel an Kalajdzic geben, weil diesem noch die internationale Erfahrung fehle.

Die bereits geführten Gespräche mit den FCB-Verantwortlichen waren deshalb wohl eher informeller Natur, sozusagen ein erstes Abklopfen. Ohnehin, so Empacher gegenüber "Sport1", sei in der Causa Kalajdzic keine Eile vonnöten. "Es gibt keine Hektik. Sasa hat noch ein Jahr Vertrag beim VfB Stuttgart. Der Sommer ist noch lang." Auch VfB-Sportdirektor Mislintat äußerte sich jüngst gegenüber SWR Sport zu Kalajdzic.

Sven Mislintat im "Klassenerhalts-Interview" mit SWR Sport

Omar Marmoush hat seinen Wert bewiesen

Wenn der Transfer von Sasa Kalajdzic zur Hängepartie würde, hätte das auch Auswirkungen auf die anderen Sturm-Personalien beim VfB. Etwa auf eine mögliche Weiterverpflichtung von Omar Marmoush. Der 23-Jährige absolvierte die letzte Saison als Leihspieler des VfL Wolfsburg in Stuttgart. Seine Bilanz ist mit drei Toren und fünf Vorlagen in 23 Spielen ausbaufähig. Allerdings sorgte der trickreiche Marmoush mit seiner Unberechenbarkeit und seiner Schnelligkeit oftmals für viel Verwirrung bei den Gegnern und provozierte durch seine Dribblings auch viele Fouls.

YouTube-Video von SWR Sport: "In letzter Sekunde: VfB Stuttgart sichert Klassenerhalt gegen Köln - DEIN VfB #31 | SWR Sport"

Der Ägypter bewies also seinen Wert für die Mannschaft und hatte seinen Anteil am Last-Minute-Klassenerhalt, die Schwaben würden ihn dem Vernehmen nach gerne halten. Sein Vertrag in Wolfsburg läuft noch ein Jahr, seine Ablösesumme soll sich auf rund fünf Millionen Euro belaufen. Geld, das der VfB erst ausgeben kann, wenn er Einnahmen generiert hat.

Churlinov würde gerne auf Schalke bleiben

Geld könnte indes auch der Verkauf von Darko Churlinov in die Kasse spülen. Nicht so viel wie Kalajdzic, aber Stuttgart soll Berichten zufolge drei Millionen Euro für den Offensivspieler, der in der letzten Spielzeit an Schalke 04 ausgeliehen war, fordern. Denn Churlinov hat sich bereits positioniert: Er würde gern bei den Königsblauen bleiben, der S04 würde gerne mit dem Nordmazedonier weitermachen. Aber auch bei diesem Transfer ist vorerst Geduld gefragt. Wie der VfB ist auch Schalke auf Einnahmen angewiesen, bevor Geld ausgegeben werden kann.

Tomas auch in der nächsten Saison beim VfB

Tiago Tomas wird indes auf jeden Fall in der nächsten Saison für die Schwaben auflaufen. Der von Sporting Lissabon geliehene Offensivspieler kann nach der nächsten Saison sogar für eine fixe Ablöse, die im unteren zweistelligen Millionenbereich liegen soll, fest verpflichtet werden. Tomas kam in der Winterpause und erarbeitete sich auf Anhieb einen Stammplatz. Der erst 19-Jährige erzielte in 14 Spielen zwar "nur" vier Tore, erarbeitete sich aber zahlreiche Chancen. Ihn zu mehr Effizienz zu führen wird eine der Aufgaben für VfB-Trainer Pellegrino Matarazzo sein. Dann dürfte Stuttgart noch viel Freude an dem jungen Portugiesen haben.

Silas und Sankoh sind wieder Optionen

Nach langer Leidenszeit wird auch Mohamed Sankoh die Vorbereitung beim VfB Stuttgart absolvieren. Der 18-Jährige war vor einem Jahr der Shooting-Star des Sommers bei den Schwaben, traf auch in der ersten Pokalrunde gegen Dynamo Berlin (6:0), bevor er sich am ersten Bundesliga-Spieltag gegen Greuther Fürth (5:1) schwer am Knie verletzte. Nun ist Sankoh nach Monaten der Reha wieder fit und will angreifen.

Das will auch Silas, der längst zurück im Training ist. Der in der ersten Saison nach dem Aufstieg so stark auftrumpfende Offensivspieler zog sich im März 2021 erst einen Kreuzbandriss zu, um dann im Frühjahr 2022 durch eine Schulter-Luxation lange auszufallen. Der 23-jährige Kongolese wird Zeit brauchen, auch um das Vertrauen in seinen Körper zurückzugewinnen. Ist er fit, ist Silas ein sicherer Kandidat für die Stammelf des VfB.

Alexis Tibidi und Thomas Kastanaras

Alexis Tibidi und Thomas Kastanaras werden in der kommenden Saison ebenfalls zum Angriff des VfB Stuttgart gehören. Der 18-jährige Tibidi kam in der abgelaufenen Spielzeit bereits 13 mal in der Bundesliga zum Einsatz, blieb allerdings ohne Scorerpunkt. Anlagen wie Schnelligkeit, Technik oder Spielverständnis waren bereits zu sehen, doch der junge Franzose verhinderte selbst, dass am Ende mehr Profispiele in seiner Statistik standen. "Alexis hat seine Position ein Stück weit verbockt", sagte jüngst VfB-Coach Matarazzo über den Angreifer. Dieser sei "verpeilt" und habe "Probleme mit dem Time-Management". Tibidi muss sich also am Riemen reissen. Er wird unter Beobachtung stehen. Lässt er sich nichts zu Schulde kommen und gibt Gas im Training, dann wird er in der Bundesliga wieder zu sehen sein.

Nachwuchsstürmer Kastanaras wurde indes für seine starken Leistungen in der A-Jugend mit einem langfristigen Profivertrag belohnt. Für die U19 traf der Deutsch-Grieche in der Bundesliga Süd/Südwest 25 mal und wurde damit Torschützenkönig. Auch jüngst im A-Jugend-Pokalfinale gegen den BVB (3:1) traf "Kistanaras", so sein Spitzname. Für ihn wird es darum zu gehen, den Übergang vom Junioren- in den Herrenbereich möglichst gut zu schaffen - und erste Einsätze in der Bundesliga zu erhalten.

Faghir bleibt hinter den Erwartungen zurück

Auf Einsätze hofft auch Wahid Faghir. Der junge Däne war in der abgelaufenen Saison so ein bisschen das "Sorgenkind" im Angriff des VfB Stuttgart. Faghir kam mit dem Ruf eines absoluten Top-Talents für 4,5 Millionen Euro von Vejle BK - und doch hatte er enorme Schwierigkeiten, sich an die Bundesliga zu gewöhnen. Dazu kamen athletische Defizite.

117 Minuten Bundesliga, ein Treffer (aber immerhin das 1:1 in der Nachspielzeit gegen Union Berlin) - das hatten sich beide Seiten wohl anders vorgestellt. In der zweiten Saisonhälfte lief Faghir dann acht mal für die U23 des VfB in der Regionalliga Südwest auf, brachte es auf vier Treffer und einen Assist, bevor ihn eine Meniskus-OP stoppte.

Man darf bei ihm aber auch das Alter nicht vergessen. Faghir ist gerade mal 18 Jahre. Er wird die Chance bekommen, sich in der Vorbereitung zu zeigen. Sollte sich abzeichnen, dass es nicht für den Profikader reicht, wäre Faghir wohl ein Kandidat für eine Ausleihe.

Es bleibt also spannend im Angriff des VfB Stuttgart. Klar scheint derzeit einzig, dass Kalajdzic geht. Doch egal ob Marmoush, Tomas oder ein Anderer - sie alle wären kein 1:1-Ersatz für den Österreicher. Sportdirektor Mislintat würde wohl noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden. Ist Kalajdzic weg, wäre das Geld dazu auch vorhanden. Alle anderen Angreifer kämpfen um ihre Chance - und am Ende wird es nicht für jeden reichen.