Handball | EM

Die Fünf-Minuten-EM des Hendrik Wagner

Stand: 26.01.2022, 19:01 Uhr

Das Corona-Chaos hat die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei der EM ziemlich gebeutelt. Auch Hendrik Wagner von den Eulen Ludwigshafen hatte sich sein erstes großes Turnier wohl anders vorgestellt. Einen Tag später ist er wieder in Deutschland gelandet und zieht eine persönliche Bilanz.

Zehn Tage war Hendrik Wagner in Bratislava bei der Handball-Europameisterschaft, eine EM, die er vermutlich so schnell nicht vergessen wird, obwohl sie eigentlich zum Vergessen ist. Am 16. Januar kam er am Spielort der deutschen Mannschaft an, als Nachrücker für den coronaerkrankten Julius Kühn. Schon einen Tag später hatte er selbst einen positiven Coronatest und musste eine Woche lang in die Isolation auf seinem Hotelzimmer. "Ich hatte zu niemandem Kontakt, war eine Woche allein auf dem Zimmer. Als wir dann zum Spiel gegen Schweden gefahren sind, da habe ich die Leute erstmals gesehen und konnte Hallo sagen", erzählt Wagner von der skurrilen Situation.

Kurzeinsatz gegen Schweden nach einer Woche auf dem Hotelzimmer

Erst im vorletzten Hauptrundenspiel gegen Schweden kam Hendrik Wagner dann zum Einsatz. Allerdings nur für wenige Minuten. Immerhin erzielte er dabei ein Tor. Doch dann klagte der Rückraumspieler über Atemnot. Corona und die einwöchige Isolation auf dem Hotelzimmer haben eben doch Spuren hinterlassen. Trotzdem ist er mit seinem Kurzeinsatz zufrieden: "Ich bin erstmal froh, dass ich meinen ersten Einsatz haben durfte bei einer EM, mein erstes Tor machen konnte. Man wusste ja, dass ich in Isolation war für sieben Tage, weil ich positiv getestet wurde. Da war relativ klar, dass ich nicht die Luft hatte für viel Spielzeit. Aber ich bin trotzdem froh, dass es so geklappt hat."

Persönliches Fazit trotzdem positiv

Eigentlich hatte Hendrik Wagner noch auf einen Einsatz im letzten Spiel gegen Russland gehofft. Doch dazu kam es nicht. Bundestrainer Alfred Gislason verzichtete, vor allem aus Rücksicht auf seine Gesundheit, auf den 24-Jährigen, der damit nur auf einen Kurzeinsatz bei dieser außergewöhnlichen EM gekommen ist. Trotzdem hat er die Zeit in der Slowakei nicht bereut. "Es war ein total verrücktes Turnier. Man hat so viele Spieler ausgetauscht wie noch nie, aber man muss auch sehen, dass die Eingespieltheit gefehlt hat. Ich glaube, wir haben kämpferisch und moralisch alles gegeben, und deshalb kann man positiv aus dem Turnier rausgehen", so das Fazit von Wagner.

Wieder voller Einsatz für die Eulen

Aus gesundheitlicher Sicht glaubt Wagner nicht, dass ihm die Coronainfektion lange nachhängen wird. Die Atemnot im Schweden-Spiel führt er auf die erzwungene Passivität im Hotelzimmer zurück. Jetzt will er sich wieder auf seine Einsätze in der zweiten Liga für die Eulen konzentrieren. "Morgen bin ich wieder im Training, versuche mich langsam fit zu machen, meine Ausdauer auf guten Stand zu bringen und dann versuchen wir, mit den Eulen wieder anzugreifen in der Rückrunde. Da haben wir noch viel vor uns", zeigt sich Wagner schon wieder voll motiviert.

Ziel EM in Deutschland

Mittel- und langfristig könnte ihm die EM-Teilnahme trotzdem helfen. Die Erlebnisse von Bratislava schweißen zusammen, er gehört jetzt dazu und hofft auf weitere Chancen bei der Nationalmannschaft, vor allem mit Blick auf die nächste EM, die dann in Deutschland stattfinden wird. "Ich gebe alles dafür, ich trainiere viel dafür. Mein nächster Schritt kommt und ich hoffe, dass alles passt und ich in Zukunft nochmal zu einem Turnier gehen darf", so sein Perspektive.

Zunächst aber ist Wagner froh, wieder in Deutschland zu sein. Seine Handball-Karriere ist auf jeden Fall um ein ungewöhnliches Kapitel reicher.

Quelle: SWR

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