Elisabeth Seitz beendet Leidenszeit mit Platz fünf bei Olympia

Elisabeth Seitz erreichte bei Olympia in Tokio auf den fünften am Stufenbarren.

Olympia | Turnen

Elisabeth Seitz beendet Leidenszeit mit Platz fünf bei Olympia

Elisabeth Seitz turnte bei Olympia 2021 in Tokio am Stufenbarren auf Platz fünf. Für die Stuttgarterin war es eine ganz besondere Leistung nach einem ganz besonderen Jahr.

Elisabeth Seitz umarmte ihren Trainer und lächelte zufrieden. Nach einer sehenswerten Vorführung am Stufenbarren hat die Stuttgarterin am Sonntag bei den Olympischen Spielen in Tokio den fünften Platz am Stufenbarren belegt. Mit 14,400 Punkten verfehlte die 27-jährige Turnerin die Bronzemedaille nur um 0,1 Punkte.

"Ich bin zufrieden, auf jeden Fall. Die ganzen Olympischen Spiele waren bei mir ein Riesen-Erfolg", sagte die 27-Jährige im ARD-Interview. "Im ganzen letzten Jahr und auch noch Anfang dieses Jahres hätte ich niemals daran denken können, dass ich sowas hier auf die Matte lege. Ich bin mehr als zufrieden mit mir."

Medaillen gehen nach Belgien, Russland und die USA

Olympiasiegerin wurde Nina Derwael aus Belgien mit 15,200 Punkten vor der Russin Alija Mustafina (14,833) und Sunisa Lee aus den USA (14,500). Beste beim Sprung war die Brasilianerin Rebeca Andrade mit der Durchschnittsnote von 15,083 Punkten für zwei Sprünge. Am Boden holte Artem Dolgopyat mit 14,933 Punkten das erste Turn-Gold für Israel. Der Brite Max Whitlock wiederholte am Pauschenpferd mit 15,583 Punkten seinen Erfolg von Rio de Janeiro.

Elisabeth Seitz und das alte Eisen

Die beiden Frauen-Finals fanden ebenso wie das Mehrkampf-Finale ohne US-Superstar Simone Biles statt, die ihre Starts wegen mentaler Probleme abgesagt hatte. Die viermalige Olympiasiegerin von 2016 verzichtet auch auf die Teilnahme an der Entscheidung am Boden an diesem Montag. Ob die 24-Jährige am Dienstag am Schwebebalken antritt, ist fraglich.

Als älteste Finalistin am Stufenbarren kokettierte Seitz im Vorfeld mit ihrem Alter. Die 27-Jährige meinte, dass ihr längere Pausen gut tun, "weil ich ja von der älteren Generation bin". Platz sechs bei den Olympischen Spielen 2012 in London, Platz vier in Rio 2016 und Platz fünf in Tokio 2021 - auch darauf ist Elisabeth Seitz richtig stolz. "Von London bis jetzt sind neun Jahre vergangen. Sich neun Jahre an der Weltspitze zu halten und neun Jahre später sagen zu können, ich stehe zum dritten Mal bei Olympischen Spielen im Barren-Finale und kann wieder zeigen, dass ich zu den besten gehöre, das macht einen schon extrem stolz", sagte Seitz. "Der Stolz ist jetzt nochmal größer - zum einen, weil ich älter bin, zum anderen, weil ich jetzt so lange gekämpft habe und das letzte Jahr so schwer war und ich mir bewiesen habe, dass aufgeben für mich keine Option ist."

Seitz verliert sich im Corona-Jahr

Denn 2020 war für Elisabeth Seitz ein Horror-Jahr: Corona-Lockdown, Einsamkeit und dann auch die die Absage der Olympischen Spiele. Ziel weg, Fitness weg, Motivation weg, Kampfgeist weg - alles ging in Traurigkeit und Enttäuschung über sich selbst auf. "Das war dann einfach weg. Damit war für mich der Grund für hartes Training weg, ich konnte meinen Körper nicht mehr dazu bringen, hart zu trainieren, weil ich nicht mehr wusste, für was", berichtete sie. "Aber darüber hinweg zu kommen und sich darüber hinweg zu kämpfen, war schon etwas ganz Besonderes. Und das habe ich hier irgendwie gespürt.

Seitz' Freude am Fliegen und Liebe zum Barren

Die Wende kam mit dem Anbruch des verspäteten Olympia-Jahres. "Jetzt ist die alte Eli wieder da", sagte sie. Das bewies sie in Tokio bei ihren dritten Olympischen Spielen auch mit Platz neun im Mehrkampf. Als Siebte hatte sich Elisabeth Seitz fürs Finale an ihrem Parade-Gerät Stufenbarren qualifiziert. "Das Faszinierende für mich ist vor allem das Fliegen. Kontrolliert fliegen, um den Holm wieder zu fangen", sagte sie. Manchmal ist sie dann auch von sich selbst begeistert: "Um ehrlich zu sein, wenn ich mir Videos von mir angucke, ist es auch manchmal Wahnsinn, wie ich da durch die Gegend fliege." Das Faszinierende am Barren sei, "dass wir Dinge machen, die man sich so als Normalbürger erstmal gar nicht vorstellen kann. Das Unvorstellbare setzen wir um und das auch noch in Perfektion. Das finde ich schon ziemlich cool", schwärmte Elisabeth Seitz.

Die Leidenschaft für das Turnen am Stufenbarren hat sie in ein selbst kreiertes Element umgesetzt: den Seitz. Dabei hat sie den so genannten Schaposchnikowa, einen Flug vom unteren zum oberen Holm, weiterentwickelt. "Ich habe den erfunden mit einer ganzen Längsachsendrehung, wo ich mich einmal drehe und oben wieder fange. Ziemlich cool", beschrieb sie ihre Erfindung. Weil aber die Einstufung bei der Schwierigkeit zu niedrig ist, "dafür, dass es so schwer ist", turnte die 27-Jährige das Element in ihrer Tokio-Übung nicht. "Aber naja, ich habe es trotzdem erfunden, das ist mein Teil und ich freue mich darüber", sagte sie leichthin und zuckte mit den Achseln.

SWR | Stand: 04.08.2021, 11:37

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