Spende nach Flutkatastrophe Mit Geld aus WM-Land Katar: Neue Sportplätze im Ahrtal

Stand: 17.05.2022 10:25 Uhr

Zehn Monate nach der Flutkatastrophe ist der Wiederaufbau der Sportplätze nur eines der vielen Themen im Ahrtal. Dafür kommt jetzt Geld aus Katar – die Spende aber ist nicht unumstritten.

"Ich habe gedacht, das kann nicht wahr sein", sagt Rolf Stappen vom SV Hönningen im Gespräch mit dem SWR. Seine Stimme bricht, wenn er darüber spricht, was die Flutkatastrophe im vergangenen Sommer angerichtet hat. "Der Sportplatz war die Seele des Vereins." Mit seinem Handy hat er vor fast zehn Monaten die Bilder aufgenommen, die bis heute unwirklich erscheinen: von riesigen Wassermassen, die sich durch den Ort und über den Platz drücken. Noch immer hat er das Video auf seinem Handy.

In den vergangenen Monaten haben die Hönninger all jene Plätze im Umkreis genutzt, die das Hochwasser nicht zerstört hat. Der Zusammenhalt in der Region ist groß. Zwischen den Menschen – und den Vereinen. Jetzt aber soll auch in Hönningen endlich wieder Fußball gespielt werden. "Damit die Kinder sich bewegen können, damit sie Perspektive haben und auch mal etwas Schönes sehen, und nicht immer nur die Katastrophe", sagt Stappen.

Diskussionen um die Spende

Für die 100 Kinder im Hönninger Verein soll nun ein neues Kleinfeld entstehen. Für Projekte wie dieses gibt es beim Fußballverband Rheinland bereits seit einigen Jahren die Stiftung „Fußball hilft!“, und hier speziell das Sonderprojekt "Kinderfußballfelder". Diese Stiftung erhält nun eine Million Euro vom WM-Gastgeberland Katar, 80.000 Euro davon gehen nach Hönningen. "Dadurch haben wir die Möglichkeit, unmittelbar und sofort Hilfe zu leisten, sodass der Spielbetrieb im Kinder- und Jugendbereich nicht zum Erliegen kommt", sagt Norbert Weise, Vorstandsmitglied von "Fußball hilft".

Spende von WM-Gastgeberland Katar: die Einordung aus der SWR-Sportredaktion

Auch er ist am Montag nach Hönningen gekommen, wo der symbolische Scheck aus Katar übergeben wurde. Dass das vor allem mit dem Wissen um die Umstände im WM-Gastgeberland - etwa mit Blick auf Menschenrechte und Arbeitsbedingungen beim Bau der Stadien - nicht unproblematisch ist, ist auch den Verantwortlichen der Stiftung bewusst. Aber: "Wir haben uns darüber Gedanken gemacht. Wir sehen das als Sympathiewerbung des Ausrichters der Fußball-WM an. Das hat Deutschland früher auch gemacht und das ist legitim", so Weise.

Keine "sportpolitische Entscheidung"

Darüber sei intern viel diskutiert worden, man habe sich aber entschieden, die Spende aus Katar anzunehmen. "Weil es eine Hilfe für die Vereine ist. Wir können nicht auf das Geld verzichten", betonte er. Die Entscheidung sei, so Weise, keine sportpolitische, sondern eine pragmatische zum Nutzen und Wohle der Vereine. In Hönningen selbst war das am Montag kein Thema, hier freuen sich die Verantwortlichen, dass der Verein bald wieder eine sportliche Seele hat. Wenn auch eine kleine.