Beachvolleyballerin Karla Borger

Hintergrund Doku über Missbrauch im Schwimmsport: Karla Borger ist "erschüttert"

Stand: 19.08.2022 12:56 Uhr

Für Beachvolleyballerin Karla Borger aus Stuttgart, in Personalunion Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland, wird es für die Gründung eines unabhängigen Zentrums für Safe Sport "höchste Eisenbahn".

Die am Donnerstag durch eine ARD-Dokumentation öffentlich gewordenen Missbrauchsvorwürfe des früheren Top-Wasserspringers Jan Hempel gegen einen langjährigen Trainer hätten sie "erschüttert", sagte Karla Borger am Rande der Beachvolleyball-EM in München: "Das ekelt mich an."

Karla Borger hat großen Respekt vor dem Mut der Betroffenen

Sie habe "großen Respekt vor dem Mut der Betroffenen". Sie glaube, dass "diese Entwicklung, den Geschichten ein Gesicht zu geben und darüber zu sprechen" sehr wichtig sei. Bei Athleten Deutschland gehe man davon aus, dass "noch viel mehr kommt und wir noch nicht alles aufgedeckt haben." Es müsse "weitere Aufklärungsarbeit erfolgen", die Dokumentation "Missbraucht - Sexualisierte Gewalt im deutschen Schwimmsport" (Samstag, 22:40 Uhr im Ersten) verdeutliche, "was im Hintergrund passiert".

Der Deutsche Schwimm-Verband (DSV) stellte nach den schweren Vorwürfen durch Hempel (50) am Donnerstagabend den Wassersprung-Bundestrainer Lutz Buschkow von seiner Tätigkeit frei. Man nehme ihn "aus dem Feuer hier raus, was aber zunächst mal eine Unschuldsvermutung darstellt. Solange diese Vorwürfe nicht geprüft sind, hat er zumindest mal keine Aufgaben mehr im DSV wahrzunehmen", sagte Verbandspräsident Marco Troll der ARD: "Wir sind schockiert über diese Inhalte, die wir heute zum ersten Mal in dieser Form überhaupt gehört haben."

Hempel hatte den DSV über die Vorgänge unterrichtet

Buschkow arbeitete seit 1991 für den DSV, seit 2002 war er Cheftrainer der Wasserspringer. Von 2008 bis 2016 war er zudem als Leistungssportdirektor tätig. Hempel hatte in der Dokumentation erklärt, 14 Jahre lang, ab Hempels elftem Lebensjahr, habe sich ein Trainer zeitweise täglich an ihm vergangen - unter anderem während der Olympischen Spiele 1992 in Barcelona, unmittelbar vor einem Wettkampf. Laut Hempel, der nach eigener Darstellung die Verbandsspitze 1997 über die Vorgänge unterrichtete, hat sich der DSV nie substanziell mit den Vorwürfen auseinandergesetzt.

Für Borger ist es "genial", dass die Gründung eines Zentrums für Safe Sport im Koalitionsvertrag verankert ist. Das Projekt nimmt allerdings nur langsam Formen an, unter anderem geht es um die Klärung der Frage, ob und zu welchem Anteil die Finanzierung durch Bund, Länder oder den Sport gestemmt werden soll. Auch sind die Befugnisse der Einrichtung zu klären.