Alexander Rosen von der TSG Hoffenheim

Fußball | Meinung Der Millionenmacher: Darum ist Alexander Rosen Hoffenheims Lebensversicherung

Stand: 14.01.2023 21:36 Uhr

Mit Georginio Rutter wechselt wieder ein Spieler der TSG Hoffenheim für viel Geld zu einem anderen Verein. Alexander Rosen, der Direktor Profifußball, bestätigt damit einmal mehr seinen Ruf als herausragender Kaderplaner, meint SWR-Sportredakteur Kersten Eichhorn.

Das bekommt selbst der beste Investment-Banker der Welt nicht gebacken: Aus 750.000 Euro binnen zwei Jahren einfach mal knappe 40 Millionen gemacht. Der Fußballmanager Alexander Rosen hat das geschafft, mit seinem jüngsten Transfer-Coup und dem Verkauf von Georginio Rutter von Hoffenheim nach Leeds. Für eben die genannte dreiviertel Million hatte Rosen den jungen Hochgeschwindigkeitsdribbler im Januar 2021 von Stade Rennes aus Frankreich geholt und jetzt für die rund 50-fache Summe (!) in die Premier League weitertransferiert.

Chef-Kaderplaner Alex Rosen

Der Deal ist das nächste "Meisterstück" des Hoffenheimer Chef-Kaderplaners Alexander Rosen, der mit seiner Scouting-Abteilung die Ausnahmebegabung des damals 18-Jährigen mit den auffallend blonden Wuschelhaaren erkannt und frühzeitig in den Kraichgau holte. Dass die Personalie Rutter beileibe kein Einzelfall oder gar Zufallstransfer war, zeigt ein Blick in die Vergangenheit. Seit Alexander Rosen vor etwa zehn Jahren am 2. April 2013 die Leitung der TSG-Profiabteilung übernahm, betätigen sich die Hoffenheimer in praktisch jeder Transferperiode als herausragende "Geldvermehrer".

Georginio Rutter

Georginio Rutter

Wer sind die Top-Transfers der TSG Hoffenheim?

Das Motto: Dank geschultem Blick, zum Teil schon zu Rosens Zeit im Hoffenheimer Nachwuchs, günstig ausgebildet oder eingekauft, anschließend teuer und höchst gewinnbringend weiterverkauft. Hier nur die besten Beispiele: Roberto Firmino für 41 Millionen zum FC Liverpool, Niklas Süle (20 Millionen) und Sandro Wagner (13 Millionen) zum FC Bayern, Nico Schulz für 25 Millionen zu Borussia Dortmund, Kevin Volland (20 Millionen), Nadiem Amiri (9 Millionen) und Kerem Demirbay (32 Millionen) nach Leverkusen, Joelinton für 44 Millionen zu Newcastle, Gregor Kobel (7 Millionen) zum VfB Stuttgart, David Raum für 26 Millionen Euro zu RB Leipzig. Jetzt also Georginio Rutter für die kolportierten 40 Millionen zu Leeds United.

TSG Hoffenheim mit einem Transferplus von mehr als 200 Millionen Euro

Macht zusammen, laut den Zahlen des Online-Portals transfermarkt.de, runde 250 Millionen Euro an Transfer-Einnahmen. Und das allein für die genannte "Verkaufs-Elf". Unterm Strich ist das ein gewaltiges Transferplus von mehr als 200 Millionen für die TSG. Dazu kommt noch der "Verkauf" des von Alexander Rosen geförderten Jungtrainers Julian Nagelsmann für fünf Millionen Euro zu RB Leipzig.

Rote Zahlen über Transfers ausgeglichen

Mit dieser regelmäßigen Geldbeschaffung über clevere und geschickte Personalpolitik bestätigt sich Alexander Rosen Jahr für Jahr als finanzielle "Lebensversicherung" für die TSG Hoffenheim. Die üppigen Transfererlöse gleichen seit Jahren immer wieder rote Zahlen im Etat aus, gerade auch während und nach der Corona-Phase. Nur so lässt sich Bundesliga in der Sinsheimer Arena dauerhaft finanzieren.

Wo stünde die TSG mit den verkauften Spielern?

Eigentlich ist ja der regelmäßige Verkauf der besten Hoffenheimer Spieler jammerschade. Denn sportlich gesehen mag man sich nur einmal bildlich vorstellen, mit welchem Team die TSG in der Bundesliga antreten könnte, hätten die genannten Könner den Kraichgau nicht verlassen und den nächsten Schritt - sportlich wie finanziell - zur breitschultrigen Konkurrenz gemacht. Hoffenheim wäre ein dauerhafter Champions-League-Kandidat.

Hoffenheim als interessante Zwischenstufe nach ganz oben

Frustration wegen der regelmäßigen sportlichen Verluste ist dennoch fehl am Platz in den Hoffenheimer Planungsbüros. So weh es tut für Verein und Fans, einen famosen Spaßfußballer wie Georginio Rutter zu verlieren. Alexander Rosen und sein Team haben sich längst mit ihrem Geschäftsmodell arrangiert, kennen die Stellung der TSG Hoffenheim im Fußballgeschäft und die Chancenlosigkeit gegen die Big Player vor allem in der Bundesliga und der englischen Premier League auf dem Transfermarkt.

Also hat man in Hoffenheim aus der Not eine Tugend gemacht: Der Kraichgau ist und bleibt für Fußballer eine hochinteressante Zwischenstufe nach ganz oben. Die TSG wiederum profitiert vom enormen Wertzuwachs und lässt sich die weiterentwickelten Hochbegabten teuer aus ihren Verträgen herauskaufen. Dass dabei vor allem die schwerreichen Premier-League-Klubs längst das finanzielle Maß verloren haben, davon profitiert man nicht nur in Hoffenheim - siehe Freiburg und der 25-Millionen-Wechsel von Kevin Schade zu Brentford.

Wer kommt nach Rutter?

Die Rolle als hochgeschätzter "Ausbildungsverein" im positiven Sinne spielt Hoffenheim inzwischen perfekt. Mit jungen und entwicklungsfähigen Spieler aus dem eigenen Talentschuppen, aus der 2. Liga oder auch aus dem Ausland. Der Transfer-Coup mit Georginio Rutter ist dafür nur das jüngste Beispiel, aber ganz sicher nicht das letzte.

Schließlich hat sich die TSG mit ihrem früheren Mittelfeldspieler Pirmin Schwegler, dem bisherigen Chef-Scout des FC Bayern, als neuen Lizenzspieler-Leiter einen weiteren Fachmann ins Boot geholt. Auch die Rückkehr des smarten Schweizers in neuer Rolle ist ein bemerkenswerter Transfer von Alexander Rosen.