FCK-Trainer Dirk Schuster beim Trainingsauftakt auf dem Betzenberg.

Fußball | 2. Bundesliga Dirk Schuster, der FCK und das zweite erste Date

Stand: 21.06.2022 15:12 Uhr

Vier Spieler will der FCK noch zum Saisonstart verpflichten. Bis dahin muss Trainer Dirk Schuster aber noch ein ganz anderes Problem lösen.

Der 1. FC Kaiserslautern ist halt etwas ganz Besonderes. Das wusste Dirk Schuster, als er sich mit den Roten Teufeln eingelassen hat. Darum hat er akzeptiert, dass es gleich beim ersten Date ans Eingemachte ging: Relegation, Jubel, Aufstieg - die ganzen Emotionen sofort beim ersten Mal. Danach ging es sofort in die Flitterwochen.

Und jetzt möchte Dirk Schuster nachholen, was andere nach dem ersten Date so machen: sich Kennenlernen. Darum möchte der 54-Jährige die Zeit bis zum Trainingsauftakt nutzen, um viele Einzelgespräche zu führen. "Sich beschnuppern, dass man auch ein bisschen besser weiß, wie der andere so tickt." Der Trainingsauftakt war für Dirk Schuster und den FCK also eine Art zweites erstes Date.

Interview mit FCK-Trainer Dirk Schuster

FCK-Coach Schuster spricht von einem Neuanfang

Zumindest für die Spieler geht es auch dabei gleich ans Eingemachte: Zweimal Training pro Tag - manchmal sogar dreimal. Dirk Schuster will sehen, auf wen er in der 2. Bundesliga zählen kann oder wen er mit Blick auf das gestiegene sportliche Niveau doch lieber ersetzen will. "Viele Spieler sehen das jetzt, genau wie wir, als Neuanfang."

Die Auswahl-Wochen werden hart - physisch und mental. Das weiß Dirk Schuster. Doch "die Jungs", wie Dirk Schuster sagt, ziehen gut mit. "Das zeigt mir vor allem, dass jeder seine Chance wittert. Ich denke, dass sich jeder nochmal neu zeigen will."

FCK-Spieler kämpfen um ihren Platz im Team

Der eine Spieler spürt den Druck, der andere sieht die Chance. Schuster setzt daher auf offene Kommunikation und Fairness: "Ich habe den Spielern versprochen, dass jeder seine Einsatzminuten bekommt."

Ein paar "Baustellen" hat der Trainer schon ausgemacht: Er will mehr Speed, mehr Robustheit in der Innenverteidigung und einen Konkurrenten, der Torjäger Terrence Boyd weiterhin zu Bestleistungen triezt.

FCK zwischen Attraktivität und knappen Kassen

Auf der Suche nach dem "perfect Match" geht es dem FCK derzeit wie den Halbstarken beim Abi-Ball: schon irgendwie sexy, aber wenn es darum geht, Nägel mit Köpfen zu machen, doch nicht die allererste Wahl: "Als Aufsteiger, Traditionsverein mit gutem Potenzial ist man schon eine Hausnummer in der 2. Bundesliga. Aber wenn man dann sieht, dass andere Vereine, die schon mehrere Jahre in der zweiten Liga spielen, ganz andere wirtschaftliche Voraussetzungen haben als wir, dann stellt sich das einen Tick schwieriger dar, richtig gute Spieler zu holen, die natürlich auch aufs Geld schauen."

Immerhin: Auf der Torhüter-Position hat es bereits gefunkt: Andreas Luthe ersetzt den zum Hamburger SV abgewanderten Matheo Raab. Und für den Neuen im FCK-Tor hat die Attraktivität der Roten Teufel anscheinend eine sehr große Rolle gespielt: Schuster kannte Andreas Luthe aus gemeinsamen Zeit beim FC Augsburg. Da hat der Trainer den Kontakt noch einmal aufgewärmt. "Und es hat Gott sei dank geklappt. Es zeigt uns aber auch, dass der 1. FC Kaiserslautern einen riesige Strahlkraft hat, weil er unbedingt zu uns wollte, um vor diesem begeisterten Publikum spielen zu dürfen."

FCK bereits mit vier Neuzugängen

Mit Andreas Luthe begannen auch Lars Buenning (24, Innenverteidiger vom SV Meppen), Ben Zolinski (30, Offensivspieler von Erzgebirge Aue) und Julian Krahl (22, Torwart von Viktoria Berlin) ihr neues Kapitel beim 1. FC Kaiserslautern. "In Sachen Neuverpflichtungen haben wir Halbzeit", sagte Schuster im Interview mit SWR Sport.

Der FCK ist beim Publikum ein Riesenhit

Denn beim Publikum - dem wahrscheinlich leidenschaftlichsten Teil dieser weitverzweigten Beziehungskiste - steht der FCK ganz hoch im Kurs. Das haben nicht nur die vollen Stadien in der finalen Phase der 3. Liga und der anschließenden Relegation gezeigt.

Den letzten Beweis, dass der FCK auch mit 122 Jahren noch eine ganz heiße Nummer ist, lieferte am Freitagmittag die DFL: Eröffnungsspiel, Freitagabend, 15. Juli, 20:30 Uhr, auf dem Betzenberg, gegen Hannover 96, "weil natürlich auch die Fernsehanstalten gemerkt haben, was hier abgeht und dass sie dadurch richtig viele Zuschauer ans Fernsehgerät locken können."

Der FCK träumt von damals und den zweiten Flitterwochen

Das Duell dieser beiden Traditionsklubs klingt nach dem ganz großen Fußball vergangener Tage, nach Fritz Walter, Werner Liebrich und Horst Eckel. Es ist die Neuauflage des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft von 1954.

Der 1. FC Kaiserslautern hat das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1954 im Hamburger Volksparkstadion mit 1:5 gegen Hannover 96 verloren.

Horst Eckel konnte die Niederlage nicht verhindern: Der 1. FC Kaiserslautern hat das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1954 im Hamburger Volksparkstadion mit 1:5 gegen Hannover 96 verloren.

Vier Wochen haben Trainer und Spieler nun Zeit, sich kennenzulernen und aufeinander einzustellen. Danach beginnt die Mission Klassenerhalt. Das wird ein hartes Stück Arbeit und die Nerven von Trainern, Spielern und Fans vermutlich eine Weile strapazieren. Der Vorteil für den FCK: Wenn die Mission erfolgreich ist, dürfen alle gleich nochmal in die Flitterwochen.