Erik Durm, Neuzugang beim 1. FC Kaiserslautern

Zwei Jahre nach Insolvenz Deshalb kann der 1. FC Kaiserslautern wieder "Top-Transfers" stemmen

Stand: 05.07.2022 10:06 Uhr

Der FCK ist zurück in der 2. Bundesliga - und macht mit spektakulären Transfers auf sich aufmerksam. Dabei meldeten die Roten Teufel vor knapp zwei Jahren Planinsolvenz an...

Der 15. Juni 2020 war eine Zäsur in der jüngeren Geschichte des 1. FC Kaiserslautern. Damals standen die Pfälzer finanziell am Abgrund. Die Schulden des viermaligen deutschen Meisters sollen sich damals auf rund 24 Millionen Euro belaufen haben, ein Schuldenschnitt zwischen FCK und Gläubigern war gescheitert.

Letzte Chance Planinsolvenz

Die Lizenz für die Drittligasaison schien zuvor lange Zeit fraglich, als die Roten Teufel an ebendiesem 15. Juni ihre letzte Chance nutzten und eine Insolvenz in Eigenverwaltung, eine sogenannte Planinsolvenz, einleiteten. "Ziel des Verfahrens ist es, zügig die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit wiederherzustellen", sagte der damalige Geschäftsführer Soeren Oliver Voigt. "Mit dieser Option auf eine mittel- und langfristige wirtschaftliche Sanierung können wir jedoch unsere Handlungsspielräume spürbar erweitern und dem Spielbetrieb den Rücken freihalten."

Roten Teufel nutzen Folgen der Pandemie

Und es kam exakt so: Kaiserslautern beseitigte durch die Planinsolvenz gleich mehrere große Probleme und schuf damit die Grundlagen für die mittlerweile vollendete Rückkehr in die 2. Liga. Der FCK wurde seine Schulden los und wurde durch die wegfallenden Altlasten auch für Investoren attraktiver. Zudem nutzte der Klub die Folgen der Corona-Pandemie aus. Denn der Deutsche Fußball-Bund (DFB) setzte den sonst verfügten Abzug von neun Punkten als Sanktion einer Insolvenz wegen der wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise im Jahr 2020 aus. Auch behielten alle Spielerverträge ihre Gültigkeit.

Der FCK als Opportunist

Die Pfälzer agierten also als Opportunisten, weil sie juristisch völlig legal die besonderen Umstände der Corona-Pandemie ausnutzten. Die Planinsolvenz wurde somit vom Horrorszenario zum sinnvollen Geschäftsmodell.

Die Gläubiger des 1. FC Kaiserslautern stimmten dem Insolvenzplan samt Schuldenschnitt am 29. Oktober 2020 zu. Mit Abschluss der Planinsolvenz war der Traditionsklub am 07. Dezember 2020 auf einen Schlag so gut wie schuldenfrei - ganz ohne negative sportliche Konsequenzen. Der Boden für den Neuanfang war bereitet.

Regionale Investorengruppe engagiert sich

Der FCK war somit wieder ein reizvolles Investment - und war gleichzeitig auf Partnersuche, um "frisches Geld" zu bekommen. Verhandelt wurde mit mehreren Interessenten, den Zuschlag erhielt im März 2022 die sogenannte regionale Unternehmensgruppe um die Unternehmer Klaus Dienes aus Kaiserslautern und Giuseppe Nardi aus Homburg. Rund elf Millionen Euro soll die sogenannte "Saar-Pfalz-Invest GmbH" für knapp 33 Prozent der Anteile an der 1. FC Kaiserslautern GmbH & Co. KGaA gezahlt haben.

Auch Sachwalter Dr. Andreas Kleinschmidt, der während der Planinsolvenz die Interessen der FCK-Gläubiger vertrat, war mit der Wahl einverstanden. "Es gibt eine große Nachvollziehbarkeit, warum sie sich engagieren wollen. Sie kennen den Verein und sind aus der Region. Zudem ist es eine Konzeption, die in die Struktur des Vereins passt. Und es lässt Raum für weitere, zusätzliche Investoren in Zukunft", so Kleinschmidt damals gegenüber SWR Sport.

Der FCK war also wieder liquide und griff bei der Suche nach Verstärkungen direkt in die obere Reihe des Drittliga-Regals. Kamen im Sommer 2020 - also während der laufenden Planinsolvenz - bereits ligaweit begehrte Spieler wie Tim Rieder, Marvin Pourie oder Kenny Prince Redondo, wurden im Winter, wenn auch auf Leihbasis, Profis wie Rückkehrer Jean Zimmer oder Felix Götze verpflichtet.

Löwen-Coach Köllner: "Wenn man kein Geld hat, kriegt man auch keines"

Die neuen Möglichkeiten des FCK nach der Planinsolvenz kamen nicht überall in der 3. Liga gut an. Am deutlichsten wurde damals Michael Köllner, Trainer des TSV 1860 München: "Früher hast du neun Punkte Abzug und eine fette Geldstrafe bekommen. Ich habe immer gelernt: Wenn man kein Geld hat, kriegt man auch keines", so der Löwen-Coach. Hintergrund war, dass auch die Blauen um Rieder geworben hatten, dieser sich aber für das Angebot aus Kaiserslautern entschied.

Ein Unding für Köllner. "Die Regularien geben das leider her. Eine Insolvenz, ohne dass du irgendeinen Nachteil hast. Wir müssen immer eine Fortführungsprognose stellen. Ich hoffe, dass das bei solchen Vereinen auch mal irgendwann so ist", polterte er.

Absturz in die Regionalliga gerade so vermieden

Dem FCK dürfte die Kritik aus der Liga egal gewesen sein. In der Pfalz lag der Fokus wieder auf dem Sportlichen. Doch trotz des starken Kaders lief es in der Folge für die Roten Teufel nicht komplett rund. Der FCK schwebte in der 3. Liga in der Saison 2020/2021 lange in Abstiegsgefahr und verhinderte erst am drittletzten Spieltag den Absturz in die Regionalliga Südwest.

Im Anschluss an diese verkorkste Spielzeit schafften es der am 01. Februar 2021 als neuer Trainer vorgestellte Marco Antwerpen sowie der einen Monat später eingestellte Thomas Hengen als neuer Geschäftsführer Sport, einen starken Kader für die Saison 2021/2022 zusammenzustellen. Die vorherige Leihgabe Zimmer blieb nun fest beim FCK, Mike Wunderlich, Rene Klingenburg oder im Winter Terrence Boyd standen für die Ambitionen der Pfälzer, im vierten Anlauf endlich die Rückkehr in die 2. Liga zu bewerkstelligen.

Und es gelang dank einer über weite Teile starken Saison des 1. FC Kaiserslautern. Natürlich lief es nicht ohne Drama ab - das wäre auch untypisch für den FCK. Eine gute Ausgangsposition für den direkten Aufstieg verbauten sich die Pfälzer durch drei Niederlagen in den letzten drei Ligaspielen - um sich dann in der Relegation gegen den Drittletzten der 2. Liga, Dynamo Dresden, durchzusetzen.

Abseits des Feldes kam im Frühjahr erneut "frisches Geld" herein. Die Pacific Media Group (PMG) beteiligte sich im März diesen Jahres mit einem Anteil von knapp zehn Prozent an der GmbH und Co. KGaA der Pfälzer. Der FCK kann somit in der aktuellen Transferperiode - auch dank des Geldes der PMG - den Kader für die 2. Liga weiter aufrüsten. "Große Namen" wie Andreas Luthe oder Erik Durm sind plötzlich möglich. Auch das wird von dem ein oder anderen Konkurrenten vermutlich argwöhnisch beäugt werden.

Hengen wehrt sich gegen die Kritik

Kritik, die Geschäftsführer Hengen nicht anficht. "Wir haben es immer so gehalten, dass wir uns nicht über über Konkurrenten äußern. Ich kenne nicht deren Interna und die nicht unsere", sagte der Ex-Profi im exklusiven Gespräch mit SWR Sport. "Wenn andere Vereine über uns urteilen, müssen wir das allerdings so hinnehmen." Beim FCK, so Hengen weiter, agiere man mit der nötigen Vernunft. "Wir wirtschaften und haushalten so, wie wir das können und dürfen. Die bisherigen Deals waren wirtschaftlich absolut vertretbar."

"Kann den Frust nachvollziehen"

Ohnehin hätten die Roten Teufel nichts Verwerfliches getan. "Sicherlich sind diese Modalitäten erst während der Corona-Zeit ermöglicht worden. Dieses Schlupfloch haben wir genutzt, das war auch sehr wichtig für den Verein", so Hengen, der aber auch zugibt: "Ich kann den Frust des ein oder anderen Vereins nachvollziehen."

Kleinschmidt: "Auf einer gesunden Basis voll durchstarten"

Der damalige Sachwalter Kleinschmidt ist nicht überrascht darüber, dass der FCK wieder liquide ist. "Das es am Ende gut ausgeht ist ja eigentlich das Wunschergebnis eines solchen Verfahrens. Damit man dann auf einer gesunden Basis wieder voll durchstarten kann. Das ist eigentlich die Auszeichnung eines erfolgreichen Sanierungsverfahrens. Von daher freut mich das", sagte Kleinschmidt aktuell gegenüber SWR Sport.

Retrospektiv also ein Erfolg, aber damals sei die Situation durchaus keine leichte gewesen. "Wenn Leute Geld verlieren, dann freut sich natürlich keiner", so Kleinschmidt. "Es war viel Überzeugungsarbeit notwendig, es war ein zähes Ringen und verhandeln mit den Gläubigern, dass sie auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichtet haben, um den Neustart zu ermöglichen."

Der "Neustart" hat den FCK in die 2. Liga geführt. Dort will man sich jetzt etablieren, auch durch die Verstärkungen wie Luthe oder Durm. Und es sollen auch noch weitere Spieler kommen.

Und wer weiß? Vielleicht sind ja noch mehr "große Namen" dabei? Denn der FCK kann wieder agieren und nicht nur reagieren. Die Roten Teufel, sie sind wieder wer. Allen voran ein attraktiver Traditionsklub. Eine Entwicklung, die vor knapp zwei Jahren ihren Anfang nahm.