Eine Frau an der Spitze des DFB? Sylvia Schenk bekundet Interesse

Sylvia Schenk mit DFB-Vize Reiner Koch im Jahr 2020

Fußball | DFB

Eine Frau an der Spitze des DFB? Sylvia Schenk bekundet Interesse

Der DFB braucht eine ganz neue Führungsriege. Nur wer machts? Auf den Verband warten schwere Wochen und Monate. Interesse bekundet hatte zuletzt die Anti-Korruptions-Expertin Sylvia Schenk. Sie stehe bereit, sagte Schenk im SWR-Sport-Interview.

SWR: Sylvia Schenk, Sie haben Ihr Interesse bekundet, beim DFB mitzuhelfen aufzuräumen. Warum wollen Sie sich das antun?

Sylvia Schenk: Weil der DFB eigentlich ein toller Verband ist, eine wichtige Sportart vertritt und auch gesellschaftlich eine große Rolle spielt und spielen sollte. Das ist in den letzten Wochen ja völlig untergegangen. Und da bin ich bereit zu helfen. Ich habe die letzten Jahre viel gemacht, in der FIFA mit dem DFB für die Euro 2024. Und es geht ja jetzt darum, den Übergang zu bestimmen.

Sylvia Schenk will beim Aufräumen beim DFB helfen

03:55 Min. Verfügbar bis 26.06.2021


SWR: Sie würden da in eine absolute Männer- Bastion eindringen...

Sylvia Schenk: Das ist so. Allerdings haben wir jetzt seit Dienstagabend die stellvertretende Generalsekretärin Heike Ullrich, die jetzt kommissarisch Generalsekretärin und damit oberste, hauptamtliche Kraft beim DFB werden soll. Das ist eine tolle Frau. Also: Insofern gibt es schon gute Frauen im Fußball, nur meistens im Hintergrund.

SWR: Ist denn eigentlich das, was beim DFB in den vergangenen Jahren passiert ist, aus Ihrer Sicht, der Sicht der Korruptionsexpertin richtig kriminell?

Sylvia Schenk: Wir wissen ja bis heute nicht, was wirklich mit dieser Zehn-Millionen-Franken-Zahlung aus den Jahren 2002/2004 war. Ob die irgendetwas mit dem Sommermärchen 2006 zu tun hatte, was wirklich der Hintergrund da war. Insofern kann man das gar nicht einordnen, ob das kriminell war oder nicht. Es gab ganz offensichtlich falsche Steuererklärungen, aber dann erst auch im Nachhinein in den Jahren 2007 und 2008. Das wäre kriminell, wenn dort Steuern hinterzogen worden sind. Das lässt sich aber alles jetzt gar nicht mehr aufklären. Vieles ist, glaube ich, einfach Überforderung, ungeschickt, falsche Struktur, falsche Personen, die sich selber wichtiger nehmen als die Aufgabe. Das ist eine ganz schwierige Gemengelage.

SWR: Fast alle gehen jetzt. Aber Rainer Koch, der Vize, bleibt irgendwie doch noch. Er hat auch schon mehrere Präsidenten "überlebt". Viele verbinden die DFB-Dauerkrise auch irgendwie mit ihm. Was würden Sie mit ihm machen, wenn Sie zu entscheiden hätten?

Sylvia Schenk: Machen kann man als Einzelpersonen wenig, solange er gewählt ist. Das müssten dann schon andere machen, die Gremien, die ihn dann gegebenenfalls abwählen können. Entscheidend ist aber, dass er jetzt ja gesagt hat, er tritt nicht neu an. Ob das jetzt wirklich dauern muss, bis ins neue Jahr hinein mit einem Bundestag, der dann neu wählen kann, oder ob man das nicht schon diesen Herbst endgültig klären sollte, das ist eine andere Frage. Dass jetzt alle sofort zurücktreten, wäre wahrscheinlich für den DFB auch nicht gut. Also, man muss schon einen halbwegs geordneten Übergang jetzt machen.

SWR: Wie schätzen Sie denn Ihre Chancen ein? Also, dass Sie beim DFB demnächst aufräumen dürfen?

Sylvia Schenk: Das kann ich überhaupt nicht einschätzen. Ich muss es ja auch nicht machen. Ich habe eigentlich nur ein paar andere Lebensziele im Moment und viele spannende Aufgaben. Wenn sich dort andere zusammenfinden, die wirklich erst einmal neutral und unabhängig dafür sorgen, dass der DFB in ruhiges Fahrwasser kommt, dann ist das auch in Ordnung. Ich bin nur der Meinung, jetzt sofort wieder einen neuen Präsidenten, einen neuen Vize, einen neuen Schatzmeister zu wählen, die dann als erstes aufräumen, das belastet diese Personen von Anfang an. Deshalb sollte man sich ein Übergangs-Team wählen. Und das macht jetzt erstmal die Aufräum- und Schmutzarbeit und bereitet damit den Boden, dass dann wirklich neue, auch jüngere Leute dann für einen längeren Zeitraum die Verantwortung übernehmen können.

SWR: Es könnte ja auch sein, dass vielleicht auch einige versuchen würden, das zu verhindern, dass Sie quasi aufräumen dürfen.

Sylvia Schenk: Das kann sein. Wie gesagt, ich muss es ja nicht machen. Ich biete das an, mitzuhelfen, in welcher Funktion auch immer, mit welcher Aufgabe auch immer. Aber ich bin auch nicht sauer, wenn ich nicht genommen werde. Wie gesagt, ich habe spannende Aufgaben, ein wunderbares Leben. Ich muss es nicht machen.

Mit Sylvia Schenk sprach Steffi Stronczyk / SWR1 Rheinland-Pfalz.

SWR | Stand: 13.05.2021, 14:24

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