SV-Sandhausen-Chef Jürgen Machmeier

Fußball | 2. Bundesliga Das hat Sandhausen dem FCK und Waldhof Mannheim voraus

Stand: 18.06.2022 16:11 Uhr

Der SV Sandhausen geht in seiner elfte Zweitliga-Saison. Im Interview mit SWR Sport zieht Präsident Jürgen Machmeier Bilanz und erklärt, was der Sandhausen besser macht als der FCK oder Waldhof Mannheim.

SWR Sport: Herr Machmeier, zehn Jahre 2. Bundesliga am Stück. Der SV Sandhausen geht in die elfte Saison. Was bedeutet das für Sie und die 15.000-Einwohner-Gemeinde - Freude, Stolz, Genugtuung?

Jürgen Machmeier: Zunächst mal Riesenstolz. Wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben, auf das, was wir jedes Jahr wieder von Neuem leisten können und dass wir beweisen dürfen, dass es auch mit kleinen Mitteln möglich ist, in der großen Fußballwelt mitzuhalten. Und das ist eine Genugtuung - auch dahingehend, weil wir ja jedes Jahr als erster Abstiegskandidat gehandelt werden und dann immer wieder beweisen, dass die sogenannten Fachleute auch mal falsch liegen.

Sandhausen-Präsident Jürgen Machmeier im Interview

Davon können viele große Klubs nur träumen - zum Beispiel die Münchner Löwen, Waldhof Mannheim, zuletzt auch der 1. FC Kaiserslautern. Was haben Sie denn in dieser Zeit besser gemacht als andere Vereine mit deutlich besseren Mitteln?

Machmeier: Zunächst einmal glaube ich, dass unsere Strukturen über die Jahre sehr gut funktionieren. Wir haben flache Entscheidungsebenen. Wir haben keine Einflüsse von außen. Es werden Entscheidungen in einem engen Kreis getroffen und es ist ein Höchstmaß an gegenseitigem Vertrauen da.

Sie sehen ja auch immer wieder: Wenn wir an Spielern dran sind, wenn wir Dinge verändern, dann geben wir das bekannt, wenn es soweit ist, wenn die Entscheidungen getroffen sind, wenn die Spieler verpflichtet sind. Bei anderen ist das schon in den Medien, wenn der erste Satz über den Spieler gesprochen ist. Und ich denke, das sind Kleinigkeiten, die dann letzten Endes in in diesem Höchstmaß an Vertrauen auch ein Höchstmaß an Leistung bei uns gegenseitig abrufen.

Ich denke, dass auch die hohe Fachkompetenz, die wir uns immer wieder neu erarbeiten oder dazuholen, dazu beiträgt. Und, dass es wichtig ist, dass wir überwiegend die richtigen Trainer-Entscheidungen getroffen haben. Das Wichtigste ist bei uns, dass wir Ruhe im Umfeld haben.

Der Sommerfahrplan des SV Sandhausen

  • 15.06.: Erstes Teamtraining
  • 18.06.: Testspiel bei TuS Mingolsheim (15:00 Uhr)
  • 19.06.: Testspiel bei Fortuna Heddesheim (17:00 Uhr)
  • 24.06.-01.07.: Trainingslager in Hopfgarten-Markt, Österreich
  • 09.07.: Testspiel (Gegner, Ort und Uhrzeit noch unbekannt)
  • 15.07.-17.07.: 1. Spieltag in der 2. Bundesliga
  • 22.07.-24.07.: 2. Spieltag in der 2. Bundesliga
  • 29.07.-01.08.: 1. Runde im DFB-Pokal gegen BSV SW Rehden

Ich kenne den Verein ja auch schon von Kind auf. Mir hat immer dieser familiäre Charakter imponiert. Man packt an, man macht viel in Eigenarbeit. Wie schwierig ist es denn, diesen familiären Touch im Profifußball auf Dauer beizubehalten?

Machmeier: Es gibt immer wieder Personen, denen das Familiäre ein bisschen abhanden kommt, weil wir in den letzten Jahren sehr viele professionelle Strukturen eingeführt haben. Da muss man die Balance zu dem finden, was uns auszeichnet. Wir haben Glück, dass viele bereit sind, ehrenamtlich und kostenlos Aufgaben zu übernehmen, die bei anderen Vereinen mit ein, zwei, drei Personen besetzt sind. Familiär bleiben, aber trotzdem professionell mitzuhalten, das ist die größte Aufgabe, die wir als als kleiner Verein haben.

Apropos Ehrenamt: Sie sind seit vielen Jahren Präsident des SVS. Wie viele Nerven haben Ihnen diese zehn Jahre 2. Bundesliga gekostet? Es war ja immer mal wieder kurz vor knapp was den Abstiegskampf angeht.

Machmeier: Wenn man von seiner Entscheidung überzeugt ist, steht man auch mal negative Zeiten durch. Wenn man Vertrauen im Umfeld hat, Vertrauen im Vorstand, Vertrauen untereinander und in die handelnden Personen, dann sind Krisen leichter. Aber ich bin jetzt im 24. Jahr Präsident beim SV Sandhausen. Da gab es immer Höhen und Tiefen - nicht nur in der 2. Bundesliga. Und man leidet natürlich, wenn der Klassenerhalt immer wieder gefährdet ist.

Aber wir sind uns stets bewusst, dass es den SVS treffen kann. Ich habe immer gesagt: Wenn große Vereine wie Hannover, Nürnberg oder Düsseldorf mal eine Fehlplanung im Kader haben, dann werden die schlimmstenfalls Zwölfter, 13. oder 14. Wenn der SV Sandhausen einen großen Fehler in der Kaderplanung hat, dann steigt er ab. Deshalb müssen wir noch größere Sorgfalt an den Tag legen, was die Zusammensetzung des Kaders betrifft.

Aber die Leidensfähigkeit ist beim SV Sandhausen groß, weil wir immer wieder mit der Gewissheit starten, dass wir um diese Liga kämpfen müssen. Es ist uns bewusst, dass wir immer mal wieder erst am letzten Spieltag die Klasse halten. Aber uns ist natürlich auch bewusst, dass wir einen Gesamtetat haben, der kleiner ist, als der Mannschaftsetat anderer Vereine. Dennoch kostet es immer wieder Nerven, bis sicher ist, dass wir die Klasse halten.

Nehmen wir nochmal zehn Jahre dazu: Wo würden Sie Ihren SV Sandhausen gerne im Jahr 2032 sehen?

Machmeier: Zunächst mal gibt es gewaltige Anforderungen, die auch die DFL und Donata Hopfen als neue Geschäftsführerin an uns stellen - Thema Nachhaltigkeit und jetzt die virtuelle Bundesliga. Das allein sind in den nächsten Jahren gewaltige Herausforderungen, die wir mit unserem geringen Personalstand meistern müssen.

Ich glaube, dass wir in der kommenden Saison eine vernünftige Rolle spielen können, weil alle Stammspieler alle halten konnten, bis auf Pascal Testroet, den wir mit Matej Pulkrab jedoch gut ersetzen konnten. Darum glaube ich, dass wir in der kommenden Saison auch einen Schritt machen können: weg vom absoluten Abstiegsrang hin zur sorgenfreien Saison.

Das sind die kleinen Schritte, die wir auch in den nächsten zehn Jahren machen müssen. Das waren auch bisher immer kleine Schritte: der Verein, der Kader, der Stadion-Umbau, der Neubau, Trainingsplätze. Das sind immer wieder die gleichen Schritte, die den SV Sandhausen in diesem Haifischbecken 2. Bundesliga mit all den bekannten Namen konkurrenzfähig erhalten.

Also immer ein schmaler Grat?

Machmeier: Für kommende Saison bin ich Verhalten optimistisch, weil der Kader Hoffnung macht. Auch die Neuzugänge, die wir bereits haben. Dass David Kinsombi sich für den SV Sandhausen entscheidet, wäre vor drei Jahren noch undenkbar gewesen. Da sieht man, dass der Stellenwert des SV Sandhausen enorm gewachsen ist, auch für die Spieler.

Es sind die kleinen Schritte, die wir gehen müssen. Von daher wäre es natürlich gut, wenn der SV Sandhausen nicht immer an diesem ominösen Strich in der Tabelle entlanggeht, sondern sich auch mal einige Tabellenplätze nach oben entwickeln kann.