Pellegrino Matarazzo
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Fußball | Meinung Matarazzo-Aus beim VfB - Das ewig gleiche Lied

Stand: 11.10.2022 10:31 Uhr

Beim VfB Stuttgart ist eine Entscheidung getroffen worden: Trainer Pellegrino Matarazzo wurde freigestellt. Dabei sollte mit diesem Coach alles anders werden. Ein Kommentar.

Von Günther Schroth

Es war viel Begeisterung da, viel Anfangszauber, als Pellegrino Matarazzo im Dezember 2019 zum VfB kam. Er kam und füllte eine Lücke: die des Fußball-Intellektuellen. Und als der Mann mit dem Mathematik-Studium dann die 2. Liga so erfolgreich analysierte, dass er mit einem Kader, dem man das nicht unbedingt zutrauen konnte, gleich wieder den Aufstieg schaffte, war ich restlos überzeugt. Anschließend wurde er sogar Neunter in seinem ersten Bundesligajahr, der Stuttgarter Fußball-Himmel leuchtete in rosarotem Hoffnungsschimmer.

Rosarote Hoffnung - grauer Alltag

Dann aber kam das graue, grausame Jahr zwei nach dem Aufstieg. Der Fußball in Stuttgart wurde mühsam, die Beine wurden schwer, der Klassenerhalt hing am seidenen Faden. Und der Fußball-Intellektuelle wurde zum eher einsilbigen Stichwortlieferanten. Erst der Last-Minute Klassenerhalt versprach wieder Befreiung, versprach wieder einen Anfangszauber, sah einen auch mal emotionalen Pellegrino Matarazzo.

Und jetzt stellt sich heraus: Es ist doch wieder das ewig selbe Ende vom Lied. Nach dem schlechtesten Saisonauftakt, den sich der VfB jemals leistete, nach sieglosen Spielen ohne Ende, nach fünf Pünktchen, muss wieder einmal der Trainer dran glauben. Er wurde freigestellt. Der im Fußball weit verbreitete Glaube an den Neuanfang ist auch beim VfB wieder mal das einzige Rezept, das man in petto hat. Statt einen Kader heranzuziehen, der langsam in die Bundesligafähigkeit heranwächst, soll wieder mal der schnelle Wechsel helfen. Nach dem Motto: Egal, wer der neue Trainer sein wird, Hauptsache: Ein Neuer kommt jetzt her.

Warten auf die Lichtgestalt

Das ist bedauerlich, auch weil mit Matarazzo anderes geplant war. Langfristiges. Siehe Urs Fischer bei Union Berlin - oder die Lichtgestalt der Liga: Christian Streich in Freiburg.

Stuttgart aber ist nicht Freiburg, beim VfB muss man wieder mal das scheinbar Altbewährte anwenden. Matarazzo, der zuletzt immer einsilbiger und spröder wurde, hat bei den Fans immer noch erstaunlich viel Kredit. Aber Sportdirektor Sven Mislintat, VfB-Boss Alexander Wehrle und Co. mussten jetzt handeln. Beim VfB geht es schon wieder nur noch darum, die Klasse zu halten.

Dass der VfB, fünfmal Deutscher Meister und - immer noch - Vierter der ewigen Tabelle der Bundesliga, wieder dahin kommt, wo er mal hingehörte, wage ich dennoch ernsthaft zu bezweifeln. Die fußballerische Zukunft dieses Vereins, der nach wie vor eine großartige Fan-Unterstützung genießt, aber ist in einem Wort zu fassen: Es geht nur noch ums "Durchwursteln". Irgendwann aber könnte der Klub auch dem treuesten Fan nur noch das sein: nämlich Wurst.